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Jüdische Rundschau · 1902-10-10 · Heft 41 (10.10.1902) · p. Seite 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1902)
Issue
Heft 41 (10.10.1902)
Date
1902-10-10
Page
Seite 13 (sequence 5)
Language
German
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No. 41. JUdische Rund8<!I11u1.?eite 13. Mannheim» 1. Oktober (Zionistische Ortsgruppe). Die Sitzung, mit welcher unser Verein gestern sein Wintersemester begann, nahm einen flotten, anregenden Verlauf. Der Vorsitzende, Herr Dr. Felsenthal, leitete sic mit einem warmen, herzlichen Nachruf auf unsern verstorbenen Altmeister Dr. Rulf ein. Herr Wertheim gab in einem fesselnden Referate eine Übersicht über die wichtigen Ereignisse in der zionistischen Bewegung, weiche seit unserer letzten Tagung sich abgespielt haben. Die lebhafte Diskussion, welche sich an den Vortrag anschloss, hatte zum Gegenstand die Note des Staatssekretärs Hay, die Cypernfrage und die Ausgestaltung des Nationalfonds. Der zweite Redner des Abends, Herr Julius Simon, referierte Ober das Programm der Zionistischen Fraktion und fand für seine klaren Ausführungen herzlichen Beifall. In der Diskussion präzisierte Herr Dr. Moses den Standpunkt der deutsehen Zionisten zu dem demokratischen Programme. Versammlung der Delegierten und Vertrauensmänner für Elsass-Lothrfngen am 21. September. Die Versammlung war einberufen worden, einerseits um das Distrikts-Bureau für Hlsass-Lothringen zu konstituieren, hauptsächlich jedoch um über eine gemeinsame und zielbewusste Agitation zu beraten. Erschienen waren 20 Herren, aus Strassburg, Mühlhausen, Hagenau, Colmar, Niederweilern, Bad Sulz und Saarunion. Der Vorsitzende der Strassburgcr Gruppe. Herr Ingenieur M. Pohl, begriisste die Anwesenden ur.d gab zunächst einen kurzen Überblick über den Stand der Bewegung im Eisass. Die Wahl des Bureaus ergab: 7 Herren der Strassburgcr Gruppe und 7 Herren der auswärtigen Gruppen. Es wurde die Gründung eures Agitationsfonds beschlossen, zu der von jedem der Orgaisisation Angehörigen 1 Mk. zu zahlen ist. Hieran schloss sich das Referat des Herrn Rechtsanwalts Dr. Albert Lcvy aus Hagenau, über ..Die Agitation auf dem Lande“. Das Referat selbst, sowie die sich anschliessende Diskussion waren interessant und förderten eine Menge neuer Gesichtspunkte zu Tage, nach denen hier die künftige Agitation zu betreiben ist Es wurde eine Einteilung in Bezirke vorgenommen, in denen die Vereine und Vertrauensmänner nach den gemachten Vorschlägen intensiv zu agitieren haben. Hierhin gehört vor alien die Versendung von Broschüren. Flugblättern an die Lehrer, Rabbiner, sowie an sämtliche jüdische Restaurationen der betreffenden Bezirke. Vor allem wurde eine energische jedoch massvoüe persönliche Agitation in kleineren Orten, wo Agitationsvorträge nicht angebracht sind, empfohlen. Ausserdem soll an dem im kommenden Monat stattfindenden Lehrertag ein Vortragsabend für die Lehrer arrangiert werden. Auf Anregung des Herrn Dr. Elias, Mühlhausen, wird beschlossen, bei Vorträgen in Zukunit mehr auf die Misswirtschaft und planlose Arbeit der Alliance Israllite Universelle hinzuw׳elsen. Für die Agitation in der Stadt wurde die Gründung von Turnvereinen angeregt Mit der Ausarbeitung der Statuten eines Shareklubs für den ganzen Bezirk wurde Herr Ingenieur Pohl, mit den Vorarbeiten für eine Vorschusskasse die Strassburgcr Gruppe betraut. Ebenfalls ist die Unterstützung aller Vereine mit ausgesprochen jüdischer Tendenz als sehr zweckmässig anempfolilcn worden. Zum Schluss wurde die Einleitung einer Hilfsaktion für die rumänischen Juden beschlossen. Danach wird in allerkürzester Zeit ein Vortrag zwecks Klarlegur.g der Lage der rumänischen Juden, stattfinden, sowie. Citteraturberkbt. (Bücher einschlägigen Inhalts, die der Redaktion cingesandt werden, w'crdcn hier aufgeführt solche, von besonderem Werte für unsere Leser, besprochen werden.) Israelitischer Kalender für das Jahr 56G3 n. E. d. W. . . . לוח ל*כ;ת תרפ׳ג. Hrsg, von der Importgesellschaft Palästina. Berlin 1902. (40 S.) 12°. Die Importgesellschafl Palästina übergiebt dem Kreise ihrer Kunden diesen kleinen Kalender als Reklame. Er enthält ausser dom Kalendarium eine Jahresrundschau und einen Artikel ״Der Palästinawein“. Der Kalender beansprucht keine grosse Bosprechung, doch konstatieren wir gern, dass er weder offene noch versteckte Angriffe gegen den Zionismus enthält. Jedenfalls eine artige Reklame. Jüdisches Jahrbuch für das Jahr 5663 (1902/03). Herau6gegeben vom Jüdischen Volksblatt. "Wien (1902). (150 S.) 120. 60 Heller. Oesterreich ist der einzige Staat Europas, in dom eine nationaljüdische Partei existieren kann, dio nicht zugleich zionistisch ist. In andern Staaten können eine Sammclstclle für Oeldcr und Kleidungsstücke errichtet. Ausserdem werden ein Aufruf in Tageszeitungen erlassen und Flugblätter im Lande versendet werden. Der Verlauf der Sitzung war ein äusserst anregender, und zeigten sämtliche Teilnehmer einen grossen Eifer bei den Verhandlungen und manchmal sehr erhitzter Debatte. Wenn derartige Veranstaltungen auch nie direkte positive Resultate erzielen, sondern nur neue Anregungen geben und gemeinsame Aussprache herbeiführen können, so beweist doch ihr Zustandekommen mit der angegebenen Zahl der Teilnehmer zur Genüge, dass unsere Bewegung eine stetig fortschreitende ist Hiermit wird zugleich neuer Mut und neue Arbeitslust geschahen. Nachdem Herr Pohl den Erschienenen gedankt und dem verstorbenen Herrn Dr. Riilf noch einen kurzen Nachruf gcwidmet hatte, wurde die Versammlung geschlossen. Es fand dann noch ein gemeinsames Abendessen statt, weiches auch durch Versteigern des Tischgebetes eine nette Summe für den Nationalfond abwari. M. P. Der Tiationalfonds. Dr. Farbstein (Zürich) hat als Präsident der auf dem Kongrosse gewählten Kommission, welche für den Natinaifond oder besser, für dessen Verwaltung, eine juristische Person schaffen soll, ein Statut ausgearbeitet und den Mitgliedern dieser Konimission und des weiteren A.-K. vorgclegt. Dr. Bodcnhcimcr (Köln) hat im Monate August in der ״Israelitischen Rundschau“ ebenfalls ein Statut vorgclegt, aber zur allgemeinen Diskussion gestellt. Ich dachte, dass unter den vielen Juristen, die wir haben, sich einige finden werden, welche ihre Meinung hierüber abgeben. Es ist bis jetzt nicht geschehen. Ich lege deshalb heute wohl kein bis ins Detail ausgearbeitetes Statut vor, aber einen Entwurf, — ich möchte sagen, das Skelett eines Statuts — der in seinen Grundprinzipien die — meiner Meinung nach — in den Entwürfen Bodenhelmers und Farbsteins bestehenden Mängel beseitigt und ihre Vorzüge in sich vereinigt. Zuerst eine kurze Charakteristik der ersten Entwürfe. Dr. Farbstein nimmt eine Genossenschaft mit äusserst seit werfälligem und kompliziertem Verw'altungsapparat in Aussicht Abgesehen von diesem komplizierten Verwaltungsorgan, spielt, wie Dr. Bodcnhcimcr richtig bemerkt, das ethische Moment eine ganz bedeutende Rolle, Indem der Nationalfond, heute als Vermögen des jüdischen Volkes hingcstellt, in diesem Falle Vermögen der Mitglieder der Genossenschaft wird. Um dieser Auiiassung und der Möglichkeit entgegenzutreten, die gesammelten Gelder c'mem anderen als dem gedachten Zwecke A zuzuführen, würde Dr. Bodenheimer den Fond gern als Stiiwir gar nicht auf den Gedanken kommen, eigene nationale Prätensionen zu erheben. Das Programm der ,,Jüdischen Volksparteidas in dem vorliegenden reichhaltigen Jahrbuch zum Abdruck kommt, ist demokratisch und national - sozial. Es sucht eine Plattform zu schaffen, auf der sich alle Schichten des jüdischen Volkes vereinigen könnten. Die ״Jüdische Volkspartei“ verwahrt sich dagegen mit den Zionisten identifiziert zu werden. Sie verlangt, dass man die von Russland, Rumänien u. a. Ländern ausgestossenen Juden nach Oesterreich hineinstopfto. In welchen Teil Österreichs, wird nicht angegeben. Sicher ist aber ein bestimmter Landestoil gomeint, da die ganze Bewegung nach Art anderer nationaler Regungen in Europas Natio* nalitätenmonarchie auf eine örtliche Autonomie hinzielt. Dieser österreichisch-jüdisch-nationale Standpunkt wird sehr geschickt im vorliegenden Kalender vertreten, wenn auch hin und wieder solche prächtigen Schnitzer Vorkommen wie: ״Die Namen Arier und Semit, diese Bezeichnungen, sind erst Decennien nachher von Professur Treitschke in Berlin erfunden worden“. "Wenn das Jahrbuch es den poli-

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