Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1931) (Neue Folge
- Issue
- Heft 6 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 89 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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einer Bevölkerung zur Folge. So hat A. Iwanowski* auf Grund umfangreicher sorgfältig durchgeführter Untersuchungen den Nachweis erbracht, daß die Hungersnot in Rußland eine Abnahme der durchschnittlichen Körpergrösse der Großrussen um 47 mm bei den Männern und 35 mm bei den Frauen verursacht hat, und zwar unter den Kopfarbeitern in höherem Masse als unter den Handarbeitern. Diese letzte Tatsache ist umso bemerkenswerter, als in der Regel die Kopfarbeiter höhere Durchschnittswerte der Körperlänge zeigen, wie aus der nachstehenden (gekürzten) Aufstellung von R. Martin** ersichtlich ist: Italien Frankreich Spanien Studierende ........ 166,9 169,7 163,9 Arbeiter ........ 164,4 165,0 159,8 Es ist unzweifelhaft, daß die höheren Werte der ersten Gruppe nicht so sehr durch die geistige Beschäftigung, als durch ihre günstigere wirtschaftliche Lage bedingt sind. Es konnten ferner säkulare Schwankungen von L. B o 1 k*** für die Niederlande festgestellt werden, indem dieser Autor ein Sinken der Körperlänge während der Jahre 1821—1850 und ein hexite andauerndes Anwachsen in den letzten Dezennien nachweisen konnte. Von 1858 bis 1920 stieg der Durchschnittswert der Länge in Zaandam von 157 cm auf 170 cm. Daß es sich dabei nicht um astronomische, kosmische Prozesse, sondern um die Wirkung der veränderten Lebensverhältnisse handelt, brauchte nicht besonders hervorgehoben zu werden, wenn nicht gerade in der letzten Zeit der Versuch gemacht worden wäre, sogar die Sonnenflecke für Erscheinungen dieser Art verantwortlich zu machen (Vgl. L. T s c h i - schewski, Deutschrussische Medizinische Zeitschrift, Berlin, 1928). Fraglich ist es freilich, ob eine Zunahme der Körperlänge eine Besserung der biologischen Tauglichkeit oder der körperlichen Tüchtigkeit bedeutet. Was die letztere betrifft, so haben die Beobachtungen im Gegenteil gelehrt, daß die durch Leibesübungen erzielte körperliche Ertüchtigung der Jugend eher mit einer Abnahme als Zunahme der Körperlänge und des Körpergewichts einhergeht. Schlesinger (Archiv für Kinderheilkunde, Bd. 92, H. 3-4) macht darauf aufmerksam, daß gute Turner in der Regel kleiner sind als nichtturnende Kinder. Ebenso ist das Körpergewicht bei jenen niedriger als bei diesen. Die Umkehrung dieses Befundes, nämlich die Tatsache, daß mangelnde körperliche Arbeit im Verein mit Überernährung zu «glashauspflanzenartigem» Hochwuchs führt, ist bereits viel früher von Pfaundler hervorgehoben worden. Daraus erklärt sich auch die Tatsache, daß in den letzten Dezennien vor dem Kriege die Durchschnittslänge der Bevölkerung in den industriell emporgeschwungenen Ländern mit ihrem erhöhten Volkswohlstand in dauerndem Steigen begriffen war (Vgl. Viktor Lebezelter, Konstitution und Rasse, 1926, Seite 756, in der «Biologie der Person»). Das polyide Merkmal der Körperlänge ist auf diese Weise einer solchen Fülle von Einwirkungen der Umwelt, der sozialen und wirtschaftlichen Lebensgestaltung ausgesetzt, daß die erblichen Anlagefaktoren, die das Wachstum regulieren sollen, einerlei, ob sie im zentralen oder endokrinen System zu suchen sind, zurückgedrängt werden, so daß es gänzlich aus- A. Iwanowski, Die anthropom. Veränder. russ. Völker währ. d. Krieges, Aren. f. Anihropol. Bd. 20,1923; R. Martin, Lehrb. d. Anthropol. 1914; L. Bolk, Lieber die Körperlänge der Niederländer, Ztschr. für Morphologie u. Anthropologie Bd. 18. 89