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Jüdische Rundschau · 1902-10-31 · Heft 44 (31.10.1902) · p. Seite 36

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1902)
Issue
Heft 44 (31.10.1902)
Date
1902-10-31
Page
Seite 36 (sequence 4)
Language
German
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Seite 36. Jttdlsche .Hundscliau. Ko. 44. Teilnahme an demselben eia. Die erste Stunde!.! f in d et Sonntag don 2.'K0 v0inber statt. Berlin. Die J ü d i s c h n a t i 0 n a 1 e F r a u o n v e r e i n i g u n g hat am Sonnabend, dem 1. Oktober, abends ' 8Uhr, ihren zweiten Disknssionsabend Aogurtstras«© 49a. Es referiert Fräulein Adele Ali fei d über die Eröffnungsrede des ersten Kengrosses. Nichtmitglieder haben keinen Zutritt. Be* sondere Einladungen ergehen nicht. Mainz. Die Mainzer Ortsgruppe blickt wiederum auf einen bedeutsamen Erfolg zurück. — Nahäem sich bei: unserer Schekel• feicr im Sommer eine Anzahl Damen der Zionistischen Organisation angeschlosscn hatte, veranstaltete die Ortsgruppe am Samstag, dem 18, Oktober, int Hotel Mainzer Hof eine Versammlung mit der Tages* Ordnung ,Der Zionismus und die Frauen*. Ungeachtet des schlechten Wetters hatte sich ein sehr zahlreiches Publikum — weit über 150 Personen — eingefunden. Wir verzeichnen cs hierbei mit besonderem Vergnügen, dass auch eine Anzahl geschätzter Gesinnungsgenossen aus Russland u a. Herr Hermann Schmelkin, Direktor der Moskauer Industrie* und Handelsbank und Frau Gemahlin, von dem benachbarten Wiesbaden, wo sic zur Kur weilen, sich zu der Versammlung eingefunden hatten. Herr Siegmund Selig legte in kurzen Zügen das Wesen der zionistischen Bewegung dar. Er schilderte besonders die traurige Lage der jüdischen Frauen in Osteuropa sowie die Aufgaben und Pflichten, welche der jüdischen Frau aus der zionistischen Bewegung erwachsen. — Als nächster Redner ergriff unser bewahrter Vor* kämpfer. Herr Assessor Dr Adolf FrieiemannAViesbaden, das Wort. In längerer, oft von stürmischem R•*! 211 unterbrochener Rede gab er cir.cn *uuihössenden UcberbSRk über den heutigen Stand der z:oni* stischen Bewegung, beleuchtete des Näheren das Verhältnis des Zionismus zu seinen verschiedenen Gegnern und gelangte zu dem Schlüsse, dass die zionistische Sache der tätigen Mithilfe der Frauen nicht enttaten könne. * Seiner Aufforderung zum Beitritt wurde von den anwesenden Damen in lebhafter Weise .entsprochen, so dass die Damenvereinigung nunmehr zwanzig Mitglieder zählt, urd noch eine grössere An* zahl von Anmeldungen für d e nächste Zeit zu erwarten steht. Es sprachen in der Versammlung noch die Herren Dr. Schalter als Vorsitzender, Siegmund Lazarus, Bankdirektor Michelsohn aus Lima, Dr. Freundlich aus Wiesbaden und ein Beamter des Jewish Colonial Trust Herr Luborsky jr. aus Odessa, dessen französische Ansprache sofort von dem Vorsitzenden, Herrn Dr. Schauer, in deutscher Sprache wiedergegeben wurde. Alle Anwesenden waren von dem Verlauf der Versammlung hoch befriedigt, nicht zum wenigsten der Kassierer, denn eine vorgenom* mene Sammlung ergab eine grössere Summe für den Nationalfond und für Zwecke unserer beabsichtigten Agitation in Rheinhessen. S. S. Köln, den 28. Oktober 1 Die von der zionistischen Ver* cinjgung, Ortsgruppe Köln, cinberufcne erste diesjährige Vcreinsvcr* Sammlung nach langer Pause erfreute sich am Samstag Abend eines überaus zahlreichen Besuches, so dass man alle Gäste in dem ziem* lieh geräumigen Saale des ,Wiener Hofes* kaum unterbringen konnte. Auf der Tagesordnung stand 1. der allgemeine Bericht über fcsäcu* tchde Ereignisse des verflossenen Jahres und 2". die!יח& יידsehe Judenfrage. Der erste Teil des Programms fand durch die regsame Bo* teiügung der Versammlung und die lebhafte Diskussion, die sich-an die Rclerate der Herren Wolffsohn, Wolff und Goldreich anschloss, keine Erledigung, während die rumänische Judenfrage wegen der vorgerückten Zeit (cs war schon 11*/3 Uhr) überhaupt nicht mehr zur Sprache kommen konnte. — Nach der Bcgrüssungsrtde des Rechtsanwalts Herrn Dr. Bodenheimcr, der im Anschluss an das Laubhütten est auf die nationale Bedeutung des Festes hinwies und dbn alten Zion smus, den alle Jüdischen Feste künden, mit dem modernen Zionismus in gewandter Ausführung verband, erstattete Herr Gustav Wolff, das Vorstandsmitglied der Vereinigung und zu* gleich einer unserer vortrefflichsten und rührigsten Zionisten, das Referat über die Entwickelung unserer Bewegung in Deutschland. Eine Volksbewegung, so führte der Redner aus, wie die zionistische, die durch so viele Wirrsalc nnd Hindernisse ihren Weg 2um Ziele nehmen müsse, lasse sich nicht im Handumdrehen insceniercn, und dennoch könne man konstatieren, dass der Zio- פ Ismus in Deutschland von Tag zu Tag wachse und die Zahl der deutschen Zionisten sich seit 1900 verdoppelt hat. Herr Goldreich sprach hierauf über den Minskcr Zionistcntag. Wenn Partei* und Dclegiertentagc in allen Ländern stattgefunden und weiterhin stattfmden werden, so sei dies nicht mit so schwierigen Umständen verbunden wie in Russland, und daher sei der Minskcr Zionistentag ein besonderes Ereignis gcwesen. In diesem Lande der Willkür und der unfreien Gesetzgebung, wo jeder anderen politischen Bestrebung das Vcrsamm'.ungsrecht verweigert werde, sei den Zionisten dieses Recht cingeräumt worden, woran selbst die russischen Zionisten kaum zu glauben gewagt hätten. Ferner bedeutete der Zionistentag in Minsk mehr als solche in Deutschland, Oesterreich, Frankreich^ England etc. Seien 0» doch die russischen Juden in erster l.inie, denen eine öffentlich-rechtlich gc* sicherte Heims ätte in Palästina not tue, da gerade in Russland die Hälfte des ganzen jüdischen Volkes ansässig sei. Der Redner ging hierauf auf Einzelheiten des Minskcr Zionislentages ein, streifte dio Relerate und Diskussion:n daselbst und betonte hauptsächlich, dass sich eine gewisse Unzufriedenheit auf dem Parteitage darin äusserte, dass es den russischen Zionisten zu langsam mit den Erfolgen des Zionismus g׳'nge und sie heule schon gern die rechtlicli-gcbicherte Heimstätte gegründet sehen möchten, was er aber tieffend damit be* antwortete, dass eine Bewegung von kaum 5*jährigcm Bestehen nicht mehr hätte leisten können, als sie tatsächlich heute schon erreicht habe. Herr Wolffsohn nannte hierauf in seiner Besprechung über seine Begegnung in Konst&ntinopel n.it dem Sultan den Grund, warum die zionistische Bewegung nur sehr langsam forlschrciten könnte. Jeder vernünftige Mensch könne sich doch vorstellen, dass man mit einem Kapital von 5 .Millionen nicht Hunderttausende in Palästina unterbringen könnte, diese Summe reiche noch nicht einmal für tausend Personen. Solange man sich mit kläglichem Alrr.osengebcn abftnde und man nicht bestrebt sei, den Bettler zum arbeitsamen Menschen zu machen, wie es der Zionismus verlangt, da er etwas Dauerndes schaffen wolle, solange könne man von der Bewegung keine grossen Erfolge fordern. — Herr Julius Berger gab in der sich anschliessenden Diskussion In seinen vortrefflichen Ausführungen viele nützliche Winke zur Ausbreitung des Zionismus, mit der die Zentrale sich demnächst beschäftigen wL׳d. U. 2. wies er auch auf die Lustige Ecke der ,Jüdischen Rundschau* hin, die man eifriger dazu benutzen solle, jede unjüdische Tat entsprechend zu glossieren. S. D. setzte mich auf ein Pferd, und fort Rings über Stock und j Stein, bergauf, bergab; auch kleine Flüsse hindurch, einen ganzen Tag lang ohne ans Ziel zu gelangen. Nach einigen Stunden der Nachtruhe — es war an einem Som« inertage anfangs August — ging es am frühesten Morgen wieder vorwärts bis gegen Mittag; da wurde angehalten und mir die Binde von den Augen genommen. Wir befanden uns in einer schönen fruchtbaren Landschaft und vor uns lag eine kleine Stadt, das Ziel unserer Wanderung. Einer ritt voraus und hatte unterhalb der Lanzenspitze einen langen weissen Lcinwandstreifen befestigt. Es dauerte nicht lange, da kanten zwei Reiter aus dem Stadttore uns entgegen, welche uns stumm begrüssten und nach der Stadt geleiteten. Vor dem Rathause, inmitten der Stadt, wurde Halt gemacht. Dort befand sich das Hauptquartier einer russischen Truppenabteilung. Ein hoher Offizier kam heraus und als er meiner ansichtig wurde, da wandte er sich ungehalten an meine Begleiter. י ״Was.ist denn das?“.Ihr habt uns versprochen, einen Offizier gegen Ettern allen Häuptling austauschenzu wollen — das ist doch kein Offizier, das ist doch wohl nur ein Feldscher. Nicht wahr, junger Mann?“ fragte er. sich an mich wendend. ״Zu Befehl, Excellenz,“ entgegnete ich, ״approbierte! Rossarzt und Feldscher.“;,Nun gut.“ sprach der Offizier, ״solche Männer können wir gebrauchen, vielleicht besser als Euren alten Häuptling; allein so leichten Kaufes sollt ihr mir nicht davon kommen. Dort Euer Kamerad hat ein hübsches Pierd, das müsst Ihr noch hier lassen, sonst bekommt Ihr Euren Alten nicht zurück.“ Ais nun der Sprecher, der die russische Sprache verstand, seinen Genossen diese Worte!nitgeteilt hatte, entstand ein grosses Wehklagen. Der Tscherkesse wollte um keinen Preis von seinem Pferde lassen. ״Liöbcr mein Leben, als mein Pierd,“ sprach er; ״mein Rferd geb ich nicht her.“ Der Offizier, ein Mann etwa in der Mitte der dreissiger Jahre, gab nicht nach. ״Ihr habt uns getäuscht, darum ist der Vertrag, den wir mit Euch abgeschlossen, ungiltig. Das Pferd behalte ich so wie so.“ Gleichzeitig gab er Befehl, den alten gefangenen Tscherkessen vorzufiihren, damit der sich ins Mittel lege, um den

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