Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 6 (1931) (Neue Folge
- Issue
- Heft 1 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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die charakteristische Eigentümlichkeit auf, daß hier der Anteil der Juden um ein volles Drittel niedriger ist als ihre Bevölkerungsquote, während er im ganzen Lande zweimal sc hoch als diese ist und in Warschau beide Quoten fast die gleichen Werte besitzen. Die Ergebnisse unserer Betrachtungen lassen sich wie folgt in einer Formel zusammenfasen: im Landesquerschnitt erscheint die jüdische Bevölkerung stärker industrialisiert, weist mit anderen Worten einen höheren Prozentatz der Beschäftigten in Industrie und Handwerk auf als die nichtjüdische Bevölkerung. In den größten Industriezentren aber ist dieser Prozentsatz bei den Nichtjuden höher als bei den Juden. In beziig auf die einzelnen Wirtschaftsabteilungen läßt sich die Feststellung machen, daß in «Handel und Versicherung» der Anteil der Juden sowohl in den großen Städten als auch in der Provinz größer ist als ihre Bevölkerungsquote, wobei die Diskrepanz an der Peripherie stärker ist als in den Zentren; in «Industrie und Handwerk» ist der Anteil der Juden in der Provinz immer noch bedeutend höher, aber in den großen Städten schon bedeutend niedriger als die Bevölkerungsquote. Freilich muß dabei in Erwägung gezogen werden, daß in der Provinz in der Abteilung «Industrie und Handwerk» der Sektor des Handwerks viel umfangreicher ist als der der eigentlichen Industrie. Die soziale Schichtung der Lodzer jüdischen Bevölkerung deckt sich in der nachstehenden Tabelle auf. Wir finden hier 42,6% Selbständige, 8,5% Angestellte und 55,5% Arbeiter (einschl. Heimarbeiter). Bei den anderen Nationalitäten ist der Anteil der Selbständigen bedeutend schwächer: bei den Polen beträgt er etwa Vs, bei den Deutschen Vs des Anteils bei den Juden. Dagegen ist der Anteil der Arbeiter bei den Juden am niedrigsten und der der mithelfenden Familienangehörigen wiederum am höchsten. In bezug auf die Angestellten stehen die Anteilssätze bei den Juden und Polen auf gleicher Höhe, aber bedeutend tiefer als dieser Anteil in der deutschen Gruppe (14% in dieser gegen 8% in jener). Dieser Unterschied ist dadurch bedingt, daß in die Kategorie der Angestellten auch das technische Personal der Industriebetriebe aufgenommen ist, in welchem die Deutschen überaus stark vertreten sind. (Wir setzen hier die Israeliten (54,5 % der Bev.) gleich Juden, die Katholiken (55,5 %) gleich Polen, die Evangelischen (11,0 %) gleich Deutsche.) Jüdische Bevölkerung abs. o/0 Selbständige . . . 25 676 42,6 Angestellte . . . 4.701 8,5 Arbeiter (einschl. Heimarbeit.) 19 625 55,5 Mith. Fam.-Angehör. 5 580 6,1 Unbekannt ... 4150 7,5 Insgesamt . . 55532 100,0 Polnische Bevölk. Deutsche Bevölk. abs. °/o abs. °/o 10 216 9,2 3.191 15,7 8 917 8,1 5 517 14,2 82 221 74,4 14 255 61,1 1298 1,2 586 2,5 7552 7,1 1965 8,5 110 484 100,0 23 294 100,0 Versuchen wir auch das spezifische Gewicht der jüdischen Erwerbstätigen in den einzelnen sozialen Gruppen zu ermitteln, so ergibt sich eine Beteiligung der Juden unter den Selbständigen in der Höhe von 65,4%, unter der Angestellten von 27,5% und unter den Arbeitern von 16,5%. Hält man diesen Zahlen die Bevölkerungsquote der Juden entgegen, so bemerkt man bald, daß der Anteil der Juden unter den Selbständigen fast doppelt so hoch wie die Bevölkerungsquote ist. Ähnliche Relationen erhält man 4