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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1931-06-01 · Heft 6 (Juni 1931) · p. Seite 92

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1931) (Neue Folge
Issue
Heft 6 (Juni 1931)
Date
1931-06-01
Page
Seite 92 (sequence 13)
Language
German
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tet werden. Wie es auch sei, haben wir nicht den geringsten Grund, von einem Unterschiede zwischen spezifisch-jüdischen und spezifisch-nichtjüdischen Werten zu sprechen. Die Zusammensetzung ist hier und dort verschieden. Ein überaus großer Teil der untersuchten Juden gehört zu der Gruppe der Deklassierten, d. h. derjenigen, die weder Arbeit noch Brot haben. Der Rest ist in ganz anderen Berufen untergebracht, lebt unter ganz anderen Verhältnissen, in einem anderen Milieu als die nichtjüdischen Städter. Uns fehlt, um berechtigt zu sein, die Zahlen hüben und drüben zu vergleichen, jegliches Wissen über die Herkunft der nichtjüdischen Städter. Der Kenner der Verhältnisse wird sich allerdings gleich sagen, daß die auffallende Ubereinstimmung der Werte für die nichtjüdischen Städter und die Nichtjuden überhaupt ihren Grund darin haben mag, daß die nichtjüdischen Städter erst vor verhältnismäßig kurzer Zeit vom Lande her gekommen, also gar keine eigentlichen Städter sind. Und wenn der Verfasser im Resume seines Aufsatzes die gewiß gut gemeinte Aufforderung an die Regierung des Landes und an die jüdische Öffentlichkeit zur Einleitung von Maßnahmen zur Sanierung der jüdischen Bevölkerung richtet, so fragt man, ohne aus dem statistischen Material, als solchen, eine Antwort auf die Frage bekommen zu können, welchen Teilen der jüdischen Bevölkerung diese Sanierung denn nottut, welches die schädlichen Agentien sind, die bekämpft werden sollen. Und obwohl es keinem Kenner der Verhältnisse zweifelhaft erscheint, daß eine Sanierungsaktion sehr dringend notwendig ist, läßt es sich, im Grunde betrachtet, aus der Tabelle gar nicht ersehen. Denn man kann sich sehr wohl eine kleinwüchsige, ja sogar eine kleinwüchsige und engbrüstige Bevölkerungsgruppe denken, die trotz den schlechten P i g n e t und Quetelet gesundheitlich gar nicht übel gestellt ist, sich einer gruppenindividualen Gesundheit erfreut und den maximalen Forderungen genügt, die ihre Lebenslage und ihre Berufslage an ihre körperliche und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit stellen. Mängel ähnlicher Art, die aber zum Teil aus den Tabellen selbst deutlich herausblicken, besitzt auch die Publikation der amtlichen anthropometrischen Messungen an den Schulkindern in Warschau 1930 (s. T. auf S. 93). Bei der Betrachtung der Rubrik der Volksschulkinder wird man zunächst für eine Weile stutzig. Denn 17—20jährige Volksschuljungen bieten einen ungewöhnlichen Anblick. Wir werden sicher nicht fehl gehen, in der Vermutung, daß die Zahl solcher Schüler in den Volksschulen nur äußerst gering sein konnte, so daß die betreffenden Zeilen der Tabelle ruhig gestrichen werden können. Wenden wir uns zunächst den Gewichtszahlen für die Knaben zu, so fällt es auf, daß für die höheren Schulen die jüdischen Durchschnittszahlen in allen Altersklassen wesentlich höher liegen als die der nichtjüdischen, während bei den Volksschulen die Kurven für beide nationalen Gruppen fast zusammenfallen, jedoch mit einer geringen Abweichung zugunsten der polnischen Volksschüler. Bei beiden nationalen Gruppen sind die Werte für die Gymnasiasten bedeutend höher als für die der Volksschüler. Es ist offenkundig, daß der Grund für alle diese Abweichungen darin liegt, daß die Zöglinge der höheren Schulen den wohlhabenden Schichten entstammen. Das entgegengesetzte Verhalten der jüdischen Zahlen gegenüber den polnischen in den höheren Schulen im Vergleich zu den elementaren ist durch die aus keiner der amtlichen Tabellen ersichtliche, aber bekannte Tatsache bedingt, daß in Polen nur die ärmsten Teile der 92

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