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Jüdische Rundschau · 1902-10-31 · Heft 44 (31.10.1902) · p. Seite 38

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1902)
Issue
Heft 44 (31.10.1902)
Date
1902-10-31
Page
Seite 38 (sequence 6)
Language
German
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Seite 88. Jttdisclie Rundaohati. No. 4 4. * Vf <.•/ ■;::•'־ " ' VI. Statutenänderung. ‘ ß 15. Eine Änderung des Vereinsstatuts kann nur in einer ordentlichen Generalversammlung durch eine MajoritSl von Ys der anwesenden Mitglieder vorgenommen werden. Allerlei. , Mail muss nicht etwa glauben, dass Houston Stewart Chamberlain etwas besonders Neues schuf, als er der germanischen Rasse alles vindizierte, was er bei anderen Stämmen, besonders bei den Semiten Begehrenswertes fand. Im Gegenteil haben schon viele vor ihm versucht, überall die Gerumnen und sogar speziell die Deutschen zu wittern. So ha» Born ״nachgewiesen“, dass ״Moses kein Jude“, und Vinzelberg. dass ״Jesus ein Deutscher" war. Sogar die Feststellung des nur ״bildlich“ erwähnten Hauptmanns von Capcrnauni als eines Niederdeutschen ist der aller Logik hohnsprechenden ..Logik“ gelungen. Ein Vorläufer dieser lobenswerten Bewegung war der Arzt Dr. Johann Gottfried Bönlsch, der in seinem Buche: ..Die Götter Deutschlands, vorzüglich Sachsens und der Lausitz. Camenz IS30“ in Alopexschlüsscn das Alter gernianischer Kultur 711 erhöhen sich bemühte. Wir teilen nur folgende Bemerkung vom Anfang des Buches mit: ״Das Paradies selbst, so wie die Namen Adam und E v a scheinen deutsche Worte zu seyn, denn in Paradeus liegt augenfällig ein (erstes) Paar Deuts; Adam aber ist zusammengesetzt aus dem ersten Laute, welchen der Mensch als neugeborenes Kind von sicli gibt, nämlich aus A. und aus dem ersten trockenen Plätzchen der Erde, auf welcher er wohnen soll. Damm. Zu der Zeit nämlich, wo die Erde noch fast ganz mit Wasser bedeckt war und Häuser noch nicht gebaut wurden, war jeder Damm ein Dempel, Dampcl. Dümpel, Tempel, Haus und des LateinersTemplu rn und Domus erinnert noch eben sowohl als die hier und da noch vorhandene, zwar in einer spätem, dennoch aber sehr frühen Zeit aufgcworfenen Hühnengräber, Burggewöibc und alten Opfer-Schauzen an die ersten Häuser und an die frühen Tempel und W0I1- .nungen der ersten Menschen. Warf aber Adam den ersten Damm auf. und bauetc so das erste Haus, so war er auch der erste Bauer und so konnte Paradies auch den ersten Bau oder das erste Bauer des ersten Deutschen bezeichnen. Evc scheint zusammengesetzt aus Ehe und Fc, und obschon die Sagen von den Feen der Bewohner des südlichen Asiens (des Dschcsirad- oder Bclad-al-Arad) am Sinai und Horeb, am Astan und Euphrat, am roten und persischen Meere, erst in dem Mittelalter von den Europäern beachtet und interessant gefunden wurden: so sind sie nicht destoweniger uralt, und ln dem Namen Evc darf ,wohl unbedenklich die erste mit Adam verehelichte Fee, E h ־ F e c . gefunden werden.“ Rliildfcljail. Berlin. Die ״Staatsbürger-Zeitung“ schreibt: ״Beim Militär ist bekanntlich die Betätigung jedweder politischen Gesinnung ״im Interesse des Dienstes“ strengstens untersagt. Dass man indessen auch gelegentlich beim Militär die antisemitische Strömung für recht erkennt, erweist folgende uns verbürgte Tatsache, die den judenfreundliehen Blättern wohl nicht in den Kram passen wird. Gelegentlich der Entlassung der Reservisten in die Heimat ermahnten verschiedene Truppenchefs die Leute, beim Einkauf der Zivilgarderobe die jüdischen Geschäfte zu meiden, da sie dort für ihr Geld wegen ihrer Unkenntnis leicht (ibcrvorteilt werden könnten. Auch im bevorstehenden Leben sollten sie eingedenk sein, dass die christlichen Kaufleute die Säulen des nationalen Wob!- Standes seien und dass ein aufrichtiger deutscher Mann unter allen Umständen das Fundament dieser Säulen stärken und festigen müsse. Leider aber werde es durch die Konkurrenz der jüdischen Kainlcute, vor allem aber durch die grossen Warenhäuser, die zumeist mit jüdischem Gcldc gegründet seien, untergraben. ״Tuet euren 1 *eil, dass die christliche Geschäftswelt den Kampf ums Dasein mit Ehren besteht und imstande ist, der jüdischen Konkurrenz die Stirn zu bieten!“ Die klerikale ״M ä r k i s c h c V 01 k s z e i t u n g‘\ in der das Zentrum seine antisemitischen Gesinnungen für die breiten Volksmassen niederlegt, sekundiert, wie immer, den evangelischen Gesinnungsgenossen auf das treueste. Wir wollen aber doch annehmen, dass die ״Staatsbürger-Zeitung“ ausnahmsweise einmal die Wahrheit gesagt hat. Wir wissen ja, wie cs in den Köpfen der Junker aussicht. Wien. Ein hervorragender jüdische! Schriftsteller ist seinem Volke durch den Tod entrissen worden. Rubin Ascher Braudcs ist nicht mehr. Am 17. Tischri (IS. Oktober) hat er das Zeitliehe gesegnet. Braudes, der aus Russland gebürtig ist, war einer der hervorragendsten Streiter, als von Russland aus eine radikale Umwälzung auf dem Gebiete der sprachlichexegetischen Bibelerkhirnng die jungen Geister in Bewegung setzte. Brandes schrieb viele bekannt gewordene grossere und kleinere Abhandlungen und hatte die hebräische Sprache derart in seiner Stacht, dass er unvorbreitet aus dem Stegreif die wohlgesetzteste Rede halten konnte. Eine seiner grösseren Arbeiten ist ״ha-dath we־hachairn“, dann ״sehnt ha-kezawoth", ״harlmon" und die zur Herausgabe bestimmten ״Schlrim attikim". Brandes kam erst vor einigen Jahren nach Wien u:!d schloss sich hier mit unermüdlichem Eifer den Zionisten an. Er, schrieb nur hebräisch und Freunde übersetzten seine kleineren Skizzen dann ins Deutsche für manche Journale. Beim Leichenbegängnis fanden sich zahlreiche Verehrer und Freunde des Mannes ein, und Doktor Mehrer. Dr. Kahn, Dr. Sofer u. a. sowie Vertreter der hiesigen Zionisten-Vereinc hielten am Grabe des Heimgegangenen sehr warme Nachrufe. Er gehörte zu jenen ersten Otteräturbericfjt. Zu unserer Besprechung des vom Wiener Jüdischen Volksblatt hcrausgegebeiien Jüdischen Jahrbuches in No. 41־ (S. 13 und 14) unseres Blattes wird uns bcrichtigert{! mitgeteilt, dass die Jüdische Volkspartei auch das mit den Zionisten gemein hat, dass das in Aussicht genommene Kolonisationsland für das Jüdische Volk kein anderes als Palästina sein soll. Im V. Abschnitte des Programms der Jüd. Volks- Partei steht wörtlich: . . . ״Sie tritt hingegen für die Hinüberleitung der Judemnassen, welche in vcrschicdenen Ländern als wirtschaftlich überschüssige Elemente gelten, in unser geliebtes a 11 c h r würdig es Land ein, da eine Kolonisation im grossen Masstabc ebenso dem Prinzipe der historischen Kontinuität, wie dem Gesetze wirtschaftlicher Notwendigkeit gerecht würde.“ . Freund und Feind hat nun diesen Punkt nie anders aufgefasst, als dass die Jüdische Volkspartei auf .•dem Standpunkte der Kolonisation Palästinas steht. A. Stein, Reudnitz: Achtet die Kinder der Armen! Erzählung für die Jüdische Jugend. Prag: Verlag der Jugendzeitschrift ״Jung-Juda" 1902. 28 S. 8°. ן Unsere Jugendliteratur liegt bekanntlich sehr im Argen, i Jede noch so kleine Gabe ist daher mit Freuden zu begrüsscr.. Die vorliegende kleine Erzählung ist nicht gerade eine hervor- I ragende Leistung, bewegt sicli aber immerhin über dem Mittel- 1 niässigcn. Wir empfehlen sie gern. Zehn Worte an jedermann (j u n g u n d alt, hoch und niedrig) für das tägliche Leben. Mit Nach* Bemerkung von Antiquus. Königsberg i. Pr.: Ostdeutsche Buch- Handlung. 32 Seiten 8". Preis 25 Pfennig. Es ist schon manche Schritt geschrieben worden, die Liebe und Güte als allein gen Quell sozialen Glückes predigt, und all diese Schrift ־n sind von der historis.hen Entwicklung einfach übergangen worden. Man muss schon ein Tolstoi sein, um überhaupt beachtet zu werden, und ein Spinoza, Jesus oder Moses, um die Nachwelt als machtvollen Vollstrecker seiner Gedanken und Lehren cinsetzcn zu können. Ein so'cher Heros ist ״Antiquus■* nicht; dasSchriftchen macht seinem menschlichen Empfinden alle Ehre, aber sonst hat es keinerlei Eigenschaften, seinem Beruf zu dienen. Die Gedanken und Aphorismen Stehen trotz der zahlreich angeführten Zitate alle auch im Spinoza; und die Form der Schrift macht sic auch für genügsame und wohlwollende Leser ungeniessbar. Es soll der Stil N’ie'zsche's sein, aber Nietzsche schreibt anders, gedankenschwer, kurz, kraftvoll und — original; auch habe ich nirgends bei Nietzsche e־'n Gleichnis gefunden, das eine ganze Seite und mehr (S.!5—16) füllt und doch in einen Satz gepresst ist; selbst Homer leistet sich das nicht. Der Versuch mit untauglichen Mitteln, Nietzsche liachzuahmcn, veranlasst hier zahlreiche Geschmacklosigkeiten; ob wohl ausser ,Antiquus“ jemand den Leib ein ,Danaidcngcfass*

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