Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1931-03-01 · Heft 3 (März 1931) · p. Seite 39

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1931) (Neue Folge
Issue
Heft 3 (März 1931)
Date
1931-03-01
Page
Seite 39 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2650397-2650424-2650427--5792-2651201
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Im Hinblick auf diese Überlegung werden wir uns nicht allzu weit von der Wirklichkeit entfernen, wenn wir annehmen, daß die jüdische Bevölkerung Gesamtrumäniens 1920/21 sich gegenüber der Vorkriegszeit nicht verändert hat. Allenfalls könnte dabei ein Fehler eher nach oben als nach unten unterlaufen. Es liegt kein Grund vor anzunehmen, daß die durchschnittsjährliche Zuwachsrate des gesamtrumänischen Judentums während des Dezenniums 1921-30 beträchtlich von der sowjetrussischen und polnischen abweichen soll. Im ganzen Lande gibt es eigentlich nur zwei Städte europäischer Art: Bukarest und Czernowitz. Den Ausschlag gibt die jüdische Bevölkerung der Kleinstädte und in beträchtlichem Maße des flachen Landes. Unter Zugrundelegung der wahrscheinlichen Zuwachsrate von 15 pro Mille beträgt die absolute Zunahme rund 11000 Köpfe durchschnittlich jährlich, was eine Abweichung um etwa 25 % gegenüber der amtlichen Ziffer ergibt. Für die Berechnung der jüdischen Auswanderung während der in Frage stehenden zehn Jahre läßt sich die amtliche rumänische Statistik ebenfalls nicht ohne Vorbehalte verwenden, die übrigens für einen Teil dieses Zeitraumes vorliegen. Die amtlichen Berichte sprechen von insgesamt 8 273 Auswanderern, darunter 2869 jüdischen im Jahre 1927, ferner von 11973 resp. 3 288 im Jahre 1928 und schließlich von 15 422 resp. 4544 im Jahre 1929. In dieser Statistik ist aber die ziemlich beträchtliche Anzahl der im Besitz von Nansenpässen und anderen Ersatzausweisen befindlichen Personen unbeachtet geblieben. Eine sicherere Handhabe als diese amtlichen Zahlen gibt uns die Statistik der Länder, nach welchen sich die jüdische Auswanderung aus Rumänien hauptsächlich begab. Die Einwanderungsstatistik der USA verzeichnet für die Periode 1921—27 39942 jüdische Ankömmlinge aus Rumänien. Unter den während der Jahre 1921 bis 1929 nach Palästina eingewanderten rund 94000 Juden beträgt die Zahl der aus Rumänien Hergekommenen etwa 4000—4500; Von den 39700 jüdischen Immigranten in Kanada für 1921—29 werden etwa 3 000 aus Rumänien gewesen sein. Veranschlagen wir die Gesamtheit der jüdischen Auswanderer aus Rumänien nach allen übrigen Ländern (Süd- und Zentralamerika, Westeuropa usw.) auf mindestens 4000 und fügen noch die während des Jahres 1930 nach allen Ländern ausgewanderten rumänischen Juden, so erhalten wir als Höchstziffer 60000 Juden, die in den letzten 10 Jahren Rumänien verlassen haben. Ziehen wir diese Zahl den vorher ermittelten natürlichen Zuwachs von 110000 ab und addieren wir zu den rund 750000 des jüdischen Bevölkerungsbetrages Ende 1920 hinzu, so kommen wir um die Wende des Jahres 1930 auf die Höchstzahl von ca. 800000 Juden in Rumänien. Man sieht, daß wenn man noch so großzügig mit den Zahlen umgeht, man immer noch weit hinter der landläufigen Schätzung von einer Million oder gar 1130 000 (Jüdisches Lexikon, Berlin) Juden bleibt. Verlassen wir das Gebiet Rumäniens, so stellen sich in den restlichen osteuropäischen Ländern keine erheblichen Schwierigkeiten bei der Ermittlung der jüdischen Einwohnerstärke im Wege. Für das judenreichste dieser Länder, für Litauen können wir uns unbedenklich auf die amtliche Statistik zum 1. Januar 1929 verlassen. Für Lettland verfügen über die Ergebnisse der Volkszählung im Januar 1930. Von den mitteleuropäischen Ländern können wir für Ungarn von den Mitteilungen des Ungarischen Statistischen Amtes für das Ende 1928 und für die Tschechoslowakei von den Ergebnissen der Volkszählung 1921 Ge- 39

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.