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Jüdische Rundschau · 1902-10-01 · Heft 40 (1.10.1902) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
VII (1902)
Issue
Heft 40 (1.10.1902)
Date
1902-10-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Seite 7. wahrhafter Erzehlung der Spcciet Facti, und wie cs mit dieser L/äst.ening eigentlich zugegangen / Der Juden hochtrabendes .und sich über alle andere Völckcr der .Welt erhebendes Hertz / ihr eingewurzelter Hass gegen unser!! Heiland / ihre mit vielen greulichen Excmpcln durch alle Secula her von Christi Leiden bis auf .unsere Zeiten bewiesene tödtliche Feindschaft gegen die Christen / ihre Bctrügiichkcit im Schweren / Handeln und Wuchern / auch in ihrer Bekehrung zum Christi. Glauben / dargethan / und dabey gezciget / wie sic zu halten / und mit was für Behutsamkeit und Bedingung sie unter den Christen zu dulden seyn; Alles / zum Theil aus Gottes Wort und der gesunden Vcrnunfft / zum Theil aus den Schrifftcn der Judeji selbst / und andern unwiedersprcchlichcn Zeugnissen / und unlaugbahrcn Geschichten J auch eigener Erfahrung, bewiesen / von M. SigismundoHosmann, Consistorial- und Stadt-Predigern in Zelle. Zelle / In Verlegung Hieronymus Friedrich Hoffman!! / Buchhändj. 1699. Wir haben diesen Buchtitel unseren Lesern vorgelegt, nicht um ihnen ein Beispiel zu geben, wie schwülstig frühere Jahrhunderte ihre Biichertitcl machten. Es galt damals, was heute gilt: ״Die Liiugc eines Buchtitels steht in umgekehrter Proportion zur Güte des Buches“. Wir wollten vielmehr durch die Wiedergabe des Titels einen unmittel baren Blick in eine historische Periode thun lassen, die noch garnicht so weit hinter nns liegt und auch noch lange nicht völlig überwunden ist. Herr Piarrcr Hosmann war einer jener cnragierleu Antisemiten, die alles und jedes beim Judentum auszusetzen hatten, und die cs den Juden nie verzeihen können, dass der Stifter der christlichen Kirche ein Jude war, diesen Vorwurf aber immer in die Form kleiden, dass die Juden den Heiland gekreuzigt hätten. Wir werden nächstens einmal unser!» Lesern die Geschichte vom Juden Jonas Meyer aus Wunstorff erzählen, für heute aber wenigstens ein Zitat (S. 183) geben, das manchem nicht uninteressant sein wird. ״Da nun der Juden durch die Welt eine so unglaubliche Menge ist / gegen welche keine Nation zu vergleichen / dass sic das kleine l.ändlein Canaan / nach welchem ihrem Erb- Lande sie ein so unauslöschliches Verlangen tragen / und darnach schreyen / wie der Hirsch nach frischem Wasser / nicht zu erobern und zu verthädigen vermöge 11 / da doch wenige Christen es für einigen 100. Jahren unschwer eingenommen / j zu Jerusalem ihr Königreich angerichtet / es auch wohl hätten erhalten können / wann sie alle von einer Nation gewesen / und in rechtschaffener Vertraulichkeit zusammen gehalten hätten. Warlich cs ist eine Sache / die schlechter Dinge an sich betrachtet gantz unbegreiflich ist. In der gantzen Weit J da sie wohnen./ nirgends opfiern. Das eintzige Jerusalem / und in demsclbigcn ein massiger Hügel / auf welchem sie opitem dürften / ist ihnen zu solchem Zweck verschlossen. Diesen, eintzigen Hügel in der gantzen Welt können sie mit allen ihren Unternehmungen und mit allen ihren Schützen nicht gewinnen / welches eir. so helles Bild der Göttlichen Gerichte ist / dass so wol Juden als Christen / wenn sie solches nicht erkennen / und sich darob entsetzen / müssen ohne Augen und ein unbeweglicher Kieselstein seyn. Aber wir kehren wieder zurück zu unserer Heer-Strassen.“ Ben-Jehuda, E l i e s e r: Millön hallaschön halbrit baseman hasch. Jerusalem. Lfg. 4. (S. 123—166). Von diesem monumentalen hebräischen Lexikon, über das wir neulich schon einmal andeutungsweise berichtet haben, ist vor kurzem bereits die •1. Lieferung erschienen. Dieselbe umfasst die Worte von אח bis אץ und zeigt dieselben Vorzüge wie die bereits voraugegangenen drei Lieferungen. Ausser dem Wortschatz der Bibel und des Talmuds linden wir die gesamte nachtalmudische l.itteratur, die poetischen, religiösen, gesetzliehen und philosophischen Werke der Juden im Mittelalter verwertet, sowie die Entwicklung der hebräischen Sprache bis indicncuestcZeit berücksichtigt, soweit sic neu bildend und weiter schaffend in die Erscheinung tritt. Auch einige wenige, sehr geschickte, eigene Neubildungen teilt uns der Verfasser in seinen! Werke mit. — Der Bau des Lexikons ist kurz folgender: Jedes hebräische Wort wird zuerst durch sein entsprechendes deutsches und französisches Aequivalent wiedergegeben und sodann mit einer beträchtlichen Reihe von Zitaten aus allen Zweigen der.jüdischen Litteratur aber Zeiten versehen, um jeden Begriff in all seinen Nuancen deutlich hervortreten zu lassen. Die etymologischen Anmerkungen zeugen ebenfalls von dem tiefen Verständnis des Verfassers für die allgemeine semitische Philologie. Erw'ähnenswcrt ist folgende Eigentümlichkeit von Ben Jehudas Lexikon: Unter jedem grösscren Gattungsbegriff sind alle seine Unterarten und Eigenschaften mit angegeben, sowie alle Beschäftigungen, die mit ihnen vorgenommen zu werden pflegen. So z.,B. finden wir unter dem Stichwort אבן — Stein — abgesehen von der eingehenden Erklärung des Begriffes selbst sämtliche Steinarten aufgezählt, sowie alle Arten von Beschäftigungen, wie sie mit No. 40. Steinen ausgeführt werden, z. B. klopfen, schleifen, spitzen 11. s. w. Dank dieser Anlage ist das’ Werk nicht nur als hebräisch-deutsches (resp. französisches), sondern auch umgekehrt als deutsch-hebräisches Wörterbuch mit Erfolg zu bcnutzen. — Ihm voran geht eine nach Form und Inhalt vorzfigliehe Einleitung Bcn-Jchudas über die Neubildungen in de»! modernen Sprachen im allgemeinen. Das Werk wäre als ein nationales schon an und für sich dankbar zu begrüssen und zu unterstützen, um so mehr aber, als cs federn einzelnen eine Fülle des Wissenswerten und Nützlichen giebt. 33de Lieferung wird zu dem . biiligen Preise von je 80 Pf. verkauft. Un! den Druck zu bcschleunigen, wird eine Anzahlung von •I Mark verlangt, für die aber Bürgschaft geleistet wird, indem fünf spätere Lieferungen gratis /!!gestellt werden.*) * - G. W. --־ *) Die Expedition der ,.Israelitischen Rundschau“ ist gern bereit. Bestellungen zu vermitteln und Auskünfte zu erteilen. Zlosistl, Theodor: Vom Heimweg. Verse eines Juden. Brünn 191)3. 81 S. 8״. Das vorliegende Buch unseres geschätzten Gcsinnungsgeiiosscn verdient eine eingehendere Besprechung, die demnächst iolgen s״Ü. Für heute wollen wir nur bemerken, dass wir es Freunden jüdischer Diehtung empfehlen. Neu-Judäa. Entwurf zum W iederaufbau eines selbständigen jüdischen Reiches von C. 1.. K. Zweite Auflage. Als Beitrag zur Vorgeschichte des Zionismus, herausgegeben von Heinrich Locwe. Berlin 1903. VIII, 21־ S. gr. 8'׳. Durch diese Neiiausgabe hat I.oewc cindn neuen Beitrag zu seinen zahlreichen kleineren Arbeiten aui dem Gebiete der Vorgeschichte des Zionismus geliefert. In diesem Falle hätte er vielleicht besser gethan, seine iriihere Benennung für diese Art Arbeiten beizubehalten: ,.Archiv für eine künftige Geschichte des national-jüdischen Gedankens". Jedenfalls bedeutet Neu-Judäa einen wichtigen Baustein in der Geschichte der jüdisch-nationalen Regenerationsbestrebungen, der nicht 1 übersehen werden darf. Es ist der Judenstaat vor Herzl’s! Judenstaat. Es ist ein Versuch, die Judenfrage gewissermassen über den Kopf der Emanzipation hinweg zu lösen. Das Buch sei In seiner neuen Ausgabe auf das Angelegentlichste em- : pfohien. Vernois, J. v. Yerdy du: Die Frage der heiligen Stätten. Ein Beitrag zur Geschichte der völkerrechtlichen Be- Ziehungen der ottomanischen Horte. Berlin. (74 S.) Oktav. Eine Schrift von grössten! Interesse und Wert für alle Zionisten! — Dass sic wenig bekannt und noch weniger, ja garnicht gelesen und studiert ist, giebt wieder ein Bild von der Sorglosigkeit und Nachlässigkeit, mit der man in unseren Reihen den Realien gegenüber sich verhält. — Der Verfasser obiger Schrift, der Sohn eines Infanteriegenerals, war in den Jahren 1S95— 97 zur kaiserlichen Botschaft nach Konstantinopel kommandiert, wo er besonders eifrig Stoif für seine Arbeit gesammelt hat. Er giebt in derselben eine detaillierte Geschichte von dem Anrechte der verschiedenen Religionen und Konfessionen auf die heiligen Stätten in Jerusalem, von den ältesten Zeiten an bis zur Einweihung der Erlöserkirche durch Kaiser Wilhelm II. im Jahre 189S. Ganz besonders erwähnt sei der in 11 Farbe!! ausgeführte, genaue Plan der heiligen Grabeskirche und Umgegend, der von dem bekannten Baurat Schick entworfen, dem vorliegenden Werke an! Schlüsse beigegeben ist — Obsclion die Juden auf diese Stätten keinen Anspruch besitzen und machen, sind diese Erörterungen doch fiir sie von Wichtigkeit. Der Zionismus wird in seiner praktischen Thätigkcit zu der in diesen! Buche behandelten Frage über kurz oder lang ganz bestimmte Stellung nehmen müssen. — G. W. — Verschiedene Bücher. ׳ Haken, Max von: Der polnische Jude. Volks-Oper von Car! Weis. Text nach Erckmann-Chatrian von Vict. Leon und Rieh. Batka. Leipzig: H. Seemann 1902. 31 S. 8°. 50 Pf. — Opernführer Nr. 92. Hermann, Franz: Das Buch Ruth. Aus dem Grundtext übersetzt und mit Erl. versehen. 88 S. gr. 1620 .״ Pf. *— Universai-Bibiiotltek Nr. 4265. Kautzsch, Emil: Die bleibende Bedcutuug des Alten Testaments. Ein Konferenzvortrag. Tübingen: J. C. B. Mohr 1902. 38 S. 8°. 65 Pf. 7־ Sammlung gemeinverständl. Vorträge und Schrüten a. d. Geb. Theologie und Rcligiousgeschichte. 25. Kraetzschinar, Prof. Lic. Dr.: Hebräisches Vokabular. Tübingen: I. C. B. Mohr 1902. VII, 40 S. 8°. 80 Pf. Liebe, Die — praktische christliche, in dem Ideal der Judenmission, dargestcllt in den Lebensschicksalen des in der cv. Kirche heimatlos umherirrenden tlieol. Verf. P. B(ernstein). Elberfeld: (Baedeker) 1901. 32 S. 8°. 40 Pf. — Aus: Der Materialismus im Kampfe und im Bunde mit der Religion. JUdiselie Rundschau 1

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