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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1931-03-01 · Heft 3 (März 1931) · p. Seite 34

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
6 (1931) (Neue Folge
Issue
Heft 3 (März 1931)
Date
1931-03-01
Page
Seite 34 (sequence 3)
Language
German
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jüdischen Nationalität abgesehen, wie das in manchen ost- und mitteleuropäischen Ländern vorkommen mag, die übrigens das selbe Prinzip der Nationalitätsbestimmung wie Sowjet-Rußland anwenden. Wohl aber hat sich der assimilierte Teil der jüdischen Bevölkerung das neue Eintragungsprinzip ausgiebig zunutze gemacht, um sich auch formal von der jüdischen Gemeinschaft zu trennen. Auch andere Elemente der jüdischen Bevölkerung werden ihre Gründe gehabt haben, ihre nationale Abstammung zu verbergen. Und gerade um das Jahr 1926 griff die Assimilationstendenz bei den Juden weit um sich. Übrigens erscheint es zweifelhaft, ob bei der Beibehaltung des sprachlichen Prinzips der Nationalitätsbestimmung die Verzerrung des wirklichen Bildes geringer und womöglich nicht gar schlimmer gewesen wäre. Um ein beliebiges Beispiel herauszugreifen, betrachten wir die Gliederung der jüdischen Bevölkerung in Kiew 1917 und 1926. Von je 100 jüdischen Einwohnern der Stadt gaben als Muttersprache an: bei der ersten Zählung: Jüdisch 70,6, Russisch 25,7, andere Sprachen 5,7; bei der sowjetischen Zählung 1926 waren es nur noch 58,6 mit Jüdisch, 0,6 mit Ukrainisch, dafür aber bereits 39,9 mit Russisch als Muttersprache. Dabei ist zu beachten, daß die Zunahme der jüdischen Einwohnerschaft von Kiew seit 1917 um 53 010 Köpfe nicht etwa aus Zugewanderten aus Großrußland, sondern im Gegenteil aus den kleinen und mittelgroßen Städten der Ukraine zustande gekommen ist, wo die Muttersprache der jüdischen Bevölkerung in Wirklichkeit einzig und allein Jüdisch war. Diese und ähnliche Erwägungen, wie auch die Überlegung, daß schon im Jahre 1897 die Einwohnerschaft jüdischer Nationalität (Muttersprache) in der Statistik um einige wenige Prozente kleiner war als die Einwohnerschaft jüdischen Glaubens, haben uns schon einmal an anderer Stelle* veranlaßt, die Behauptung aufzustellen, daß die Anzahl der sowjetrussischen Bürger, die mit gutem Grund in die Rubrik «Einwohner jüdischen Glaubens» aufgenommen werden könnten, im Jahre 1926 2 850 000, d. h. um etwa 7% mehr als die amtliche Date, in der ganzen Sowjet- Union ausgemacht haben mochte. Wir sind aber geneigt, der Mutmaßung des bekannten sowjetrussischen Wirtschaftspolitikers J. L a r i n beizupflichten, der in seiner Schrift über «Die Juden und den Antisemitismus in der U. d. S. S. R.» den Anteil der Juden, die sich anderen Nationalitäten zugezählt haben, auf 10 % des jüdischen Gesamtbestandes bemißt. Auf diese Weise gelangen wir zur Zahl von rund 2 800 000 Juden als der höchsten Schätzungsgrenze für den europäischen Teil der Union. Auch in bezug auf die natürliche Bewegung der jüdischen Bevölkerung der Sowjet-Union seit 1926 sind die amtlichen Angaben sicherlich nicht einwandfrei. Beruht schon die Zuordnung zur jüdischen Nationalität bei der Zählung nicht auf sicherer Grundlage, in dem sie von der jeweiligen Stimmung des Gezählten abhängt, so ist die Eintragung der neugeborenen jüdischen Kinder um so weniger zuverläsig, als bei ihnen vielfach eine fremde, namentlich die herrschende Nationalität angegeben wird. Schlagen wir den natürlichen Zuwachs der jüdischen Bevölkerung des europäischen Rußlands auf durchschnittlich 15 pro Mille jährlich an (nach Maßgabe der amtlichen Daten für 1926-27), so läßt sich berechnen, daß dieser Bevöikerungsteil Ende 1930 von 2800 000 auf 2 970000 angewachsen sein mußte, d. h. um 270 000 Köpfe mehr als in der amtlichen Statistik geschätzt wird. I. Koralnik: Demographische Wandlungen im osteuropäischen Judentum, — Schriflen für Wirtschaft und Statistik, 5d. L, Berlin 1928. 34

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