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Jüdische Rundschau · 1902-10-22 · Heft 43 (22.10.1902) · p. Seite 27

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1902)
Issue
Heft 43 (22.10.1902)
Date
1902-10-22
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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No. 43. Jüdische Rundscliau. Seite 27, sie kein Arbeitsprogramm, kein bestimmtes Ziel hatte, auf das sic hinarbeitete. Darum müssen wir vor allem den Grundsatz der fakultativen Betätigung energisch beseitigen und ihn mit.allen Mitteln, die uns zu Gebote stehen, durch 1einen Zwang zu ersetzen suchen. Man verstehe mich recht: Von einem wirklichen Zwang wird nicht die Rede kein können, denn wer nicht will, wird nicht herangezogen werden können, aber es handelt sich darum, der Organisation als solcher eine gewisse autoritative und obligatorische Gewalt zu geben. In welcher Weise das geschehen kann, ist eine Frage, in der wir noch mit der offiziellen zionistischen Organisation in Verhandlungen stehen, die wir aber Aussicht haben befriedigend zu lösen. Innerhalb der Organisation haben wir nun zwei Ziele: Arbeit für uns. die hingen Zionisten, und Arbeit für den Zionismus. Wir haben mit der Tatsache zu rechnen, dass der deutsche Zionismus von den jüdischen Akademikern getragen und verbreitet wird, und dass wir dazu bestimmt sind, die älteren Kräfte nach und nach abzulösen. Für diese grosse Aufgabe haben wir uns vorzubercitcn: wir haben uns von dem verantwortungsvollen Bewusstsein leiten zu lassen, dass der deutsche Zionismus zum grossen Teil das sein wird, was wir aus ihm machen. Wenn über Verflachung des Zionismus geklagt werden wird, werden wir uns zu der Schuld daran bekennen müssen, und wenn er vertieft werden soll, werden wir uns erst im Zionismus vertiefen müssen. Daraus also erwächst uns der erste Teil unserer Arbeit in einer akademischen Organisation, wir haben für uns und unsere Ausbildung als Zionisten zu arbeiten. Das kommt in letzter Linie natürlich dem Zionismus zu gute. Daneben haben wir die. Aufgabe, uns an den allgemeinen zionistischen Arbeiten, vor allem an der Agitation, zu beteiligen, und zwar in der Weise, wie ich cs nachher ausiuhren werde. Bevor ich unser Arbeitsprogramm darstcllc. möchte ich noch auf einen Punkt eingeben, in dem ich wesentlich . von Dr. Moses abwciche. Er nennt die Organisation ..Vereinigung zionistischer Akademiker Deutschlands“. Ich meine, wir sollten bescheidener anfangen. Uns tut keine weitspannende, prachtvolle Organisierung not, sondern eine wirkliche Arbeitsleistung. Man gehe vom Kleineren zum Grösseren vor. Wir wollen uns hüten, eine grosse Maschine zu bauen, die nicht arbeiten kann; wir haben zunächst in einigen Städten — es kommen vorläufig nur Universitätsstädte in Betracht, in denen zahlreiche jüdische Akademiker leben — Einzelorganisationen zu schaffen, die alle nach dem gleichen oder wenig modifizierten Plane arbeiten können. Sie treten vorläufig nur soweit in private Verbindung, als cs die Zwecke der Agitation verlangen. Erst wenn Zahl und Machtmittel der einzelnen Vereine soweit gediehen sind, dann können wir an einen ״Bund zionistischer Akademiker Deutschlands“ denken. Und das soll möglichst spät der Fall sein. Denn dafür, dass unsere Arbeit und ihr Nutzeffekt dem Ganzen des Zionismus zu gute kommt, hat die allgemeine zionistische Landesorganisation zu sorgen. Wir haben nur ein Interesse an der Arbeit und werden den organisatorischen Apparat auf das Minimum des Möglichen beschränken. Darin soll jedem, wie Täubler treffend betont, nicht so viel wie möglich, sondern so wenig wie möglich zu tun gegeben werden. Die Zwecke unserer Organisation seien drei: Erstens und vor allem soll sie die Akademiker im zionistischen Geiste gründlich durchbilden, zweitens soll sie Agitation leisten in genauer zu umgrenzendem Rahmen, drittens soll sie der Allgemcinorganisation eine disponible Arbeitskraft zur Verfügung stellen, bei der ein Versagen wie in den Berliner Repräsentantenwahlen nicht Vorkommen darf. Um kurz zu sein, lege ich als positiven Vorschlag unsere Berliner Organisierung mit kurzer Erläuterung vor. Ein geschäftsordniingssmässiges Statut haben wir noch nicht und brauchen wir noch nicht. Das werden wir schreiben, wenn die Einrichtung sich bewährt hat, denn unser Grundsatz ist: Nichts KiinstÜclies zu bauen, sondem die gegebenen Kräfte zweckmässig und ausgiebig zu benutzen. Die Mitglieder der Vereinigung bilden bei uns sechs Untergruppe^ Jedes Mitglied muss mindestens einer angehören, und verpflichtet sich durch Eintragung in ihre Liste zur obligatorischen Mitarbeit während eines Semesters. Jede Gruppe wählt aus ihrer Mitte den für ihre Arbeit Brauchbarsten als Gruppenleiter. Wir haben 101־ gende Untergruppen: 1. DieLern-undDiskussionsgrnppe. Es ist die Vorschule für die jungen Kräfte, die fn das Ideengebiet des Zionismus clnfulirt. und zwar durch Vorträge und Referate der Mitglieder, an die sich eine Debatte schliesst. Sie wirkt auch als Rednerschule. Ihre Leitung liegt in den Händen eines geschulten Parteigenossen; für Berlin, wohl auch für die meisten anderen Wir arbeiteten uns zwischen vielgezackten Felswänden, durch ein zur Zeit völlig trocknes mit Geröll und vom Wasser geglätteten Steimnasscn fibersäetets Flussbett empor, als plötzlich von dem mächtigen Knall der Flintenschüsse die Berge widerhalltcn und die Kugeln uns um die Häupter pfiffen. Wir hätten die Schüsse gern erwidert, allein kein Mensch und keine Seele war zu sehen. Wir eilten nur, um so rasch als möglich vom Fleck zu kommen. Da erdröhnte noch einmal ein Schuss, wie es schien aus grosser Nähe, und mein Freund, der an der Spitze ritt, schwankt getroffen im Sattel. Alle kamen ihm eilig zu Hilfe; allein er winkte abwehrend und sprach mit schwacher Stimme: rettet Euch; für mich ist keine Rettung mehr. Die Kameraden wollten nicht ohne ihn von der Stelle; allein auch ich riet, so rasch als möglich zuruckzueilcn und Hilfe herbeizu- ן schaffen. Ich persönlich wollte und konnte den schwer-; verwundeten Freund um keinen Preis verlassen. Da j ritten sie ab und scheinen auch alle drei ohne weitere Gefährdung entkommen zu sein. Ich bettete den vom Pferde gesunkenen freund auf einem mit weichem Moos bewachsenen Felsenabhang und untersuchte die Brustwunde nach dem Sitze der Kugel, da entstürzte ihm ein mächtiger Blutstrom aus Mund und Nase, er röchelte noch schwach und nach einigen Sekunden hatte er ausgelebt. In meiner Beflissenheit hatte ich nicht bemerkt, dass drei gutbewaffnete Tscberkesscn bis in unmittelbare Nähe hcrangckonmicn waren und aufmerksam meine chirurgischen Hilfsvcrstiche beobachteten. Jetzt kamen sie auf meinen Wink heran, banden in geschickter Weise — diese Leute sind für solche Fälle geschult und vorbereitet — den Leichnam auf des Gefallenen Pferd und fort gings, dem nicht allzuweit entfernten Aul zu, welcher auf dein kürzesten Wege schon in einer halben Stunde erreicht war. Unsere Ankunft und der Bericht unserer Begleiter hatte bei ihren Stammesgenossen die grösste Bestürzung hervorgebracht.• Sic fürchteten offenbar und mit Recht, einen baldigen Überfall von Seiten unserer Truppen. Dein waren sie nicht gewachsen. Und es dauerte nur wenige Stunden, da war das ganze Feldlager — so ein ( Tscherkcssen-Aul ist ia weiter nichts als ein Feldlager — | abgebrochen, alles war verpackt und.verladen; nicht nur Pferde, Esel, Maultiere, sowie auch einige Kamcclc, sondern selbst Rinder und Kleinvieh wurden als Lasttiere

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