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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1931-03-01 · Heft 3 (März 1931) · p. Seite 40

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1931) (Neue Folge
Issue
Heft 3 (März 1931)
Date
1931-03-01
Page
Seite 40 (sequence 9)
Language
German
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brauch machen. Die ungarische Zahl (476 738) bedarf indes einer Berichtigung, insofern als dabei die Auswanderung und die Austritte aus dem Judentum nicht in Rechnung gezogen sind. Die Verluste durch Religionswechsel fallen aber gerade bei dem ungarischen Judentum stark ins Gewicht. Haben auch die Taufen in der letzten Zeit im Vergleich mit den Jahren 1919/20, in welchen der Uberschuß der Austritte über die Wiedereintritte 8766 betrug, nachgelassen, so haben sie trotzdem immer noch erhebliche Ausmaße behalten, indem während der Jahre 1921—28 1 725 Personen mehr ausgetreten als zurück zum Judentum übergegangen sind. Führt man die Bilanz des Religionswechsels und der Auswanderung 1921 bis 1930 nachträglich in die Berechnungen ein und zieht man die natürliche Abnahme für die zwei Jahre 1929—30 in Erwägung, so wird man nicht fehlgehen, wenn man für das Ende 1930 die gleiche Bevölkerung, wie bei der Zählung 1920, also rund 473 000 annehmen wird. Die Berechnung der jüdischen Bevölkerung in der Tschechoslowakei läßt sich deshalb nicht ohne weiteres durchführen, weil die amtliche Statistik der Bevölkerungsbewegung in diesem Lande nur nach Nationalität, aber nicht nach dem Bekenntnis gebaut wird. Nun sind in der Tschechoslowakei die Indices der Bevölkerungsbewegung für die einzelnen Nationalitäten, namentlich in bezug auf die Juden, in keiner Weise kongruent mit den Indices für die Konfessionsgruppen. Die registrierten Angehörigen der jüdischen Nationalität, die nur etwa die Hälfte der tschechoslowakischen Bevölkerung mosaischen Glaubens ausmachen, unterscheiden sich in sozialer und kultureller Hinsicht sehr wesentlich von der zweiten Hälfte dieser Konfessionsgruppe. Die Juden, die sich zur jüdischen Nationalität bekennen, sind mit ihrer Hauptmasse im Karpathenland und in der Slowakei konzentriert, treiben Handwerk, Landwirschaft und Kleinhandel, während diejenigen Elemente, die sich der deutschen, tschechischen und anderen Nationalitäten zurechnen, vornehmlich in Böhmen und Mähren wohnen und den freien Berufen und der Groß- und Mittelbourgeosie angehören. Die Berechnungen erschweren sich noch deshalb, weil das Verhältnis zwischen den Bekennern des mosaischen Glaubens in der Gruppe der jüdischen Nationalität und in den anderen Nationalitätsgruppen dauernd Wandlungen unterliegt und sich in den letzten Jahren geradezu verschoben hat. Die Unbrauchbarkeit einer solchen Statistik hat am trefflichsten, wenn auch unbeabsichtigt das Tschechoslowakische Statistische Hauptamt selbst durch seine Berechnungen verraten. In diesen Berechnungen wurde die Bevölkerung jüdischer Nationalität nach dem Stande zur Zeit der Volkszählung 1921 als Bezugskörper gewählt, und es haben sich dabei recht erbauliche Befunde ergeben. Danach betrug die Natalität bei der jüdischen Nationalitätsgruppe in Böhmen 19,96 im Jahre 1925, 18,47 im Jahre 1926 und 17,39 im Jahre 1927. Dementsprechend würde man auf Grund der Verhältnisse in den Vorkriegsjahren ähnliche Quoten auch für die sozialwirtschaftlich gleichgeartete jüdische nationale Gemeinschaft Mährens erwarten. In Wirklichkeit aber haben sich dort für die gleichen Jahre die Quoten 13,04, 11,38 und 10,12 ergeben. Für das agrarische Karpathenland lautet die Reihe 30,83, 54,15 und 30,09, während die sozialwirtschaftlich gleichgeartete Slowakei uns mit niedrigeren Quoten als selbst Böhmen verblüfft: 17,25, 15,48 und 14,56. Ebensolche Überraschungen erwarten uns in den Sterblichkeitstafeln. Das gut bürgerliche böhmische Judentum hat mit seinen hohen Sterblichkeitsziffern sogar die 40

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