Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1902)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1902)
- Date
- 1902-10-31
- Page
- Seite 37 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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.No. 44. Jitdisclie Rniidseha^?cito 87׳. freflrarg L B. Die Ortsgruppe nahm am 28. September Hiie Vereinsabende wieder auf, die sie den Winter Ober regelmässig alle 4־1־ Tage zu veranstalten gedenkt Der Vorsitzende, Kaufmann, gedachte des dahingeganger.cn Dr. Rtilf und feierte ihn als einen Vorkämpfer und Führer des jüdischen Volkes. Jul. Sommer referierte über den russischen Zionistentag und würdigte dessen Bedeutung für den Fortschritt der Bewegung. Am 12. Oktober fand wieder ein Vereinsabend statt. Es wurde ein ausführliches Referat über diegegenwärti ge Lage der rumänischen Juden gegeben. Ausserdem wurden allgemeine zionistische, sowie lokale Angelegenheften besprochen. Zur Freude der Mitglieder konnte an diesem Abend der Beschluss gefasst werden, die hiesige Ortsgruppe in das goldene Buch des Nationalfor.us eintragen zu lassen. - Statu( der Berliner Zionistischen Vereinigung." ) 6. Durch Verbreitung der Kenntnisse in der hebräischen Sprache' und I.itteratur: 7. Durch Förderung aller Bestrebungen, welche auf die Hebung des indischen Selbstgefühls nnd Voiksbewusstscins gerichtet sind; 8. Durch Einrichtung und Unterhaltung einer zionistischen Bibliothek. II. Mitgliedschaft. § 3. Mitglied kann jeder Jude werden,’ der sich zu den Grundsätzen des Zionismus bekennt. 8 4• Die Mitgliedschaft wird erlangt durch Anmeldung bei dem Vercinsvorstand. I 5. Jedes Mitglied zahlt zur Vereinskasse einen Jahresbeitrag von mindestens 6 Mark in vierteljährlichen Raten; hiervon werden 1 Mark als Schekel und 1 Mark als Beitrag für die Landesorganisation gebucht. 111. Leitung. I. Zweck. § J. Die ״Berliner Zionistische Vereinigung** erstrebt die Verwirklichung der Zionistischen Idee unter Annahme des Baseler Programms, welches lautet: ״Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. Zur Erreichung dieses Zieles nimmt der Kongress ioSgende Mittel in Aussicht: 1. Die zweckdienliche Forderung der Besiedelung Palästinas mit jüdischen Ackerbauern, Handwerkern und Gewerbetreibenden. 2. Die Gliederung und Zusammenfassung der gesamten Judcnheit durch geeignete örtliche und allgemeine Veranstaitungen nach Massgabe der Landesgcsetzc. 3. Die Stärkung des jüdischen Selbstgefühls und Voiksbewusstseins. 4. Vorbereitende Schritte zur Erlangung der Regierungs- Zustimmungen, die nötig sind, um das Ziel des Zionismus zu ci reichen.“ § 2. Der Verein!ordert die Ziele des Zionismus, insbesondere: 1. Durch regelmässige Zusammenkünfte zur freien Erörterung aller die Judcnheit betreffenden Fragen, sowie zur Besprechttng der Vereins- und Parteiangelegcnheiten: 2. Durch Förderung aller im Geiste des jüdischen Volkstums wirkenden Vereine, insbesondere jüdischer Geschichts-, Kolonisations-, Turn-Vereine und geselliger Vereinigungen, sofern diese Vereine nicht eine dem Zionismus feindliche Stellung einnchmen; 3. Durch Veranstaltung von Vorträgen; 4. Durch Verbreitung zionistischer Schriften und Flugblätter; 5. Durch Erziehung der Jugend im jüdischen Geiste; *) Auf Wunsch bringen wir die neuen Statuten der Berliuer Zionistischen Vereinigung an dieser Stelle zum Abdruck, damit sie auswärtigen Vereinen als Musterstatut dienen können. § fr Die Leitung des Vereins liegt in den Händen eines ncungliedrigen Vorstandes. s 7. Der Vorsitzende und dessen Stellvertreter werden von der Generalversammlung gewählt. Die übrigen Ämter ver- 1 teilt der Vorstand selbständig. § 8. Der Vorstand verfügt über das Veremsvermögcn und I leitet die Geschäfte des Vereins. § 9. Der Vorstand hat das Recht der Kooptation. Dieselbe ן gilt jedoch •als abgefeimt, falls zwei Vorstandsmitglieder wider- 1 sprechen. I IV. Kongress und Deiegiertcnfag.; § 10. Der Verein ist berechtigt und verpflichtet, entsprej chend seiner, Mitglicderzahl Vertreter zum Kongress und zum i Dclegicrtentage der Zionistischen Vereinigung für Deutschland j z.u entsenden. | § II. Die Wahl der Del gierten geschieht mittels Zettel- wähl. j V. Generalversammlung. § 12. Im Juni jeden Jahres findet eine ordentliche Gene-! rulVersammlung statt, die den Mitgliedern spätestens 14 Tage vorher mit der Tagesordnung bekannt z.u geben ist.; § 13. Zu den regelmässigen Aufgaben der Generalvcr-! Sammlung gehört: j a) Bericht und Wahl des Vorstandes und der 2 Kassenrcvi* soren für die Dauer »'•Ines Jahres, b) Stellungnahme z.u den Beschlüssen des Kongresses und des! Delegiertentagcs, c) Beschlussfassung über die Erteilung der Decharge und Anträge. § 14. In •dringenden Fällen ist der Vorstand berechtigt, eine ausserordentliche Generalversammlung einzuberufen, für weiche dieselben Bestimmungen wie für die ordentlichen gelten. Ferner ist der Vorstand verpflichtet, auf Antrag von mindestens 25 Mitgliedern eine ausserordentliche Generalversammlung einzuberufen. Mann gutwillig zur tlergabe seines Pferdes zu veran- J lassen. j Mit dem Erscheinen des alten Mannes änderte sich j die Scene. Als der halsstarrige Tscherkessc, der sein Pierd nicht hergeben wollte, des Alten ansichtig wurde, fiel er vor ihm nieder, umklammerte seine Knie: ״Mein Vater, mein Vater“, rief er, ״ich gebe iür Dich mein Leben, und mehr noch als mein Leben, auch mein Pierd!“ Der Offizier war sichtlich ergriffen von dieser Äusserung der Liebe und Ehrerbietung. ״Ich will Dein Pferd ja nicht umsonst haben“, sprach er; ״Du kannst auch ohne Pferd nicht wieder so leicht zurückgelan^n. Wir haben eine Anzahl Tscherkessenpferdc erbeutet; du kannst Du Dir eins aussuchen, welches Dir am besten gefällt.“ Die Pferde wurden vorgefiihrt, der Mann traf seine Wahl; auch der Häuptling erhielt sein eigenes Pferd zurück. Somit war alles in Ordnung und der Offizier sprach: ״So, nun geht mit Gott!“ Kaum hatte er diese Worte gesprochen, da schwangen sicli die Männer ohne Abschiedsgruss, ohne sich we«ter umzuschauen, auf ihre Pferde und jagten von dannen mit Windeseile. In wenigen Minuten waren sie ausser Sicht. Jetzt erfuhr ich auch, wer der mit den Tsch.erkessen unterhandelnde Offizier* gewesen. Es war kein gcringerer, als der Fürst Woronzow; freilich nicht der Vater, der Generalissimus der Kaukasus-Armee, sondern der Sohn, der auch schon eine hohe Steilung in der Armee einnahm. Ich sollte auch sofort den Vater kennen lernen. י % . Man führte mich in das Haus und durch mehrere Zimmer, eine Tür wurde geöffnet, und ich befand mich dem alten Fürsten und seinem Sohne gegenüber. Man wollte von mir wissen, was ich in der Gefangenschaft unter den Tscherkcssen erlebt, gesehen, erfahren, welche Stimmung unter ihnen herrsche, ob nicht Spuren der Kampfcsmiidigkcii wahrzunehmen seien — über alles das musste ich haarklein Bericht erstatten. Ich hatte genug erfahren, um bestätigen zu können, dass solange ihr Oberanführer, dem alle blindlings, wie einem höheren Wesen, Folge leisteten, Stand halte, an eine Niederleguiig der Waffen und Unterwerfung nicht zu denken sei. Ich wurde mit den freundlichsten Worten entlassen, sollte auch nicht zu meinem früheren Truppenteil zurückkehren, sondern im Hauptquartier bleiben. Hier konnte ich auch den Verlauf des Krieges am besten verfolgen. (Fortsetzung folgt.)