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Jüdische Rundschau · 1902-10-22 · Heft 43 (22.10.1902) · p. Seite 29

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1902)
Issue
Heft 43 (22.10.1902)
Date
1902-10-22
Page
Seite 29 (sequence 5)
Language
German
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No. '43. Seit© 29. «JiidiH<*!1e Hititdscliau. für zweckmässig hält, auch weitere Einladungen ergehen lassen. Es ist erwünscht, dass die Referate (wo dies angängig ist) einigermassen fixiert sind, damit ihr Inhalt festgchalten werden kann. Ebenfalls erwünscht, in Grubpe 1 erforderlich, sind Vorträge Jedes Mitglieds. Zusammenarbeiten derQruppen. Hierauf muss der Nachdruck gelegt werden, denn das ist der Angelpunkt der Organisation. •- An der Spitze der Oe- Samtvereinigung steht ein von allen gemeinsam Qcwälilter, am besten ein aktiver Student, simples Mitglied einer Gruppe, möglichst nicht durch andere Posten belastet. Er bildet zusammen mit den Gruppenleitern den Vorstand der Vereinigung. In seiner Hand müssen sich alle Fäden kreuzen; er muss um Jeden Vortrag, Jede Propa* gandatnassregel wissen. Er hat auch für das gedeihliche Zusammenarbeiten der Gruppen zu sorgen. In bestimmten Abständen (etwa 3 Wochen)־ findet eine Zusammenkunft der gesamten Vereinigung statt. Jedesmal eine andere Gruppe liefert zu diesem Abend aus ihrem Arbeitsgcbict ein Referat von allgemeinerem Interesse. Auch wichtige Besprechungen werden in solchen Sitzungen vorgenommen. Alien Mitgliedern steht die Teilnahme an sämtlichen Gruppensitzungen frei. Der Beitritt zur Vereinigung ist Jedem Akademiker mag er noch im Studium stehen oder nicht, gestattet. Nichtakademiker können auf ihren Wunsch du reit Beschluss derjenigen Gruppe, der sie beizutreten wüusehen, aufgenommen werden. Als Beitrag ist ausser dem Schekel eine zu bestimmende Summe zu entrichten, die ausreicht, um die Organisation zu halten und einen kleinen Fond für besondere Zwecke zu bilden. So denken wir am besten das Prizip zu verwirkliehen: Dezentralisation der Arbeit, Zentralisation der Leitung und des Ergebnisses. Die Ferien gehen zu Ende, die Arbeit kann bevinue«•.. Dieses Wintersemester soll die Kraftprobe sein. Darum wird iedor zionistische Akademiker verpflichtet. חה seinem Teil mitzuarbeiten. Dass und warum die Organisation notwendig ist. hat Dr. Moses gezeigt; wie wir sie am besten durchführbar uns vorsMIen. hoffe ich dargelevt 711 haben. Also ans Werk! Wir werden schon noch kommen und mahnen! Aus der Bewegung. Am 14. Oktober fand in Frankfurt a. M. die General- Versammlung der zionistischen Ortsgruppe statt, die von etwa 30־ Herren besucht war. Der Vorsitzende, Herr Goitein, erstattete zunächst den Rechenschaftsbericht, demzufolge die Ortsgruppe 40 Mitglicder zählt, 90 Schekel gesammelt, mehrere Versammlungen abgehalten und die Begründung einer Lesehalle angeregt hat. An den Bericht schloss sich eine lebliaftQ Debatte, aus der sich eine Reihe von Anregungen für die künftige Agitation ergab. Von Seiten der Herren Sondheimer. Gans iitid des anwesenden Zentralkomiteemitgliedes, Assessor Fricdcmann-Wiesbaden, wurde leb• haft die Notwendigkeit einer organisatorischen Reform betont und die Wahl eines allen Ansprüchen genügenden Vorstandes gewünscht. Es wurde darauf zur Wahl gc- I schritten, die folgendes Ergebnis hatte: Vorsitzende mit gleichen Rechten die Herren Sondheinicr und Goitein, Schriftführer Herr Friedländcr, Kassierer Herr Wachmann, Beisitzer: Dr. Hanauer, Lelirer Gans und Goldmann. Herrn Goitein wurde für seine langjährige Arbeit der Dank der Versammlung votier!. Hoffentlich ist nun der Boden für eine gedeihliche Entwickelung unserer Idee auf Frankfurter Boden gcschaffen. Schönlanke (Prov. Posen). Unsere Stadt ist leider noch immer die einzige Stadt im ganzen ״Grossherzogtum“, wo ein Zionistenverein existiert. Am Sonnabend Abend hielt im Hotel Tobias Dr. Heinrich Loewe. der schon vor vier Jahren für den Zionismus in unserer Stadt einen Agitationsvortrag gehalten hat. einen instruierenden Vortrag über die ״Kultur im Occidcnt und Orient“, die die Zionismus reifen lässt. Fr entwickelte eingehend die Prinzipien der nationaljüdischen Bewegung und warb für Kolonialbank, Nationalfond und für den hiesigen Zionistenverein. Pei der mehrstündigen Diskussion, die das lebhafte Interesse der hiesigen Bevölkerung für Zionismus und Judentum wiederum bewies, wurde der Vortragende in ausgezeichneter Weise von Herrn cand. med. Elias Auerbach, der zur Versammlung hierher gekommen war, 1׳nterstü7t. Es ist die höchste Zeit, dass die Provinz Posen intensiv von den Zionisten bearbeitet wird. Die Stadt Posen, die mehr als jede andere für eine solche gedeihliche Tätigkeit geeignet wäre, müsste den Anfang ' machen. ‘ Citferaturherld)t. Grunwald, M.: Portugiesengräber auf deutscher Erde.! Beiträge zur Kultur- und Kunstgeschichte. Hamburg: Alfred Jansscn 1902. 160 S. gr. 8°. Wir müssen ciiigestehen, dass man für die jüdische Wissenschaft, besonders in Deutschland, nicht einen Stillstand zu konstatieren hat, sondern einen ständigen Rückgang. Es war ein vergeblicher Versuch, eine Lehranstalt oder gar Hochschule für die Wissenschaft des Judentums gründen zu wollen. Die Praxis jüdischer ״Theologen“ hat Ludwig Phitippsons* י grossen Gedanken in einem schlechten Rabbincrscminar ertrinken lassen. Der beste Beweis für die Unfruchtbarkeit dieser Anstalt und ihrer Bestrebungen, aber auch für die wissenschaftliche Wertlosigkeit ihrer Konkurrenzen ist der jüngst in Glogau, der Vaterstadt so vieler grossen jüdischen Gelehrten, entstandenc Versuch, auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Wege der Vcrcinstätigkcit der Wissenschaft des Judentums neues Leben cinflössen zu wollen. Auch dieser Versuch wird kläglich scheitern. Die Leute, welche der jüdischen Wissenschaft von heute den Garaus gemacht haben, sind Abraham Geiger und seine Gesinnungsgenossen. Indem sie bei den Gebildeten ihres Volkes und bcsonders bei seinen Rabbinern künstlich das Nationalgefühl untergruben, bewirkten sie den Untergang der in Deutschland eben erblühten jüdischen Wissenschaft, die von ünsen! östlichen nationaljfldischcn Brüdern aufgegriffen wurde. Es ist dabei charakteristisch, dass die Söhne unserer Rabbiner gute Rechtsanwälte und Ärzte, auch Professoren auf verschiedenen Wissensgebieten sind, dass aber kaum einer etwa auf dem Gebiete . jüdischen Wissens überhaupt etwas oder gar Neunensweries leistet. Eine jüdische Wissenschaft wird bei uns erst wieder Früchte tragen können, wenn mit Geiecrschem und Holdheimschcm Geist und seiner Geist- Icsiekeit gründlich aufgeräumt ist. Umsomehr sind die wissenschaftlichen Leistungen der wenigen Gelehrten anzuerkennen, die sich nicht geniigen lassen, den zun! Rabbiuertum merkwürdigerweise notwendig erachteten Doktortitel durch die Herausgabe eines Stückchens Handschrift vom Maimonides oder gar durch eine pseudowissenschaftliche Untersuchung Weilliausenschcr Nachahmung zu erwerben. Einer dieser

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