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Jüdische Rundschau · 1902-10-22 · Heft 43 (22.10.1902) · p. Seite 28

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1902)
Issue
Heft 43 (22.10.1902)
Date
1902-10-22
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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Seite 28. Jüdische Runri.scliiin. . No. 43. Orte, haben wir glänzende Kräfte, die sich der nützlichen Aufgabe willig unterziehen. Der Einwand, es werde stell kein Student als ״Fuchs“ betrachten wollen, ist schon widerlegt, grade diese Gruppe arbeitet vortrefflich. Wer ihr ein Semester angehört, hat das notwendigste Organisationsmateria! bei sich und kann in andere Gruppen übergehen, natürlich auch bleiben und zugleich anderen angehören. Ueber Zutritt von Gästen bestimmt der Leiter. 2. Die Lehrgruppe. Sie formiert Kurse für jüdische Geschichte, Litteratur und hebräische Sprache. Ihre Mtgliedcr haben nur die eine Pflicht, regelmässig zum Kursus zu erscheinen.. Die geschäftliche Leitung hat ein Gruppenleiter, die sachliche eine geeignete, zu diesem Zweck gewonnene Person. Oäste haben in weitestem Umfange Zutritt. 3. Gruppe für Volkswirtschaft und P a 1 ä s t i n a k u r. d c. Wir haben beides vereinigt, weil es sachlich zusanunengehört. Von der Volkswirtschaft wird nur bearbeitet, was für unsere Probleme in Betracht kommt — wesentlich die Zukunftsarbeit. Dazu brauchen wir die Palästinakunde: auch diese wird wesentlich von volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten aus bearbeitet.! Vorträge von Mitgliedern und Aussenstehenden, mit Diskussion; Anschluss an die entsprechenden Arbeiten in der Gesamtpartei. Der Leiter ist möglichst ein Fachmann, aber er braucht kein Gelehrter zu sein. Er entscheidet im Einzclfall über Zutritt von Gästen. 4. Gruppe zum Studium der Lcbcnsverh ä 11 n i s s c der Juden. Natürlich ein sehr wichtiger Zweig. Referate über die Lage der Judenheit oder ihrer Teile in den verschiedenen Ländern, am besten von Landeskundigen. Materialsammlung nach einheitlichem Plan und obligatorischer Arbeitsteilung. Anschluss an die Arbeiten der jüdischen Statistik. Gruppcnarchiv. Es werden auch Fragen der zionistischen Parteiorganisation behandelt, da wir den schon oben erwähnten Grundsatz durchfuhren wollen, dass eine Organisation kein künstlicher Bau, sondern ein zwangslos anliegendes Gewand sein soll. Besprechung zionistischer Tagesfragen. Ober Zutritt von Gästen entscheidet der Leiter. 5. Gruooe zur Vertiefung in die theoretischen PrnbIeme des Zinnismiis. Wir sagen mit Absicht nicht ..zur Vertiefung desZionismus“, denn das ist die Aufgabe einzelner erleuchteter Köpfe, nicht einer Organisation. Die Gruppe bemüht sich um Festlegung und benutzt und fort ging der ganze Zug. Wohin? Sie wussten offenbar Bescheid und hatten den Ort, den sie aufsuchen wollten, schon vorgesehen. Die ganze Nacht ging es ununterbrochen vorwärts. Meinen toten Freund hatte man in einen Tragkorb gebettet, der auf dem Rücken eines Maultiers festgcschnallt wurde. Auf ähnliche Weise wurden auch die wenigen Kranken des Lagers transportiert; überhaupt waren Transportmittel für alles Transportbedürftige genug vorhanden. Nach kurzen Rastaufenthalten an verschiedenen Stellen erreichten wir am folgenden Abend ein ganz ähnliebes, von hohen Gebirgsmauern umschlossenes Tal, woselbst der Zug Halt machte und Anstalten traf, um dort sich wieder niederzulassen. Das Erste war, dass man die mitgebrachten kleinen Gebirgsgcschiitze aufstellte und den Wachtposten ihren Stand anwies. Jetzt erst wurde mir klar, dass unsere kleineRekognoszierungmannschaft einem solchen Wacht- Posten in die Schusslinie geraten war. Als auf diese Weise das Nötige zur Sicherheit des Lagers veranstaltet war, ging ein jeder daran, sich einigermassen häuslieh cinzu richten. Am anderen Morgen in aller Frühe schritt man dazu, den Toten zu begraben, d. h. eine kleine Anzahl Männer Ausbau der theoretischen Grundlagen des Zionismus, die Anschauungen der Einzelnen sollen sich durch Vorträge und Diskussionen nach Möglichkeit ausgieichen, ergänzen und läutern. Der Kreis der Themata ist ein ausserordentlieh grosser, jeder findet hier Betätigung für seine besten Kräfte. Ober Zutritt von Gästen entscheidet der Leiter. 6. Propagandagruppe. Es ist keine Gruppe wie die übrigen, sondern eine Kommission von einer den örtlichen Verhältnissen angemessenen Mitgliederzahl. Die Mitglieder werden von der Gesamtheit der akademischen Vereinigung für die Dauer eines Semesters gewählt. Sie müssen den Willen und die Möglichkeit haben, für die Sache ein gut Teil mühevoller Arbeit zu leisten. Ihre Aufgabe besteht aus zwei Haupttcilcn: Semesterarbeit und Ferialarbeit. Die Kommission ist es, die sich bei allen agitatorischen Veranstaltungen mit den bctreffenden Instanzen in Verbindung setzt. Im Semester besorgt sie Redner zu Vorträgen in studentischen Vereinen oder wo sie sonst verlangt werden, veranstaltet allgemeine jüdische Akademikcrvcrsainmlungen zur Propaganda oder zu besonderen Zwecken, setzt sich auch stets,; wenn es gefordert wird, mit der allgemeinen Organisation in Verbindung. — Die Ferialarbeit muss fertig vorbereitet sein, wenn das Semester geschlossen wird. Die Kommission muss wissen, wohin jedes Mitglied in die Ferien geht. Sic hat jedem eine bestimmte Arbeit fest zuzuweisen. Jeder muss genau wissen, was er zu tun hat. Sie schafft, namens der Akademiker-Vereinigung, bei jiidisclien Littcraturvereincn oder sonstigen Instituten eine Tribüne für zionistische Vorträge im voraus mit Angabe des Redners, des Themas und des Zeitpunktes. Nicht der Redner als private Einzelperson, sondern die Vereinigung tritt an das nichtzionistische Publikum heran. Ferner besorgt sie die Versorgung der abreisenden Studenten mit Broschüren, Flugblättern, Zeitungen, Schekelblocks Sharesbüchern, Nationalfondmarken. Während der Ferien selbst verkleinert sie sich und erledigt die laufenden Arbeiten. Niemand als sie soll sich um Einrichtung der Propaganda zu bekümmern brauchen, damit alle andern ihre Hände frei haben. Arbeit in den eizelnen Gruppen. Jede Gruppe hat in bestimmten Zeitabschnitten (1—2 Wochen) einen Gruppenabend, zu dem die Mitglieder der Gruppe jedesmal schriftlich einzuladen sind." Wer verhindert ist, entschuldigt sich. Der Gruppenleiter kann, wenn er cs entkleideten dep Leichnam und wollten ihn einfach verscharren, machten aber bei dieser Gelegenheit die merkwürdige Entdeckung, dass der Tote das jüdische Bundes- Zeichen am Leibe trug. Sie hielten inne und erstatteten dem Stammesoberhaupt Bericht. Sorfort wurde an einem erhöhten Standorte eine Falme aufgepflanzt und die angescheusten Männer sammelten sich, um über die Art der Bestattung Rats zu pflegen. Bald kam ein Abgesandter zu mir und redete mich an in einer Sprache, die ich nicht verstand. Als ich die Antwort schuldig blieb, fragte er im gebrochenen russisch: ״War der Erschossene ein Jisraöli?“ Ich bejahrte, tjnd mm fragte er weiter: ״Was bist Du, ein No z r i oder J i sm aö 1 i?“ (Christ oder Muhamedaner?) Ich antwortete*. ״Keines von beiden, sondern auch J i s raö 1 i.“ Diese Antworten brachte der Bezcichnetc zurück und die Ratsversammlung beschloss, den Toten mit allen Ehren und Gebrüuclien, wie einen Stammesgenossen, zu bestatten. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich denn alsbald, dass auch dieser Stamm sich zum jüdischen Volke rechnete, wenn er auch vom talmudischcn Judentum keine Ahnung hatte. (Fortse zung folgt.)

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