Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1931) (Neue Folge
- Issue
- Heft 6 (Juni 1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 81 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2650397-2650424-2650429--5840-2651251- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ZEITSCHRIFT für DEMOGRAPHIE und STATISTIK der JUDEN ScLriftleitung Dr. Jacob Segall I. Koralnik ^;Jak?^ 1931 Jte 6 (Neue Folge)__;_____ Nachdruck der Abhandlungen ist nur mit besonderer Genehmigung, des übrigen Inhalts nur mit vollständiger Quellenangabe gestaltet Die wirtschaftlichen Kampfe der Joden Von Dr. Arthur Ruppin, Jerusalem. Die wirtschaftliche Lage der Juden in West- und Mitteleuropa sowie in Amerika und den anderen überseeischen Ländern hat sich seit 1800 außerordentlich verbessert und übertrifft bei weitem die Lage der Gesamtbevölkerung. Aber manche Zeichen deuten darauf hin, daß dieser rapide Aufstieg der Juden sich seinem Höhepunkt nähert oder ihn sogar schon überschritten hat, und daß es die Juden Mühe kosten wird, die errungene Stellung zu behaupten. Drei Faktoren waren es, welche den Juden im 19. Jahrhundert einen wirtschaftlichen Vorsprung vor den Christen verschafften: 1. Ihr Vermögen war im Durchschnitt vielleicht geringer als das der Christen, aber es war in höherem Maße in beweglichen Werten (in Geld, Juwelen, Waren) angelegt und konnte sich schnell auf diejenigen neuen Erwerbszweige werfen, die infolge technischer Neuerungen hohe Gewinne versprachen; 2. Die Juden hatten als Stadtbewohner leichteren Zugang zu besserer Schulbildung und konnten sich dadurch der höher bezahlten Kopfarbeit zuwenden, während die Christen in der großen Mehrheit Handarbeiter blieben; 3. Die Juden hatten durch Berufsauslese während vieler Jahrhunderte einen großen Prozentsatz von Individuen unter sich, welche die für den Handel nützlichen Fähigkeiten besaßen und die durch Eisenbahn und Dampfschiff neu geschaffenen großen Handelsmöglichkeiten auszunutzen wußten. All diese Vorzüge schwinden in der Gegenwart. Das unbewegliche Vermögen ist durch die Entwicklung des Hypothekenwesens «mobilisiert» worden, und große bewegliche Kapitalien befinden sich heute in christlichen Händen. Höhere Schulbildung ist durch die Ausbreitung des Schulwesens und durch die Abwanderung vom Dorf in die Stadt auch den Nichtjuden leichter erreichbar. Die Berufsauslese hat in den letzten hundert Jahren auch unter den Christen viele für den Handel begabte Individuen diesem zugeführt. Die Juden stehen also einer immer mehr anschwellenden ebenbürtigen christlichen Konkurrenz gegenüber. Zu dieser besseren Ausrüstung der Christen im wirtschaftlichen Kampfe kommt hinzu, daß sich manche Entwicklungstendenzen im gegenwärtigen Wirtschaftsleben gegen die Juden kehren. Durch die Konzentration der wirtschaftlichen Unternehmungen, d. h. durch Vergrößerung der Betriebe, durch 81