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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1930-12-01 · Heft 6 (Dezember 1930) · p. Seite 97

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1930) (Neue Folge)
Issue
Heft 6 (Dezember 1930)
Date
1930-12-01
Page
Seite 97 (sequence 18)
Language
German
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Die Entstehung dieser jüdischen Gemeinden ans der Abwanderung ursprünglich rheinischer Juden ist, wie bereits betont, sicher gestellt.. Die neuen Gemeinden wurden außerdem durch einen Zuzug von französischen Juden verstärkt. Für die rheinischen Städte haben wir bereits diese Tatsache erwähnt. Für weitere 20 Gemeinden gaben die Memorbücher bei einzelnen Namen von Pogromopfern an, daß die Toten aus Frankreich stammten; vielfach begnügte man sich überhaupt nur damit von Franzosen oder «einem Jüngling aus Frankreich» schlechthin zu sprechen. Unter den Städten, in denen französische Juden getötet wurden, sind Frankfurt, Fulda, Ortenberg, Arnstadt, München, Nürnberg, Bamberg, Weißenburg. In Weißenburg wurde R. Abraham, ehemals Prior aller Barfüßermönche in Frankreich, getötet. In Leipzig wird ein Jude umgebracht (1266), der als Spanier bezeichnet wird. Eine Unzahl Namen deutet darauf hin, daß der französische Einfluß recht groß gewesen sein muß. Wir wissen nicht, ob die Träger dieser Namen selbst aus Frankreich stammten, was wahrscheinlich nicht der Fall war. Frühere Immigranten mochten die Namen mitgebracht und popularisiert haben. So begegnen uns häufig die Namen Joez, Sabbatai, Schemtob, Juif, Urschragos, Natronai, unter den Frauen Bela, Belette, Bona, Dolce, Salveda, Zare usw. War um das Jahr 1000 die französische Sprache unter den Juden des Rheins noch vorherrschend, so hat sich allgemein um 1250 die mittelrheinische Mundart durchgesetzt. Die französischen Einwanderer des 12. und 13. Jahrhunderts nahmen sie an, besonders da sie anscheinend nirgends mehr eigene Gemeinden bildeten, sondern sich den bestehenden der deutschen Juden anschlössen. Bei dem frühen Heiratsalter und der großen Fruchtbarkeit der Juden können wir trotz großer Ausfälle (durch die große Sterblichkeit der mittelalterlichen Städte, Taufen und blutiger Verluste) mit einer erheblichen Zunahme der Bevölkerung rechnen. Wurden durchschnittlich in jeder Ehe nur 3 Kinder bis zur Wiederheiratung groß gezogen, so konnte sich die Bevölkerung in zwei Generationen verdoppeln, in vier Generationen vervierfachen. Bei dem jugendlichen Heiratsalter ist in 100 Jahren mit vier bis fünf Generationen zu rechnen. Eine jüdische Bevölkerung, die um das Jahr 1100 an 4000 Juden zählte, konnte also um das Jahr 1200 bereits viermal so stark sein. Die Anzahl der Juden um das Jahr 1100 dürfte 4000—5000 nicht viel überstiegen haben. Um das Jahr 1350, nach etwa 150 Jahren ist mit folgender jüdischer Bevölkerung zu rechnen: 10 Orte mit reichen und großen Judengemeinden mit durchschnittlich je 300 Juden............. 3 000 75 weitere steuerfähige resp. größere Gemeinden mit je 100 Seelen..............., , , 7500 100 kleinere Gemeinden mit je durchschnittlich 50 Juden . . 5 000 100 Kleingemeinden mit je 25 Personen......... 2 500 Zusammen..... 18 000 Danach wäre die jüdische Bevölkerung um das Jahr 1348 etwa 18 bis 20 000 Seelen stark gewesen. Ich möchte die Stärke der Gemeinden im allgemeinen für nicht so groß halten und komme dann auf niedrigere Werte, etwa auf 12—14000 jüdische Seelen. Nun schließt man aus der Anzahl der aus Deutschland abgewanderten Juden auf eine größere jüdische Bevölkerung in Deutschland. Die Immi- 9?

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