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Jüdische Rundschau · 1902-10-22 · Heft 43 (22.10.1902) · p. Seite 30

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1902)
Issue
Heft 43 (22.10.1902)
Date
1902-10-22
Page
Seite 30 (sequence 6)
Language
German
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Seite 30. JUdi@cl1e Hundscltiui. No 43. nacl)ricl)tcn aus Palästina. Über die Lage der jüdischen Arbeiter in Sichrou Jakob schreibt die ״Welt“: Wir erhalten einen vom 8. September datierten Brief, in welchem folgendes ausgeführt wird: ״fm Bestreben, die jüdischen Arbeiter zum Verlassen des Landes zu zwingen, entzieht die ״Ica" diesen die Existenzmittel dadurch, dass sic ihnen die Arbeit entzieht. Am 25. August wurden sechs Arbeiter entlassen und samt ihren Familien brotlos gemacht, und des weiteren wurden die übrigen von der Administration verständigt, dass alle bis auf vier am 25. September entlassen werden. Dabei verdient die Tatsache vermerkt zu werden, dass die Administration, während sic jüdische Arbeiter, die täglich um Arbeit mit 10 Piastern Tagelohn bitten kommen, um Frau und Kind ernähren zu können, angeblich aus Mangel an Arbeit unbarmherzig vom Arbeitsplatz nach Hause schickt, arabische Arbeiter zu einem Tagelohn von 7—8 Piastern bei freier Wohnung beschäftigt. Um jede Arbeitsgelegenheit für die Zukunft zu vernichten, verteilt die Administration ihren Boden an die Kolonisten und behält nur die Orangerie, für welche sic die vier Arbeiter behalten will. Die Abfindungssumme, welche den Arbeitern für ihre langjährige Arbeit, Plage und Entbehrungen seitens der Administration geboten wird, reicht nicht einmal dazu hin, ihre Schulden in der Kolonie zu bezahlen, und die Entlassung von der Arbeit bedeutet für alle Arbeiter und ihre Familien die Hungersnot. Die traurige Erfahrung sagt den Arbeitern, dass sie von dem menschlichen Erbarmen der ,Jca“ nicht das M i n d c s t c zu erwarten haben, und wenn diese auch durch den Druck der empörten öffentlichen Meinung dazu bewogen werden sollte, die Arbeitsdauer jetzt zu verlangem, so leben die Arbeiter in leider berechtigter Furcht, dass schon Mittel und Wege werden gefunden werden, um sie zum Verlassen des Landes zu zwingen! Die Arbeiter sind fest entschlossen, bis zum letzten Mann auf der Scholle ihrer Väter auszuharren. Ohne grosse Ansprüche an das Leben, werden sie für ihr Ideal weiter in harter Arbeit kämpfen. Wenn sie Palästina hätten verlassen wollen, so wäre das schon geschehcn, als die ״I c a“ jedem Arbeiter 1000 Frcs. Abfindungssumme und Reisespesen bot, der das Land verlassen wollte. Man wollte zeigen, dass Juden ihre Heimat gern wieder verlassen. Was den Arbeitern an wirklicher Hilfe geboten werden könnte, ist die Möglichkeit der Arbeit oder seitens der ״lea“ eine Summe, mit der sie einen Erwerbszweig gründen könnten. Sonst ist der Hungertyphus die nächste Massenkrankheit in Palästina.“ Man muss angesichts dieser Vorgänge annehmen, dass die Kuratoren der ״Ica“ von diesem Vorgehen ihrer Administration schlecht oder garnicht unterrichtet sind. Sie werden kaum bewusst, Verantwortlichkeit für Massregeln auf sich nehmen, deren Durchffihrung gewiss unmessbares Elend in Palästina hervorrufen würde. Wir nehmen an, dass die Herren in Kenntnis der Vorgänge sofort Abhilfe schaffen werden. So die ״Welt“, die wohl bald von ihrem Optismus durch die Leitung der ״Ica“ bekehrt werden wird. Nicht ein Fünkchen jüdischen Interesses darf man dieser Leitung der ״Ica“ zubilligen, und es ist nur aufs tiefste bedauerlich, dass auch die Alliance Israelite Universelle dadurch in Mitleidenschaft gezogen wird, dass man sie leider mit der Leitung der ״I c a“ identifiziert. Die BcrlincrJüdischeOcmcindc ist Mitbesitzerin des Aktienvermögens der ״Ica". Wir erinnern daher die konservativen Repräsentanten an die Zusage, die in der Wahlversammlung in der Lutherstrassc gemacht wurde, dass die konservativen Repräsentanten den Vorstand veranlassen würden, seinen Einfluss in der ״Ica“ f ü r die Kolonisation Palästinas geltend zu machen. Es giebt keine schwerere Schädigung der Kolonisation, als wie sic seit beinahe zwei Jahren systematisch und rücksiclitslos durch Machthaber und Beamte der ״Ica“ geübt wird, indem man einen ganzen sozialen Stand, den der jüdischen Landarbeiter, systematisch vernichtet. Die ״fea" hätte eigentlich nun schon genug am Judentume in Palästina gesündigt! — Aus Jaffa erzählt ״Jcw. Express“ folgende erschlitternde Geschichte: Ein junger Geck (Christ), namens Alfonso Reck, einer der reichsten Christen von Jaffa, machte mit seinem Kompagnon eine Spazierfahrt nach Rischon l’Zion. Vor ihnen fuhr ein Kolonist und der Staub, den das Gefährt aufwirbelte, fiel auf die Kleider des Reck, Dieser hatte nur auf eine Gelegenheit gewartet, mit dem Juden Streit anzufangen und diese bot ihm nun der Staub. Ohne sich viel zu besinnen, schlug er auf den Juden los. Ein junger Kolonist, Jakob Abramowitsch, sah dieses und kam sofort dazu, seinem gefährdeten Bruder zu helfen. Er sagte dem Reck, dass hier eine jüdische Kolonie sei und forderte ihn auf, sie sofort zu verlassen, j Als Antwort zog dieser seine Büchse hervor und schoss dem jungen Menschen eine Kugel in den Kopf und eine ins ׳ Herz, was dessen sofortigen Tod zur Folge hatte. Sehr Gelehrten, der noch lange nicht genug bekannt und anerkannt ist, ist Grunwald in Hamburg. Freilich ist auch er kein Sohn des Deutschen Reiches. Sein vorliegendes Buch über die sephardischen Gemeinden an der deutschen Nordseeküste reiht sich würdig seinen früheren Arbeiten an. Es ist ein gediegenes, mit wissenschaftlicher Akribie geschriebenes Werk, das in seiner Art am meisten an die Arbeiten des Frankfurter Archivars Kriegk auf ähnlichen Gebieten der deutschen Kulturgeschichte erinnert. Mit Staunenswertem Fleiss ist das reiche Material zusammengetragen und mit grosser Umsicht geordnet worden. Es ist ein totes Stückchen des jüdischen Stammes, dem dieses Buch einen Leichenstein setzt. Dieses portugiesische Judentum in Hamburg etc. ist daran gestorben, dass es sich für ein ganz exquisites Stück des Judcnvolkes hielt. Sie wollten durchaus Ausnahmsjuden sein, und Ausnahms• Juden sind nicht lebensfähig. Für das Judentum selbst hat diese zumeist reiche Kaste eigentlich nichts geleistet. Sie haben stets mit Verachtung auf das deutsche Judentum herabgesehen, das arm und gesund war. Es ist be- . zeichnend, dass ein aschkcnasischer Jude die Grabsteine sammelt, um die Portugiesengräber auf deutscher Erde in einem litterarischcn Friedhof zu vereinigen. Wir wollen noch hinzufügen, dass die vortreffliche Arbeit würdig ausgestattet ist, und dass die Illustrationen gut und scharf ausgefallen sind. Rcuerscblcncne Büd)cr. Hand - Konkordanz, Biblische, oder Alphabetisches Wortrcgjster der Heiligen Schrift. 4. Aufl. Bremen: Traktathaus 1902. 1016 S. kl. 4 °. *I Mark. Neuburger. Fri^dr.* Das Sonderrecht der gemeinen Judenschaft zu Fürth und in dessen Amt im 18. Jahrh. 1. Fürth: G. Rosenberg 1902. 1. Das Verfassungsrecht. Historisch-dogmatisch dargest. III. 48 S. 8°. 90 Pf. PrUL Jos.: Einführung in die hebräische Sprache für den Schulgebrauch. 2. Aufl. Bonn: P. Haustein 1902. 2 Mk. Bib.Ua hebraica . . . Cur. . . . Godofr. Guiielm. Teile. Ed. Stereot. IX. XIX, 2136 S. gr. 8״. Leipzig: B. Tauchnitz 1902. 7 Mark. Hoepel, P. Hildebrand, O. S. B.: Die höhere Bibclkritik. Studie Ober die moderne rationalist. Behandl. der heiligen Schrift. Paderborn: F. Schöningh 1902. IV, 110 S. 8°. 2,80 Mk. Jugend-Bibliothek, Israelitische, ßd. 6. Berlin: M. Poppciaucr 1902. 6. Herzherg, J.: Ilillcl. der Babylonier. Eine Erz. a. d. jiiü. Vorz. für Alt und Jung. III, 128 S. 8°. 1.20 Mk.

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