Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1931) (Neue Folge
- Issue
- Heft 3 (März 1931)
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 36 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2650397-2650424-2650427--5789-2651198- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
die rechtzeitige und wahrheitsgemäße Anmeldung der Todesfälle gewährleisten. Um die Abweichung von den effektiven Zahlen festzustellen, wollen wir auch hier die Verhältnisse in AVarschau und Lodz überblicken. Es ergibt sich hierbei, daß in Lodz 1928 die rechtzeitige Anmeldung von rund 8% der jüdischen Todesfälle unterblieben ist. In Warschau ist die Divergenz bedeutend stärker. Wenn uns auch keine Angaben des Rabbinats zu Gebote stehen, so können wir dennoch der Frage auf den Grund kommen, wenn wir die amtlichen Zahlen den Angaben der jüdischen Friedhofsbehörde über die Zahl der Beerdigungen in den entsprechenden Jahren gegenüberstellen. Wir erhalten dann für 1923-27: nach den Angaben der Friedhöfe 21722, nach den zivilamtlichen aber nur 17 212 jüdische Todesfälle. Der Unterschied zwischen den Angaben der Friedhofsbehörden und des Standesamtes macht auf diese Weise genau 20% aus. Die Ursache dieser starken Diskrepanz zwischen Warschau und Lodz ist nicht ohne weiteres ersichtlich, zumal wir keine detaillierten Angaben besitzen. Vielleicht rührt die Diskrepanz daher, daß in Warschau auch die Todgeburten mit unter die Todesfälle aufgenommen sind, während in der Lodzer Rabbinatsstatistik möglicherweise nur die Sterbefälle gezählt werden. Auch mag da vielleicht der Unterschied im Anteil der Ortsfremden unter den Gestorbenen eine Rolle spielen. Fassen wir die für beide Städte ermittelten Sätze zusammen, so dürfen wir annehmen, daß die amtlichen Zahlen der jüdischen Todesfälle eine Erhöhung um 10—12% erfordern, so daß die effektive Zahl der Todesfälle auf durchschnittlich rund 35 000 jährlich eingeschätzt werden darf. Nach der vorgenommenen Korrektur erhalten wir einen durchschnittsjährlichen Zuwachs von rund 55 000 Juden und für den gesamten in Frage stehenden Zeitraum von 91/* Jahren eine Zunahme von rund 509 000 Seelen. Darüber hinaus hat die jüdische Bevölkerung Polens noch einen Zustrom von rund 25 000 Repatrianten empfangen, die während des Krieges geflüchtet oder exmittiert worden waren. Während derselben Periode 1921-30 hat das polnische Judentum, wie aus den amtlichen Daten ersichtlich ist, rund 255 000 Seelen nach dem Auslande verloren. Zu Beginn des Jahres 1931 dürfte sich die jüdische Gesamtbevölkerung Polens auf rund 3 125 000 belaufen haben (2 845 000 aus der Zählung 1921 zuzüglich des Uberschußes des natürlichen Zuwachses über die Auswanderung im Betrage von 280 000 Köpfen), d. h. um mindestens 125 000 mehr als gemeinhin geschätzt zu werden pflegte. Am umsichertesten bewegen wir uns in Rumänien. Hat schon die sowjetrussische Statistik mancherlei Lücken in den Ausgangsdaten und die polnische in den statistischen Nachträgen, so ist die rumänische Statistik sowohl in dem einen als auch in dem anderen Punkte unzulänglich. Die statistischen Behörden Rumäniens haben heute noch keine vollständige Übersicht über die Einwohnerschaft des Landes.* In den amtlichen Veröffentlichungen weichen Angaben über das selbe Objekt und für das selbe Jahr sehr erheblich voneinander ab. Nicht einmal die Angaben über die Einwohnerzahl der Residenzstadt Bukarest stimmen in den verschiedenen Publikationen überein. Für das Ende 1922 berichtet das Statistische Jahrbuch von Rumänien über eine Gesamtzahl von 800 000 Einwohnern der Hauptstadt, während das Statistische Jahrbuch von Bukarest für den selben Zeitpunkt nur 637 000 Einwohner aufzuzählen vermag. Das vom Inter- * Vyl. Aloysc Koväc3,Sous-Secrdaired*£ial: Leproblemede Ia statistiquedes naiionalües, — Budapest 1929. 36