Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- VII (1902)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1902)
- Date
- 1902-10-31
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 34. «Tttdiselie JR 11udseltfi.1t. Ko. 44־. Titelchen von meinen Behauptungen ändern, zurück־" nehmen oder modifizieren. Ich würde ein Qegner der Chalukah sein und ein Feind unserer armen Juden ln . Jerusalem, wenn ich die schweren Schäden verschweigen ’ wollte. Nein, Herr Abrahams, nicht Ich bin der Gegner׳ der Chalukah, denn ich kämpfe für ihre Befreiung aus unwürdigen Bedingungen! Nicht ich bin es, der verhindern will, dass für die Annen und Aermsten unserer Brüder im alten Heimatlande und dem Lande unserer Hoffnung Wohltätigkeit geübt wird! Feind der Chalukah ist der, welcher sie den Armen geben soll und sie den Wohlhabenden in die Hände spielt. .לסען ציון לא אודמה Weil ich die Chalukah als ein wertvolles soziales jüdisches Hilfswerk dem jüdischen Volke und seinem Lande erhalten wissen will, werde ich nicht eher aufhören, immer und immer wieder für die Armen des Heiligen Landes meine Stimme gegen die Pekidim und Amarkalim in Amsterdam zu erheben, bis sie entweder anfangen, die Armengcldcr den Armen und Bedürftigen zu geben, oder bis kein einziger Jude mehr auch nur einen Heller durch sie befördern lässt. Sagen Sie mir, dass meine Angaben falsch sind und ich bin‘gern bereit, zu widerrufen, oder aber ändern Sie Ihr System, das die Armen hungern lässt, und den Satten zu essen gibt. Um Zions willen werde ich nicht schweigen! ".tDr. Heinrich Locwe. Der Zionismus. ' Von * * * *) Ueber das Wesen und die Ziele des Zionismus herrsehen selbst unter gebildeten Juden noch, so verworrene Vorstellungen, dass Jede Klarstellung angebracht erscheint. Es fragt sich, welches ist das Ziel des Zionismus und auf welchem Wege soll es erreicht werden? Der Zionismus erstrebt *für das jüdische Volk dis Schaffung einer öffentlich — rechtlich gesicherten Heim- Stätte in Palästina. Es ist nicht gerade die Begründung eines selbstständigen Judenstaates, in irgend einer der bekannten Staatsformen, sondern die einer Gemeinschaft | mit Selbstverwaltung beabsichtigt, die öffentlich recht- •) Dieser Artikel geht uns von geschätzter Seite ein. Der Verfasser gehört keinerlei zionistischer Organisation an und steht überhaupt unserni Parteileben fern. Um so bemerkensj werter erachten wir seine Ausführungen. Die Red. I lieh, also von den andern Staatswesen anerkannt und so der Willkür politischer Machthaber entzogen ist, gleichgültig, welchem andern Staate diese Gemeinschaft an- .^gegliedert ist. ‘ i Die Mittel, durch welche der Zionismus sein Ziel erstrebt und allein erstreben kann, suchen eine Vervollkomninung der Juden auf allen Gebieten menschlicher Betätigung herbeizuführen, um sie zur Begründung einer eigenen Gemeinschaft auf eigner Heimstätte geeignet zu machen. ..■••־־ Der Zionismus erstrebt zunächst, das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit aller Juden, auf Grund ihrer Zugehörigkeit zur indischen Nation zu erwecken. Die Zugehörigkeit zu einer Nation wird begründet, durch Baude des Blutes, also Geburt und Abstammung, sodann durch gemeinsame Sprache, wohl auch Sitte und Kultur. Die Zionisten behaupten die Existenz einer jüdischen Nation, weil deren Voraussetzungen im Wesentlichen vorliegen, die Gegner bestreiten dies. Pas Nationalitütshewusstsein wird erweckt und lebendig gehalten durch das Eindringen in die nationale Geschichte, insbesondere auch in die Geschichte der nationalen Kultur und Wissenschalten, so ist der Zionismus bemüht, seine Anhänger und wenn möglich den ganzen Kreis der Juden mit den einschlägigen Gebieten vertraut zu machen, damit sie aus den Leistungen der •Väter das Selbstvertrauen zu eigenem Können und den Stolz auf die Zugehörigkeit zur jüdischen Nation gewinnen. Selbstvertrauen und Stolz sind den Juden' in vielen Ländern im Laufe jahrhundertlanger Unterdrückung fast ganz verloren gegangen. Die Hoffnung auf Besserung, wenn auch erst in ferner Zukunft, bildet dabei das belebende Moment, welches die Unterdrückten aufrichtet. Stolz und Selbstvertrauen sind aber nicht denkbar bei politischer, wirtschaitlicher Knechtung. Die Juden in Ländern wie Russland und Rumänien, in denen mehr als die Hälfte aller lebenden Juden wohnen, politisch frei zu machen, liegt ausserhalb des Machtbereiches des Zionismus, dagegen erscheint ihre ökonomische und geistige Befreiung durch geeigneten Unterricht und damit durch Er- Schliessung von Erwerbsquellen erreichbar. Körperliehe und geistige Fertigkeiten aller Art ermöglichen und erleichtern den Erwerb des Lebensunterhaltes und werden deshalb durch Unterweisung. Vorträge und alle sonstigen Mittel angestrebt.! Die Gegner des Zionismus erheben gegen ihn insi besondere zwei Einwändc, einmal, dass sein Ziel tm- Bilder aus dem russischen Reicl)$g!)etto. Sundei der Rossarzt. Von Dr. J. Rülf-Bonn. (Fortsetzung.) Die Leichenfeicrlichkciten waren sehr eigentümlicher Art. Sie zu beschreiben, müssen Sic mir schon erlassen; das würde viel zu weit führen. Was mit mir geschehen werde, das glaubte ich, versehiedenc mir bekannt gewordene Vorkommnisse dieser Art entsprechend, zu wissen. Ich dachte einige.Männer, gleichfalls mit weisser Binde am Arm würden mir die Augen verbinden und mich bis in die Nähe einer russisehen Garnison bringen und dort den Vorposten mich überliefern. Es kam in derTat auch ein Mann, der mich zum Oberliauptc brachte, woselbst mir bedeutet wurde, dass im Augenblicke niemand zu meiner Transportierung verfügbar sei und dass ich mich einige Tage, bis zu meiner Rücksendung, gedulden müsse. Ich solle aber mich frei bewegen können, wenn ich das feierliche Versprechen abgeben wolle, das Lager nicht zu verlassen. Als ich mich hierzu bereit .erklärt hatte, holte man eine Holztafel herbei, darauf der Gottesname,.in grosse ׳ Lettern der Quadratschrift eingeschnitten war. Und auf . die Frage, ob ich wisse, was das bedeute und ich mit dem Bekenntnisworte: ״Schma Jisrael etc. antwortete. Da I sah ich wie die Augen der Umstehenden strahlten und j sic sich allesamt verständnisvoll aublickten. Ich musste : also die rechte Hand auf die Tafel legen und versprechen, i keinen Fluchtversuch, der mich übrigens י wahrscheinlich j das Leben kosten würde, zu machen. Damit wurde ich! vorläufig auf freiem Fuss belassen. Ob die Angabe richtig,! ob man nicht auch meine Dienste in Anspruch zu neh- : men gedachte, vermag icli nicht anzugeben. Einige Tage darauf erschienen plötzlich fremde Reiter im Lager. Einzelne fehlten und man wusste nicht, ob sie, die Ratsversammlung berufen und nach beendigter Bei ratung verschwanden die fremden Reiter, wie sie ge• I kommen waren. : Als ich am andern Morgen mich im I Aul umsah, da fehlten alle waffenfähigen Mannschaften; sic waren des Nachts in aller Stille fortgeritten; es galt offenbar einen Streifzug gegen irgend ein Detachement der Unsrigen, vielleicht gegen die Truppe, bei welcher ich selbst eingestellt war, und die sieh vielleicht zu weit vorgewagt hatte; denn eine Massenbewegung entging dein wachsamen Auge der Tschcrkesscn .gewiss nicht. .