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Jüdische Rundschau · 1902-10-10 · Heft 41 (10.10.1902) · p. Seite 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1902)
Issue
Heft 41 (10.10.1902)
Date
1902-10-10
Page
Seite 15 (sequence 7)
Language
German
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. No. 41. •' Seite 15. Jüdische Hiindsclmu. beobachten, wie das veranstaltete patriotische Fest von den meisten Deutschen, allen Juden und keinem Polen begangon wurde. Bei der Illumination blieben die polnischen Häuser dunkel, die der Juden strahlten im hellsten Licht. Und der Erfolg: Die Deutschen werden kein Körnchen ihres Judenhasses aufgoben, und die Polen ihren ganzen Groll, den sie gegen die Deutschen machtlos hegen, kräftig auf die Juden abladen. Das polnische Volk hasst den Juden nicht mehr als der Deutsche, aber auch nicht minder. Nur wird der tiefere Kulturstandpunkt des Polen dem Judenhass rohere Formen bei seinem Ausbruche verleihen als bei dem Deutschen. Bei gehöriger Priiparierung des Volkes durch die Interessenten der ,,Staatsbürger- Zeitung“ sind hier überall Szenen wie in Könitz hervorzurufen Es kommt nur darauf an, wo die Herren den geeigneten Punkt für ihro Geschäftsaktion zu finden gliuben. — Es wäre an der Zeit, dass nationaljüdische Propagauda hier den Juden die Augen öffnete, weicher ן Zukunft sie im Kampfe zwischen Deutschen und Polen entgegengehen. — Freiburg i. B., den 2S. September 1002. Auf Antrag von zionistischer Seite hat der Synagogenrat heute den einstimmigen Beschluss gefasst, dass auf die Liste derjenigen Gegenstände und Zwecke für weleho in der Synagoge Spenden gelobt werden können, auch der jüdische Nationalfond (: L’keren Kajemet :) aufgenommen werden soll. Wir bitten daher unsere Mitglieder und Freunde an den Feiertagen von dieser Einrichtung Gebrauch zu machen. — י M. K. M. W. Paris. Es liiesse den Tageszeitungen nachzuliinken, wollten wir über Emil Zolas Tod und Bestattung berichten. Aber cs wäre eine schnöde Undankbarkeit, wollten wir jetzt des Mannes nicht gedenken, der als einer der Wenigen für die Wahrheit eintrat, als das Recht mit Füssen getreten wurde. Uns interessiert liier nicht der grosse Dichter, wir gedenken des Kämpfers für Recht und Gerechtigkeit! — Bei Gelegenheit seiner Beerdigung konnte sich ״G a u l o i s“ nicht enthalten, Alfred Dreyfuss jüdischer Feigheit zu zeihen, weil er seinem Schützer nicht zu Grabe zu folgen wage. Das Gegenteil war bekanntlich der Fall, obwohl die Witwe Zolas aus begfreiflicher Furcht vor antisemitischen Demonstrationen Dreyfuss* Fernbleiben wünschte. Es stellt übrigens dem Halbmanne, der den ״Gaulois“ redigiert, eigentümlich an, über Dreyiuss’ jiidsche Feigheit zu lamentieren, da Arthur Meyer bekanntlich feige genug ist, als Jude antisemitisch zu schreiben, und doch nicht den Mut findet, der zu der Feigheit, sich taufen zu lassen, nötig ist. Das katholische Sonntagsblait ״Der christliche Pilger“ in Speyer, herausgegeben vom dortigen Domvikar Friedrich Molz, schreibt: ״Zola, ein Romanschriftsteller, Gotteslästerer und Spötter über die Mutter Gottes, ein Mistfink erster Klasse und ein Räuber vieler unsterblichen Seelen, ist entweder am Kaminrauch erstickt, oder er hat sich selber irgendwie umgcbracht. Parole: Schwein—furt!“ Dieser Nachruf ist zum mindesten roh! Aber er kam dem Schreiber gewiss aus .tiefstem Herzen, da er die Wahrheit fürchtet, wie die Eule das Tageslicht. Zola war aber .der beste und unerschrockenste Kämpfer für Licht und Wahrheit. — Bukarest. Als Antwort auf die amerikanische und englische Note lmt die Regierung alle Behörden angewiesen, den Juden keine Atislandpässc mehr auszufolgen. Infolge dieses Befehls wurden die bereits auf dem Wege zur Grenze befindliehen Juden zurücktransporticrt und den auf dem hiesigen Bahnhofe befindlichen mehreren hundert jüdischen Auswauderern die Weiterreise verwehrt. Die Antwort Rumäniens, dass es keine Pässe den auswanderungslustigcn Juden mehr erteilen werde, hat die amerikanische Regierung ״beruhigt .Sie hat auch unsere Freunde von der Assiniilationsseitc ״beruhigt , die sieh gegenseitig ein goldenes Zeitalter für die Juden aus der amerikanischen Note prophezeiten. Und was wird nun werden? Das christliche Europa hat unsere Brüder In Rumänien der barbarischen Unterdrückung durch eine rücksichtslosc und gewissenlose Regierung ausgcliefcrt! Werden unsere Stammcsgenosscn nun endlich doch anfangen zu begreifen, dass es an Ihnen ist, eine durch öffentliches Recht gesicherte Heimstätte für das Jüdische Volk zu schaffen? . Jerusalem. In Kalonija (Mozah), einer neuen jüdischen Besiedelung, nächst Jerusalem gelegen, ist letzthin ein grosses Unglück geschehen. Drei jüdische Kolonisten waren des Nachts mit der Füllung von Spiritus beschäftigt Plötzlich standen alle drei in Flammen, indem ein Fass, man weiss nicht wie, Feuer gefangen hat und explodiert ist. Hilfe war nicht rasch bei der Hand, weil das Dorf beinahe eine Stunde von der Stadt entfernt ist. Erst in spater Nachtstunde konnte Dr. Wallach, als der nächste zur Unglücksstätte wohnende Arzt Notver bände anlegcn, worauf er dann die verunglückten, mit fürchterlichen Brandwunden Bedeckten, nach dem neuen Hospitale ערי ציון:? befördern licss. Hoffnung ist leider nur für einen einzigen vorhanden, ihn am Leben zu erhalten, während von den beiden Andern, die beide Familienväter sind, einer bereits seinen Wunden erlegen ist; der andere schwebt noch zwischen Tod und Leben. Das Unglück ist uni so grösser, als dieses Letzteren beide Kinder, ein Mädchen von etwa 2 Jahren und ein Säugling von kaum einigen Monaten. i;1 deren nächsten Nähe die Brandstätte sicli befand, von der grässlichen Sccnc derart erschreckt wurden, dass sie sich in Lebensgefahr befinden. CST! ß!)ronil5. Auf dem Parteitag der freisinnigen Volkspartei in Hamburg ist auf Antrag des Rechtsanwalts Gyssling und Gen. in Königsborg i. Pr. folgender Beschluss gefasst: ״Der Parteitag bedauert, dass noch immer ein. Teil der Staatsbürger seiner Religion oder Abstammung oder Herkunft wegen zurückgesetzt und von einzelnen Berufszweigen ganz ausgeschlossen wird, und spricht die Erwartung aus, dass die Abgeordneten der Partei energisch dafür ein treten werden, dass endlich die Be- Stimmung der Verfassung und des Gesetzes vom 3. Juli 1869 befolgt werde, und dass bei Besetzung der Ämter lediglich die Tüchtigkeit Ausschlag gebe.“ Da wird noch viel Wasser die Elbe herunterlaufen, bis es besser wird. —• Hamburg. Dem Beispiele des Berliner Bar-Kochba folgend, konstituierte sich hier Anfang dieses Jahres eine ״Jüdische Turnerschaft“, welche, von verschiedenen Vereinen unterstützt, fortgesetzt Aufschwung nimmt, derart, dass die zur Verfügung stehende Turnhaiic der Talmud-Tora-Sehule sich für die Folge als zu klein erweist. Dass besonders die Altersriege immer mehr treue Anhänger findet, welche den jungen Leuten in jeder Weise als Beispiel dienen, ist um so erfreulicher, als das Turnen der an und für sich gelenkigen Jugend immerhin weniger notwendig ist, als das der Männer. Geturnt soll werden bis ins hohe Alter hinein. Nehmen wir uns auch in Hinsicht der Leibespflege ein Beispiel an unserm Altmeister Riilf. — Das ״Deutsche Volksblatt" in Wien, ein Blatt, das sich deutscher Wahrheitsliebe und christlicher Frömmigkeit zu befieissigen beansprucht, schreibt: ״Zionistische Raufer e i c n in M i 11 s k. ln Minsk tagte vor etlichen Tagen der erste allrussische Zionisten tag. Bei demselben kam es zwischen den Zionisten der einzelnen Fraktionen zu derartigen Zusammenstössen. dass zahlreiche Verwundete und Tote am Platze blieben. Leider meldet der Telegraph die Anzahl der letzteren nicht. Doch hoffen wir das Beste." Es ist doch gut, dass in den zehn Geboten nicht steht: ״Du sollst nicht lügen!" — Für die nächste Funktionsdauer wurde zum Lordmayor von London Marcus Samuel gewählt. Er ist aus der Zunft der Brillenmacher und der sechste jüdische Bürgermeister Londons, Als er die übliche Dankesrede hielt und der hohen Ehren gedachte, welche die Londoner Bürger ihm verliehen haben, sagte er unter lebhaftem Beifall: ״Ich kann nicht vergessen, dass nicht überall dieselbe Freiheit Sühnen meines Glaubens gewährt wird, wie sie, gottlob, in der City von London vorherrscht." — Warschau, ln der WoUltütigkeitsgescUscUait von Warschau haben die christlichen Besucher unlängst, wie der halbamtliche ״Warschawskij Dnewnik“ meldet, gegen die Zulassung von Juden zur Teilnahme an der unentgeltlichen Speisung itti Speisesaale der Volksküche Protest erhoben, mit der Begründung, der Anblick der Juden sei ekelerregend. Die Verwaltung der Küche billigte diesen Protest und sonderte

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