Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1931-03-01 · Heft 3 (März 1931) · p. Seite 41

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1931) (Neue Folge
Issue
Heft 3 (März 1931)
Date
1931-03-01
Page
Seite 41 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2650397-2650424-2650427--5794-2651203
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Bauernschaft der rückständigsten Agrarländer in den Schatten gestellt. Sie soll betragen haben in Böhmen: 27,97 im Jahre 1925, 33,10 im Jahre 1926 und 27,46 im Jahre 1927; in Mähren zeigt sich ein sinnesverwirrender Sturz von 21,07 auf 14,39 während der selben drei Jahre. Auf der anderen Seite kann sich die Slowakei beneidenswerter Verhältnisse rühmen: 9,09, 8,90 und 9,01. Schlechter als hier, aber immer noch viel günstiger als dort sind die unverständlicherweise dauernd ansteigenden Quoten in der Karpathorus: 10,11, 12,34 und 15,21 * Daß diese Zahlen die wirklichen Verhältnisse nicht richtig wiederspiegeln, liegt auf der Hand. Am brauchbarsten sind noch die Zahlen für das Karpathenland, da hier die jüdische Religionsgruppe sich zu 90 % mit der jüdischen Nationalitätengruppe deckt (1921), so daß der amtlich gewählte Bezugskörper einigermaßen zuverlässig ist. Die vorliegenden Daten berechtigen zur Annahme, daß hier der durchschnittliche Zuwachs während der Jahre 1921-30 etwa 16-17 pro Mille betrug. Andererseits wird nicht in Zweifel gezogen werden können, daß die schon vor dem Kriege eingetretene Mehrsterblichkeit der böhmischen und mährischen Juden in den Nachkriegsjahren noch weitere Fortschritte gemacht hat. Im Landesdurchschnitt wird der jährliche Zuwachs der jüdischen Bevölkerung kaum mehr als 10 pro Mille betragen haben, und aus diesem Schlüssel läßt sich eine absolute Zunahme in der Höhe von 35 000 Seelen herleiten. Nun läßt sich aus der Einwanderungsstatistik der USA und aus der Statistik der von den tschechoslowakischen Behörden ausgefertigten Auswandererpässe u. a. schließen, daß die jüdische Gesamtauswanderung aus diesem Lande im Laufe der Jahre 1921—30 annähernd 10 000 Köpfe ausgemacht hat. Daraus ergibt sich ein Bestand von rund 380 000 Juden in der Tschechoslowakei zu Beginn des Jahres 1951. Einige Bemerkungen prinzipieller Natur seien an die Schätzungen der jüdischen Bevölkerung in Deutschland geknüpft. Die von der letzten Volkszählung 1925 ermittelte Ziffer von 564000 Juden für ganz Deutschland, namentlich aber die Zahl von 172 000 Juden für Berlin ist verschiedentlich angezweifelt worden. Hie und da las man bald von einer 250 000 köpfigen, bald von einer auf 225 000 und 200 000 Seelen herabgesetzten jüdischen Bevölkerung Berlins. Bei diesen Schätzungen wurde mit dem Argument operiert, daß ein beträchtlicher Teil der jüdischen Einwohnerschaft von dem ihm verfassungsmäßig zustehenden Recht, das Religionsbekenntnis nicht anzugeben, Gebrauch gemacht habe. Man bekräftigte die Deduktionen durch Berufung auf die Tatsache, daß die Zahl der jüdischen Gemeindesteuerzahler allein schon nicht weniger als 150 000 beträgt. Das letzte Argument beweist aber das Gegenteil von dem, was beabsichtigt war. Denn bei der bekannten gegenwärtigen Altersstruktur des Berliner Judentums findet sich die erwähnte Zensitenzahl in Übereinstimmung mit der ausgezählten Stärke der Berliner jüdischen Gesamtbevölkerung, was bereits von dem Jiddischen Wissenschaftlichen Institut in Berlin seinerzeit hervorgehoben worden ist.** Daß alle erwähnten Schätzungen übertrieben sind, erhellt schon aus der Überlegung, daß, wenn sie richtig wären, wir genötigt sein müßten, die Annahme zu machen, daß die jüdische Gesamtbevölkerung Deutschlands sich auf rund 750 000 belaufe, da es ja kein Grund vorliegt zu glauben, Statistisches Handbuch der Tschechoslowakischen Republik HI. Prag 1928. " Bulletin der Jüdischen Telegraphen-Agentur vom 25. Juni 1927, Berlin. 41

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.