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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1931-03-01 · Heft 3 (März 1931) · p. Seite 35

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1931) (Neue Folge
Issue
Heft 3 (März 1931)
Date
1931-03-01
Page
Seite 35 (sequence 4)
Language
German
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Ebenso stehen die bisherigen Schätzungen der jüdischen Bevölkerung in Polen beträchtlich hinter der wirklichen Ziffer zurück. In der amtlichen polnischen Statistik ist zwar die Ausgangsziffer für die Schätzungen zutreffend (2845 564 Einwohner mosaischen Glaubens zum 30. September 1921), aber den Berechnungen des natürlichen Zuwachses für den Zeitraum bis zum 1. Januar 1951 haften wesentliche Mängel an. Denn die offiziellen Angaben geben eine recht unzutreffende Darstellung der Häufigkeit der Geburten und Todesfälle bei der jüdischen Bevölkerung des Landes. Nehmen wir für das Jahr 1950, für das amtliche Daten noch ausstehen, einen gleichen Zuwachs wie 1929 an und addieren wir noch den Zuwachs aus dem letzten Vierteljahr 1921, das von der Zählung dieses Jahres nicht erfaßt wurde, hinzu, so ergibt sich, daß das polnische Judentum während der 9V* Jahre einen Zuwachs von nicht über rund 290 000 Seelen erfahren hat. Diese auf amtliche Angaben fussende Ziffer ist indes sehr viel niedriger als die effektive Zahl, da die Registrierung der natürlichen Bewegung noch heutzutage sehr viel zu wünschen übrig läßt. Was die die zentralen und östlichen Wojewodschaften (Kongreß-Polen und die Kressen) betreffenden Daten anbelangt, so wird in einer offiziellen Erklärung des Statistischen Hauptamtes zugestanden, daß «die Fehler dieser Ermittlungen so bedeutend wären, daß man ihnen sogar die Bedeutung eines Orientierungsmaterials absprechen möchte»*. Irgendwelche Vorschläge zur Berichtigung der Mängel werden in den amtlichen Veröffentlichungen nicht vorgetragen. Eine Möglichkeit zur Richtigstellung der amtlichen Angaben eröffnet sich jedoch durch die Analyse der Verhältnisse in Warschau und Lodz. Für Lodz verfügen wir glücklicherweise über Kontroiangaben: es sind dies die Berichte des Rabbinats** und des Standesamtes. Diesen entnehmen wir, daß, während vom Rabbinat im Jahre 1928 3 746 jüdische Geburten registriert werden konnten, beim Standesamt nur 2148 jüdische Geburten, also um 43% weniger, angemeldet wurden. Nun wissen wir aber aus der Warschauer Statistik, daß von den beim Standesamt zur Eintragung gelangenden jüdischen Geburtsanmeldungen sich nur etwa 75% auf die im betreffenden Jahre stattgefundehen jüdischen Geburten beziehen, während der Rest verspätete Anmeldungen betrifft. Nehmen wir an, daß in Lodz die Verhältnisse ähnlich liegen, so werden wir von den im Jahre 1928 beim Zivilamt angemeldeten 2148 jüdischen Geburten nur etwa 1611 der Natalität des Jahres 1928 zuschreiben dürfen, so daß nur 43% der effektiven, im Rabbinat eingetragenen Zahl der jüdischen Geburten dieses Jahres beim Standesamt angemeldet wurden. In den Provinzstädten liegen die Verhältnisse noch ungünstiger. Im Gegensatz dazu sind die standesamtlichen Eintragungen in den ehemaligen österreichischen und preußischen Provinzen bei weitem erschöpfender. Wir glauben der Wirklichkeit nahe zu kommen, wenn wir im Hinblick auf die geschilderten Verhältnisse einen Korrektionsfaktor von 0,5 für ganz Polen annehmen. Dann erhöht sich die im Zeitraum 1922—1930 amtlich registrierte Zahl von 600 000 jüdischen Geburten durchschnittlich jährlich auf rund 90 000. Die jüdische Mortalität erscheint ebenfalls in den amtlichen Veröffentlichungen niedriger als in der Wirklichkeit, jedoch in viel geringerem Maße als es bei der Natalität der Fall war, da die polizeilichen Bestimmungen * s. Mariagcs, naissances et deces dans les departemenis du centre el de l'Est Chiffrea sommaires pour les unnecs 1919—26. Varsovie 1929. *• Gmina Zydowska miasta Lodzi w r. 1928. — Lodz 1929. 35

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