Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1902)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1902)
- Date
- 1902-10-31
- Page
- Seite 40 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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.Seile 40. «Jiidiselie Hundschau. Ko 44. mit dem letzten Rest ihrer ve'räusserten Habe die Uberfahrtskosten sich beschaffen, nicht, dass ihrer schwere Enttäuschungen warten, dass sie im günstigsten Falle bis nach London gelangen und' dort erfahren, dass die Er-; laubnis, in Südafrika zu landen, an Bedingungen geknüpft I ist, welche nur die allerwenigsten von ihnen zu erfüllen I vermögen. Unter diesen Umständen kann vor der Aus- : . Wanderung nach Südafrika nicht dringend genug ge-; warnt werden und die jüdische Journalistik, namentlich aber die Rabbiner und sonst hierzu Berufene in Russ*; land;sollten nicht ermüden, diese Warnungen ttnatisgc-! setzt zu erlassen. j Odessa. Es ist bekannt, dass in Odessa die Fest zum Aus- 1 hruch gekommen ist. Aber weniger bekannt ist es, dass ausi schliesslich Juden von ihr betroffen werden, Gerade weil Juden ׳ im allgemeinen der Wissenschaft als widerstandsfähiger gegen i solche Krankheiten wie Pest und Cholera gelten, ist es doppelt ] bemerkenswert, dass sämtliche 35 von der Seuche betroffenen I Personen Juden sind. Dreizehn sind bereits der fürchterlichen Krankheit erlegen. Diese Juden, die sich durch das Leben durchhungern und alle Entbehrungen ertragen müssen, sind natürlich der Infektion unendlich viel zugänglicher als andere Personen, die nicht durch Hunger und Elend entkräftet sind. Mehr als 400 arme Juden aus den Vorstädten sind unter sanitätspolizeiliche Beobachtung gestellt. Sie ersuchten kürzlich zur Abhaltung des Gottesdienstes um Ausfolgung von (lehctmänleln. Auf Bescheid ihres Rabbiners halten sie ihn aber 0!1יוח solche ab. Die Ausbreitung der Pest unter den Juden ist ein neues schweres Zeichen, wie entsetzlich die gewaltige und himtnelschreiende Judennot ist. Kleine Chronik. Wien, 28. Oktober. Bei den heutigen niederöstcrreichischcn Landstagswahicn wurden in allen 2! Landgemcindebezirken christlich-soziale Kandidaten gewählt. Sechs Bezirke wurden von den Christlich-Sozialen r.eu gewonnen, in denen sic voraussichtlich auch bei den Rcicksratswahlcn überall siegen werden. — In Ungarisch Brod hat Rabbiner Dr. M. Jung abermals ein jüdisches Privat-Gymnasium mit einer kleinen Anzahl von Knaben begründet, die in Kremsier die Aufnahmsprüfutig ablegten, unter Leitung einer geeigneten Lehrkraft stehen und täglich einen gediegenen hebräischen Unterricht erhalten. Die vor neun Jahren ins Leben gerufene Anstalt mit gleicher Tendenz hatte er bereits nach zweijährigem Bestände aus materiellen Gründen eingehen lassen müssen. —- Aus Budapest wird gemeldet: In hiesigen politischen Kreisen erregen die Vorgänge in Rumänien grosses Aufsehen, und besonders in oppositionellen Kreisen wird die Haltung unseres Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten gegenüber der amerikanischen Note lebhaft kritisiert. Es ist wahrscheinlich, dass die üusserste Linke die Ausweisungen der Juden im Abgeordnetenhause zur Sprache bringen wird, und man bezeichnet auch schon der. Abgeordneten Soma V i s o n t a i --der derzeit in seinem Wahlbezirke weilt — als eines jener Mitglieder des Abgeordnetenhauses, welche eine Anfrage au die Regierung richten wollen. Unsere Leser wissen, dass Dr. Soma V i s 0 n t פ i der Ehren-Vorsitzende der Budapester Zionistischcn Vereinigung ist. Ferner ist die Nachricht interessant, dass ein katholisches Mitglied der. liberalen Regierungspartei, und zwar der Abgeordnete Johann Hock, in Angelegenheit der rumänischen Juden eine Interpellation an den Ministerpräsidenten Szell richten will, wobei er auch die Frage der in Rumänien seit• Jahren wohnenden Ungarn aufwerfen will. —In Högyesz (Ungarn) starb Rabbiner Elijahu Mcnachcm Goitein im Alter von 65 Jahren. Um ihn gebührend unsererseits zu schätzen, genügt die kurze Hindeutung, dass seine im Sinne des Vaters echtjüdisch gesinnten Söhne sich in hervorragender Weise an der Propaganda * und Arbeit des Zionismus beteiligen. — Czenstochau. Der Zigarettenfabrikant Wiener hat viele anonyme Briefe erhalten, worin die Wiederholung der Judenverfolgung an ged rollt wird. Vom Polizeimcistcr werden die Hausbesitzer gezwungen, fr?: Willi ge Beiträge zur teilweisen Entschädigung der Geplünderten zu zahlen. — Lublin. Ende Oktober findet in Lublin die Eröffnung einer Handelsschule . statt, welche die Kaufleute von Lublin auf eigene Kosten errichtet haben. Obwohl aber beinahe sämtliche Kaufleute J u - d e n sind, wurde von der Schulbehörde verfügt, dass jüdische Schüler bis höchstens 33 Prozent aufgenommen werden dürften. Ausserdem werden die Kosten der Schule noch direkt den Juden aufetkgt, uTthrcnd sie als ״Juden“ ursprünglich nur ein Drittel ‘ davon decken sollten. Aehnlichc Nachrichten liegen der ״Welt“ in dieser Woche noch aus Krcmentschug, Taganrog und Belgrad vor. - Warschau. Für den immer wachsenden Einfluss des Zionismus im Weichselgebiete führt die halbamtliche .AVarschawsky DnewniK" die Tatsache an, dass nunmehr alle jüdischen IiiMitutionch und Wohlfahrts-Einrichtungen in Warschau sictftti.'den Händen der Zionisten befinden. Dank den Zionisten ׳•— sagt das Blatt — sei im jüdischen kaufmännischen Vereine eine Koscher-Kiiche errichtet, neue Bibliotheken mit jüdischen Werken gegründet und noch viele andere nützliche Neuerungen cingefiihrt worden. —• Petersburg. Wie die russisch.cn Blätter meiden, hat das Departement für geistliche Angclcgcnhcitcn fremder Konfessionen für Ende Oktober einen Rabbiner-Kongress nach Petersburg einberufen, um über die Frage der Reform der jüdischen Schulen und des jüdischen Wohltätigkcitswesens zu beraten. * - Marlapof. Die von den jüdischen Handwerkern in Mariapol dem Ministerium des Innern unterbreitete Bitte um Erlaubnis zur Gründung eines Hiifs- und Darlehn-Vcreins jüdischer Handwerker in Mariapol wurde vom genannten Ministerium zurückgewiesen. ־- fiationalfond. Herr Otto Simon, Mannheim 43,00 M, Herr Her 111. Struck Halt Telegramm Hochzeit Gottesin a n n ־ M011a<s0Im St. Peterburg 2,00 M. Von Dr. E. S. auf einem Geburtslage gesammelt 3,15 M. Auf dem Simchnt. - Tora ־ Ball der ״Jüdischen Geselligen Vereinigung“ in Köln gesammelt von Goldreicb, Hirsch und Fröhlich 8,G5 M. Dr. Rülffond. Ortsgruppe Mainz 10 M., Herr Dr. L. Wolfsohn, Memel 3 Al., Herr L. Scheinhaus, Memel 3 M., Herr W. Rosenberg, Memel 3 M., Herr Dr, Wolfsohn, Memel, gesammelt 0,40 M., Fräulein Rosa Ascher, Berlin 3 M., Herr Ed. Loewe, Magdeburg 3 M., Herr S. Neuraark, Vorstand des Zion. Diskutier-Vereins Gleiwitz 5 M., Dr. Ludwig Goldberg (verspätet quittiert) 3 M., Herbstturnfahrt des jücL Turnvereins ״Bar Kochba“ 4,15 M. Ablösung. Jutkowski, (verspätet quittiert) 1 M., J. Adler aus Hamburg (verspätet quittiert) im Auttrage des Horm Mecklenburg 10 M. Für die rumänischen Juden: Herr Eduard Loewe Magdebuig 10,00 M., Herr Assessor Dr. Friedemann gesammeltim Sanatorium Taunusblick in Königstein 37,00 M., Reforendar Dr. Littmann Gleiwitz 8,25 M. Für die rumänischen Juden. Unser im ״Israelit" veröffentlichter Aufruf zur Sammlung von Kleidungsstücken etc. für bedürftige rumänische Auswanderer hatte ein überraschend günstiges Ergebnis. — Sowohl von hier und Umgegend, als auch aus allen Teilen Süd- und Westdeutschlands liefen Spenden an sehr brauchbaren Kleidungsstücken, sowie an barem Oelde in reicher Fülle ein, so dass Herr Rabbiner Dr. Rosenak-Brcmen uns vor einiger Zeit bitten musste, mit weiteren Zusendungen einstweilen inne zu halten. Den noch vorhandenen Vorrat an Kleidern etc. lassen wir nun nach Basel gehen. Es ist uns unmöglich jedem der cdeln Spender, die unserer Bitte in so hilfsbereiter Weise entsprochen haben, einzeln zu danken, und wir bitten deshalb die vorstehenden Zeilen als Ausdruck des innigsten Dankes und als General-Quittung gelten zu lassen. M a i n z, 18. Tischri 5663. Zionistische Ortsgruppe Mainz. Frauen-Abteilung. Briefhaften. X. Z. 300. Vereinsberichte müssen uns eingesandt werden, wenn wir sie bringen sollen. Wir haben keinen Grund, den Vereinen nachzulaufcn. Die Ankündigung der Vcretnsverenügungeii kann nur auf dem Wege der Annonce erfolgen. Der Preis der Inserate ist am Kopfe unserer Zeitung zu ersehen. Sondhclmer. Ich weiss keine Angaben über die Toyubsshalle zu machen, werde aber versuchen, sic Ihnen anderweitig zu besorgen. Freundlichen Zionsgruss. .