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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1931-04-01 · Heft 4-5 (April 1931) · p. Seite 73

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1931) (Neue Folge
Issue
Heft 4-5 (April 1931)
Date
1931-04-01
Page
Seite 73 (sequence 22)
Language
German
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den Nuiionalitätsgruppen die gleichen Quotienten aufweist, während beim zweiten Geschlecht sehr beträchtliche Differenzen zwischen Juden und Nichtjuden auftreten. So z.B. ist der Quotient für Zungenkrebs in Budapest bei den jüdischen Frauen der gleiche wie bei den nicht jüdischen (0,3 auf je 10000), während er bei den jüdischen Männern mit 3,2 auf je 10000 bedeutend kleiner ist als bei den nicht jüdischen Männern, wo er 5,5 beträgt. Männer Frauen jüdische nichijüdische jüdische liichtjüdische Magen ........ 11,8 13,1 10,5 6,3 Leber ........ 3,0 2,5 6,8 4,0 Gebärmutter...... — — 1,7 7,1 Brust......... — — 1,6 1,9 Sonstige........ 14,4 11,0 13,6 6,1 Zusammen..... 29,2 26,6 34,2 25,4 Ebenso liegen die Verhältnisse beim Leberkrebs: je 4,7 bei jüdischen, sowohl wie bei nicht jüdischen Frauen, aber 3,4 bei nicht jüdischen Männern gegen nur 1,7 bei jüdischen Männern. Ein anderes Bild zeigt aber Warschau in bezug auf den Leberkrebs: es beträgt hier der Quotient der Sterblichkeit 3,0 bei jüdischen und 2,5 bei christlichen Männern, dagegen 6,8 bei jüdischen und nur 4,0 bei christlichen Frauen. Wenn diese Zahlen richtig sind (und die Budapester und Warschauer Krebsstatistiken gehören ja zu den besten), so muß daraus gefolgert werden, daß die Ursachen der bei der jüdischen Krebssterblichkeit zu Tage tretenden Besonderheiten nicht in den Kasseneigenschaften, sondern auf ganz anderem Gebiete zu suchen sind. Zu den besonders beliebten und verbreiteten Theorien betreffend die jüdische Pathologie gehört die These von der Rassenbesonderheit der jüdischen Frau in bezug auf den Krebs der Gebärmutter. Bei dieser Krebsform ist die Diskrepanz zwischen den jüdischen und nicht jüdischen Quotienten allenthalben und alleweil am stärksten ausgeprägt, mitunter mehrere Hundert Prozent erreichend. Auch aus dem vorstehend behandelten Materialien ergibt sich, daß während in Budapest von den nicht jüdischen Frauen im Alter von 40 Jahren 15,8 auf je 10 000 der Bevölkerung, bei den jüdischen Frauen derselben Stadt 5,5 auf je 10 000 gestorben sind; in Warschau steht dem Quotienten 7,1 für nichtjüdische Frauen der Quotient von nur 1,7 für jüdische Trauen entgegen. So interessant und bemerkenswert diese eigenartige Tatsache ist, müssen wir uns versagen, bei dem gegenwärtigen Zustand unserer Krebsstatistikirgendwelche Erklärungen mit Bestimmtheit und Sicherheit aufzustellen. " Viel berechtigter als die rassentheoretischen Mutmaßungen scheint uns indes der Versuch, die in Frage stehende Erscheinung auf soziale und berufliche Unterschiede zwischen der jüdischen und nicht jüdischen Frau zurückzuführen. Aus der Berliner Statistik 1915/17 ersehen wir, daß das Hauptkontingent der Krebssterblichkeit bei den Juden von den reicheren, wohlhabenden Klassen zugestellt wird, während bei der nichtjüdischen Bevölkerung die Todesfälle an Krebs vorwiegend aus der Arbeiterbevölkerung stammen. Bei der Gliederung der Todesfälle an Krebs nach Maßgabe der Zahl der Zimmer in den Wohnungen der Gestorbenen zeigt sich (für die erwähnten Jahre 1915/17), daß in Wohnungen mit weniger als 4 Zimmern bei den Juden nur 15,4 %, bei den Nichtjuden aber fast 68 % der an Krebs Gestorbenen wohnten. Es ist aber eine bekannte Tatsache, daß die Zahl der Fehlgeburten und Abtreibungen, namentlich aber die Häufigkeit der Schwangerschaften, bei den Arbeiterfrauen 73

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