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Jüdische Rundschau · 1902-10-15 · Heft 42 (15.10.1902) · p. Seite 22

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1902)
Issue
Heft 42 (15.10.1902)
Date
1902-10-15
Page
Seite 22 (sequence 6)
Language
German
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Seite 22. Jüdische Rundschau. JKo 42* der Sturm brauste und der Anprall der Wogen das Schifflein zu erdrücken drohte, dass uns aber auch die willkommen sind, die zuerst bei Seite standen und nun nach und nach auf den Zwischenstationen einsteigen, nachdem sie gesehen, dass die Wogen sich glätten und dass keine Gefahr vorhanden ist. -f. Berlin. Die im Juli d. J. an der Berliner Universität gegründete „Freie Verbindung Hasmonaea“ eröffnet mit Beginn des kommenden Winter-Semesters ihre offizielle Tätigkeit. Durch die Gründung einer zionistischen Verbindung an der grössten Universität des deutschen Reiches hat die zionistische Agitation unter der akademischen Jugend einen bedeutenden Schritt nach vorwärts getan. Durch intensive Beschäftigung mit dem zionistischen Gedanken, durch Vorträge. Geschichts-, Litteratnr- und hebräische Sprachkurse hofft die „Hasmonaea" tüchtige Zionisten hcranzitbilden und durch öffentliche Diskussionen dein Gedanken des Zionismus in der Studentenschaft weiteren Ringang zu verschaffen. Auch Fechten, Turnen und Geselligkeit wird gepflegt werden. Die „Hasmonaea“ richtet an alle gesimtungsgcnössischcn Berliner Studenten die Aufforderung, sich ihr anzuschlicssen! Besonders werden die Vertrauensmänner der deutschen zionistischen Ortsgruppen ersucht, durch Angabe der Adressen derjenigen zionistischen Studenten ihres Ortes, welche in Berlin studieren oder zu studieren beabsichtigen, die „Hasmonaea“ zu unterstützen. Auskünfte erteilt bereitwilligst Dr. Eduard Leszynsky, W. Bayreutherstr. 36 und stud. phil. Egon Rosenberg, Rankcstr. 29II. Die Kölner Ortsgruppe hielt, anlftsslich des Ablebens unseres hochgeschätzten Mitgliedes, des Rabbiners Herrn Dr. Rfili aus Bonn, am Samstag Abend im W iener Hof eine Trauerfeier ab. um diesen um die Menschheit, insbesondere um das Judentum so hochverdienten Mann zu ehren. Aus allen Berufsklasscn hatten sich Juden eingefunden, um an dieser Eitrung teilzuuclimen, wie auch der Rabbiner Dr. Rosentha! der au ihn erlassenen Einladung Folge leistete. Ebenso waren zu dieser Ehrung zwei Söhne des Dahingeschiedenen erschienen. Herr Dr. Bodcr.heimcr feierte den Dahingcgangenen in beredten Worten. hob einige hervorragende Momente aus dem Leben dieses tapferen Kämpfers unter lautloser Stille seitens der Zuhörer hervor und forderte die Anwesenden zur Ehrung unseres Herrn Riilf auf. sich von ihren Sitzen zu erheben. Der Redner des Abends, Herr D. Wolffsohn, welcher die Gesellschaft über eine Stunde mit seinem Vortrage in Spannung hielt, bewies aus der Schritt „Aruchas Bas amtni“. welch seltener Geist, welch seltene Tatkraft, welch hervorragender Jude aus dem Leben geschieden ist. Sichtlich bewegt las er einige Stellen aus der für den Zionismus grundlegende Ideen enthaltenden Schrift vor und zeigte uns die grosse Lücke, die durch das Ableben dieses wahrhaft edlen Mannes und Führers in unseren Reihen entstanden ist. Fr forderte alle Anwesenden auf, Dr. Rülf als Vorbild für unsere grosse Idee zu behalten und sich zu bemühen, ihm nach jeder Richtung uachzucifern. Nachdem der Vorsitzende. Herr Dr. Bodenheinter. die Anwesenden darum gebeten haue, als letzte Ehrung, für den Abend eine Nationalfondsammlung zwecks Eintragung des Namen Isaac Rülf für ewige Zeiten in das goldene Buch vorzunehmen, wurde die Versammlung geschlossen. Im weissen Saale des W iener Hofes blieben die Zionisten und Turner noch 1 Stunde versammelt und trennten sich gegen 12 Uhr nachts, nach Absingung des Liedes „Dort wo d>c Ceder“ etc. (NVolff.) Rundichau. Berlin. Am Sonnabend Nachmittag ist das Urteil im Prozess gegen Bruhn und Dr. Bötticher gefällt worden. Dr. Bötticher ist zu einem Jahre, Bruhn zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. — Wir glauben nicht, dass damit diese Männer für immer unmöglich gemacht sind oder gar die antisemitische Bewegung wesentlich geschädigt ist. Interessant ist noch eine Tatsache: Während in Skurz (Knabe Cybulla) tmd in Xanten (Knabe Hegemann) die ßlutltige in ausschliesslich katholischer Bevölkerung verbreitet worden ist, haben Bruhn und Konsorten das historische Verdienst, das erste halbprotestantische Ritualmordmärchen erfunden zu haben. Wir gratulieren zum Kulturfortschritt! Berlin. Die Jüdisch-Musikalische Vereinigung beginnt Dienstag, den 14. Oktober, ihr Winter-Semester. Die junge Vereinigung tritt jetzt an grössere musikalische Aufgaben heran und bittet Damen und Herren, welche Lust haben, sich am Chorgesang zu beteiligen, um Teilnahme* an. den Übungen, welche unter Leitung des Herrn L. Hoehdorf regelmässig jeden Dienstag Abend 8- Uhr in Dräsels Restaurant, Neue Friedrichstrasse 35, stattfinden. Meldung einiger Sopranistinnen erwünscht. (Vereinsorgan: „Jüdische Rundschau“.) Berlin. Bekanntlich hat der Deutsche Reichs- Anzeiger neben seinem amtlichen Teil auch einen nichtamtlichen, der sich bemühen soll und bemüht, über den Parteien zu stehen. Um der Wirkung der amerikanischen : Note über die Lage der rumänischen Juden entgegenzuarheiten. wurden von antisemitscher Seite lügenhafte Berichte über die Ausbeutung der armen rumänischen Bauern durch die Juden verbreitet. Fs w ar ein Meisterstück eines antisemitischen Berichterstatters, hei dieser Gelegenheit dem Deutschen Reichs-Anzeiger citi Kuckuksei ins Nest zu legen; man grub nämlich eine alte Ente aus. wonach die jüdischen Schenkwirte in der Moldau, um den Durst der Trinker zu steigern, „den Schnaps mit Vitriol vermischt hätten". Der Reichs- Anzeiger druckte das ab. Nun ist es eine gestempelte Unwahrheit. Wahrer ist es nicht dadurch geworden. München. Das „Vaterland“ schreibt: „Emile Zola, der grosse Drcyfusist und Champion auf dem Gebiete der Pornographie, hat sich durch Erstickung in den Schoss Abrahams versammelt." In dem ebenfalls hier erscheinenden „Deutschen V o 1 k s b 1 a 11 ** heisst es: „Sein Eintreten für den Ex-Kapitän Drcyfus zeigte ihn als einen charakterlosen Menschen, der nur seine eigenen Interessen im Auge hat, denn Zola war gewiss eben so gut wie die Juden, denen er Dienst leistete, von der Schuld des Verräters überzeugt." Beide Blätter gehören zu den ersten und edelsten Kämpen für Vaterland und Deutschtum. Es macht dem Deutschtum keine Ehre, den grossen Franzosen zu schmähen und im Grabe roll und riidig zu beschimpfen. Aber für uns Juden liegt darin der 1'rost, dass wir gerade von derselben Seite geschmäht und geschimpft werden. Unsere wahre Ehre w ird darunter so wenig leiden, als die des Mannes, der durch sein mannhaftes Eintreten für die Wahrheit Frankreichs Ehre vor seinem eigenen guten Gewissen gerettet hat. Unsere äussere Lage wird darum um nichts besser. Wir werden doch es nicht ändern können, dass die katholischen Dienstboten, die wir in unsernt eigenen Hause halten, uns für Menschenfresser auselien. und uns bei Gelegenheit als solche behandeln. Im „Volksvercin für das katholische Deutschland“ in Stuttgart hat vor einigen Tagen der priuzlicli cP riestet Max von Sachsen einen recht bemerkenswerten Vortrag über „die Geschichte der Makkabäer und die Kämpfe des Volkes Israel“ gehalten. Nach einer den Sinn der Makkabäerkäinpfe erläuternden Einleitung ging der Vortragende dazu über, die Nutzanwendung aus jenen weltgeschichtlichen Vorgängen für unsere .unmittelbare Gegenwart, insbesondere für die deutschen Katholiken unserer Zeit zu ziehen. Er tat dies, wie der „Schwab. Merkur“ mittcilt. in folgenden Ausführungen: „Die Makkabäer können uns ein Vorbild sein in unserem heiligen Kampfe für unsere Sache. Wenn wir auch äusserlich nicht solchen Drangsalen und Verfolgungen und solchen Erniedrigungen ausgesetzt sind wie die Juden zur Zeit der Makkabäer, so stehen wir doch in einer Zeit geistiger Kämpfe gegen Unglauben und Irreligiosität. Darum ist auch für uns die Zeit

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