Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1931) (Neue Folge
- Issue
- Heft 6 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 91 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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irgendwelche Maßnahmen, weil man angesichts des Fatums der Erblichkeit, des konstitutionellen Kismet nichts anfangen zu können vermeint.Dem gegenüber wollen wir noch einmal betonen, daß die Einflüsse äußerer Bedingungen quantitativ und qualitativ so überwältigend sind, daß die Wirkung der für die Ausbildung des Konstitutionstypus maßgebender Erbfaktoren zu großem Teile und in bedeutendem Maße an Intensität verlieren, sich nicht ausreichend durchsetzen können. Wenn wir eingangs unseres Aufsatzes die Planlosigkeit und mangelnde Zielsetzung der gar zu vielen vergleichenden Erhebungen über die anthropometrischen Merkmale der Juden bemängelt haben, so wollten wir damit keinesfalls die Notwendigkeit solcher Untersuchungen leugnen. Im Gegenteil wir halten sie für dringend notwendig, unter der Bedingung jedoch, daß sie streng methodisch, nach einem wohldurchdachten Plan, unter Berücksichtigung unseres ganzen verfügbaren Wissens um all die mannigfaltigen äußeren Bedingungen, die die Ausbildung der Körpermerkmale beim Menschen beeinflussen, durchgeführt werden. Denn erst dann und nur dann können die Ergebnisse wissenschaftlich und praktisch verwertet werden. So lange dies nicht der Fall ist, geben uns derartige Erhebungen und Gegenüberstellungen gemessener Realitäten kein statistisch verwertbares Material, keinen zwingenden Grund, um die Homogenität der zu vergleichenden Massen auszusprechen. Es geht hier nicht an, daß man sich unter Berufung auf Stumpf hinter das Nichtwissen in bezug auf einzelne Fälle verschanzt*. Läßt sich bei solchen Untersuchungen das Material nicht nach den wirtschaftlichen, sozialen, beruflichen, hygienischen, wohnortstypischen u. ä. Argumenten ordnen, dann sind sie völlig nutzlos und nur für diejenigen brauchbar, die nicht müde werden, Theorien aufzustellen zur Erklärung nationaler Besonderheiten, die keine sind. An zwei Beispielen wollen wir hier noch einmal veranschaulichen, wie zweck- und nutzlos manch großer Aufwand in dieser Richtung kläglich wird vertan. In der russischen Zeitschrift «Fragen der Biologie und Pathologie der Juden» Bd. 3, H. 2 finden wir in dem übrigens ausgezeichneten Aufsatz von A. M. G a b i n s k i «Materialien zur vergleichenden Charakteristik der körperlichen Entwicklung der Juden in der Ukraina» folgende Aufstellung der an Rekruten ermittelten durchschnittlichen anthropometrischen Werte: Nichljuden Nichtiuden luden überhaupt btädtcr Städter Länge ........ 168,86 168,36 165,86 Gewicht........ 63,53 62,31 56,61 Brustumfang...... 86,72 85,69 82,83 Pignet-Index ..... 18,05 20,50 23,46 Quetelet-Index .... 37,70 37,70 35,86 Gewiß, der Unterschied zwischen den Juden und Nichtjuden ist außerordentlich groß. Die durchschnittlichen Werte sind in allen Zeilen für die absoluten Masse sowohl wie für die Indizes bei den Juden niedriger, in bezug auf die Indizes könnten wir sagen schlechter als bei der Nichtjuden. Daß die niedrigen absoluten Werte der Länge und des Gewichts nichts über den Gesundheitszustand oder biologische Tauglichkeit aussagen, sei noch einmal wiederholt. Ob es die Indizes tun, kann nicht mit Sicherheit behaup- Vgl. u. a. H. Rautmann: Untersuchungen über die Norm, 1921. 91