Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1931) (Neue Folge
- Issue
- Heft 3 (März 1931)
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 42 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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daß die Berliner Juden in höherem Maße ihre Religionszugehörigkeit verschweigen als im übrigen Deutschland. Soweit wir bei unseren Schätzungen darauf ausgehen, die Höchstgrenze der jüdischen Bevölkerung festzustellen, müssen wir dem Umstand Rechnung tragen, daß ein Teil der deutsch-jüdischen Bevölkerung immerhin in die Gruppen «Konfessionslos» und «Unbekannt» entschlüpft. Bei der Korrektur der amtlichen Zahlen ist eine differenzierte Behandlung der Bestandteile der jüdischen Einwohnerschaft Deutschlands je nach ihrer Provinienz angezeigt. Es darf mit großer Sicherheit angenommen werden, daß die Fehlerquelle der amtlichen Ergebnisse so gut wie ausschließlich bei den Reichsinländern (464000) liegt. Will man in keine Übertreibungen verfallen, so wird man der amtlichen Zahl nicht mehr als 50—40 000 Juden hinzuschlagen. Man gewinnt auf diese Weise 500 000 reichsinländische und rund 600000 Juden überhaupt. Mit dieser Zahl stimmt die Errechnung der wahrscheinlichen Anzahl der Juden in Deutschland auf der Grundlage der Volkszählung 1910, als der Ausfall durch unbestimmte Konfessionsangabe noch gering sein durfte. Die von Dr. Jacob S e g a 11 auf dieser Basis 1925 vorgenommene Schätzung ergab die Zahl von rund 615 000*. Zieht man von der vorstehend vermuteten Zahl von 600 000 die Einbuße durch Mehrsterblichkeit, Austritte und Abwanderung für die Zeit Mitte 1925—1950 ab, so verbleiben zum Jahre 1951 rund 585 000, einschließlich der Dissidenten und derjenigen, die ihre Konfession nicht angegeben haben. Von der Ansicht ausgehend, das die Konfessionslosen kein stabiles Gebilde darstellen und daß die unter ihnen, die dem jüdischen Milieu abstammen, doch noch der Bevölkerung jüdischen Glaubens zugerechnet werden dürfen, haben wir auch für Österreich die Austritte aus dem Judentum nicht aus der jüdischen Bevölkerung gestrichen, umsomehr daß hier gegenwärtig von diesen Austritten nicht die anderen Konfessionsgruppen, wie es in der Vorkriegszeit der Fall war, profitieren, sondern die Gruppe der Konfessionslosen. Es hat sich ferner gezeigt, daß für Österreich auch die Schätzung für 1925 (rund 250000) revisionsbedürftig ist. Unter Zuhilfenahme der Daten für die natürliche Bewegung gelangt man zur Zahl von rund 220 000, die im Laufe der letzten 7—8 Jahre keinen wesentlichen Veränderungen unterworfen war. Auf eine eingehende Begründung unserer Schätzungen für die übrigen Länder können wir uns hier nicht einlassen. Nur in bezug auf Frankreich, Belgien und Italien seien noch die starken Übertreibungen in den bisherigen Schätzungen hervorgehoben. Will man die subjektiven Eindrücke nicht übermäßig einschätzen und bei den Berechnungen aus der Auswanderung der jüdischen Bevölkerung aus den in Frage kommenden europäischen Ländern und dem Orient nach den erwähnten Ländern ausgehen, und erwägt man noch die Tatsache, daß die einheimische jüdische Einwohnerschaft dieser Länder eine recht ungünstige Bilanz der natürlichen Bewegung aufweist, so wird man -die jüdische Bevölkerung Frankreichs um das Ende 1950 auf rund 160 000, Belgiens und Italiens auf je 45000 schätzen dürfen. Das Endergebnis unserer Berechnungen ist in der nachstehenden Tabelle niedergelegt. Es ergeben sich danach insgesamt 9 785 000 Juden in Europa zum Beginn des Jahres 1951. Dr. Jacob Segall: Die Juden in Deutschland, — Blätter für Demographie, Statistik und Wirtsdiaftskunde der Juden, Nr. 1, Berlin 1923. 42