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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1931-06-01 · Heft 6 (Juni 1931) · p. Seite 82

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1931) (Neue Folge
Issue
Heft 6 (Juni 1931)
Date
1931-06-01
Page
Seite 82 (sequence 3)
Language
German
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Trusts, Syndikate, Preiskonventionen, Großbanken, Warenhäuser wird das Feld des Einzelunternehmers eingeschränkt. Die Wirtschaft ist «entpersönlicht» worden und braucht nicht mehr so wie früher den wirtschaftlichen Spürsinn und Pioniergeist, der den Juden auszeichnet. Die größte Findigkeit und Rührigkeit hilft dem kleinen Bankier oder Ladenbesitzer nur wenig im Kampfe gegen die Großbank oder das Warenhaus. Der Jude, besonders der mit einigem Kapital ausgestattete, hatte seine beste Zeit in der früh- und hochkapitalistischen Epoche, als das Prinzip der kapitalistischen Wirtschaft, die freie Konkurrenz, sich ungestört auswirken konnte*. In dieser Zeit war jeder Jude sein eigener Feldherr und konnte das ganze Gebiet der Wirtschaft nach günstigen Verdienstmöglichkeiten absuchen. Heute ist in West- und Mitteleuropa das Prinzip der freien Konkurrenz durchbrochen, da Staat und Gemeinden viele Zweige des Wirtschaftslebens für sich monopolisiert haben und andere Zweige durch Zusammenschluß der Betriebe, wenn nicht rechtlich, so faktisch monopolisiert worden sind. In dieser («spätkapitalistischen») Epoche hat der einzelne Kapitalist deshalb ein viel kleineres Feld für seine Tätigkeit und viel geringere Aussicht, den Kampf gegen das in großen Gesellschaften konzentrierte gewaltige Kapital erfolgreich aufzunehmen. Diese Verdrängung der Juden ähnelt ihrer Verdrängung aus dem Handel am Ausgange des Mittelalters. Auch damals unterlagen die Juden den Christen nicht im Wege der freien Konkurrenz, sondern durch neue wirtschaftliche Organisationsformen (Zünfte), welche die freie Konkurrenz zum Schaden der Juden beschränkten. Die Großbetriebe schaden natürlich nicht nur dem jüdischen, sondern auch dem christlichen Handwerker und Ladenbesitzer. Aber der Christ, der seine Selbständigkeit verliert, hat in größerem Maße die Aussicht, als Angestellter oder Arbeiter wieder eine Existenz zu erlangen. Für den Juden bedeutet das Ende der Selbständigkeit vielfach das Ende einer dauernden beruflichen Existenz überhaupt. Seine Fähigkeit zur Aufspürung von Verdienstmöglichkeiten verliert ihren Wert, sobald er nicht mehr als Selbständiger für eigene Rechnung, sondern als Arbeiter oder Angestellter für fremde Rechnung tätig ist. Die Eigenschaften, die von Angestellten gefordert werden, sind Disziplin, Ausdauer, Unterordnung, und in diesen Eigenschaften kann es der Jude meist mit dem Christen nicht aufnehmen. Je größer der Betrieb ist, um so mehr ist die Tätigkeit in ihm mechanisiert, und um so weniger findet der Jude dort ein Feld für seine spezifische Begabung. Die Leiter der Großbetriebe ziehen, sogar wenn keine antisemitischen Tendenzen mitwirken, vielfach christliche Angestellte vor, weil sie zwar weniger Initiative haben, aber sich der Disziplin des Großbetriebes williger fügen. Außerdem haben in den Großbetrieben die — meist gut organisierten — Angestellten dem Unternehmer gegenüber eine gewichtigere Stimme als in Kleinbetrieben, und sie stehen dem Eintritt jüdischer Angestellter oft unfreundlich gegenüber und hindern ihren Aufstieg in höhere Stellungen. So kommt es, daß in vielen Berufszweigen die Juden in dem Maße verdrängt («ausgestoßen») werden, als die Kleinbetriebe durch Großbetriebe ersetzt werden. Am deutlichsten zeigt sich das in der Großindustrie, aber auch im Handel und in den großen Aktienbanken ist derselbe Prozeß bemerkbar. Er findet sich in noch höherem Grade überall da, wo die Betriebe nicht privatkapitalistische, sondern staatliche oder kommunale Unternehmungen sind, "weil hier die Mechanisierung und Bürokratisierung noch weiter foftge- Vgl. Werner Sombart: Die Zukunft der Juden, S.'75, Leipzig 1912. $2

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