Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1931) (Neue Folge
- Issue
- Heft 6 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 88 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2650397-2650424-2650429--5847-2651258- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
schicken, ihn die neue Sprache zu lehren, und predigen ihm die möglichst vollständige Assimilation an die Landessitten als bestes Mittel zu seinem Fortkommen. Das ist wirtschaftlich durchaus richtig: aber jeder Schritt vorwärts in dieser Richtung ist auch ein Schritt fort vom Judentum. Zur Kritik der anthropometrischen Befunde bei den Juden Von Dr. E. Olschwanger, Berlin Vergleichende statistische Untersuchungen über die anthropometrischen Merkmale der Juden wurden in den letzten Jahrzehnten, namentlich aber in der Nachkriegszeit in den verschiedensten Ländern vorgenommen. Immer mit dem gleichen Endergebnis, daß die Juden durchschnittlich eine kleinere Körperlänge besitzen als die Nichtjuden. Es gilt als unerschütterliches Dogma, daß die relative Kleinwüchsigkeit der Juden ein nationales, rassisch bedingtes Merkmal darstellt. Und wann immer neue Messungen und vergleichende statistische Berechnungen angestellt werden, geschieht dies nicht etwa, um die als allbekannt geltende Tatsache nachzuprüfen, sondern um rassentheoretischer oder eugenischer Interessen willen. Es ist eine ebenso betrübende wie bedauerliche Tatsache, daß man dabei so gut wie niemals einen praktischen Zweck verfolgt, sondern Studien dieser Art als reine Kunst um der Kunst willen betreibt und gar nicht die Frage nach der inneren Bedeutung der ermittelten Daten aufwirft. Es wird tacito angenommen, daß Bevölkerungen mit höheren anthropometrischen Durchschnittswerten biologisch wertvoller seien. Selbst wenn es wahr wäre, daß den anthropometrischen Indizes die Bedeutung eines rassenhygienischen Kriteriums zukommt, so ist das Verfahren der Durchschnittswerte mit solchen Mängeln behaftet, daß die aus ihnen deduzierten Folgerungen von recht fragwürdiger Beschaffenheit sind. Denn Durchschnittswerte kommen bei Messungen niemals oder fast niemals vor. Gewiß sie sind, wie Johannsen in seiner «Allgemeinen Vererbungslehre» sagt* «Messbare Realitäten», sie stehen im Zentrum der Variationsreihe und es gruppieren sich um sie die mannigfaltigen Varianten, aber als errechnete Phänotypen brauchen sie nicht immer eine biologische Einheit, eine Maßeinheit zu sein. Im Gegenteil «die durch variationsstatistischen Untersuchungen gefundenen Phänotypen sind in der Regel keine biologischen Einheiten» (Johannsen). Wir sehen überhaupt keine Möglichkeit, aus den Maßzahlen der äußeren Körpermerkmale Anhaltspunkte zur sicheren Beurteilung rassischer Eigenschaften zu gewinnen. Es mag dahingestellt bleiben, ob die Masse der inneren Organe, weil sie naturgemäß geringeren Variationen beim Individuum unterliegen, ein zuverlässiges Kriterium bieten, wie man auf Grund der ausgezeichneten Arbeiten von K a u p annehmen müßte (Vgl. I. Kaup, Der Normbegriff, 1926, in der «Biologie der Person>, herausg. v. Brugsch u. Levy, Berlin). Die äußeren Körpermaße entwickeln sich im Laufe eines sehr lange dauernden Prozesses und sind daher notgedrungen großen konditioneilen Einflüssen unterworfen. Speziell an der Körperlänge macht sich die Wirkung mannigfaltigster Agentien in sinnfälliger Weise bemerkbar. Vorübergehende wirtschaftliche Krisen haben merkliche Aenderungen des anthropometrischen Querschnittes 88