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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1930-12-01 · Heft 6 (Dezember 1930) · p. Seite 96

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1930) (Neue Folge)
Issue
Heft 6 (Dezember 1930)
Date
1930-12-01
Page
Seite 96 (sequence 17)
Language
German
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nießung zwischen dem König, Reichsfürsten und Reichsstätten betrieben wurde, bestätigt die numerisch geringe Stärke jüdischer Gemeinden. So verlieh Ludwig der Bayer 90 Jahre später verschiedenen Grafen und Herren insgesamt nicht weniger als 213 Judenfamilien zur Ansiedelung und Nutznießung und zwar: 25. April 1330: 12 Familien, 20. Juli 1330: 24 Familien; 27. Juli 1330: 4 Familien; 29. Juli 1330: 15 Familien; 25. Mai 1331: 6 Familien; 4. August 1331: 10 Familien; 2. Dezember 1331: 6 Familien; 27. Januar 1332: 4 Familien; 5. August 1335: 30 Familien; 16. Mai 1336: 12 Familien; 17. Mai 1336: 60 Familien; 26. März 1337: 30 Familien. Die Zuweisung der Juden an Bischöfe, Fürsten, Städte usw. betraf jeweils ganze Gemeinden. Einzelne Familien aus den Gemeinden ließen sich schon herausgreifen. Verhandelt wurden Orte, an denen Juden sich schon ein gewisses Einkommen gesichert hatten. Für uns ist die Verschacherung von einigen wenigen Judenfamilien eine merkwürdige Erscheinung. Wir sind gewöhnt mit größeren Zahlen zu rechnen. Wer aber mit einem derartigen Maßstab an mittelalterliche Verhältnisse herangeht, muß sich täuschen. Die Wirtschaftsnot der Kaiser zwang zur Abtretung eines großen Teiles der ihnen tributpflichtigen Juden. Die 215 angeführten Familien stellten einen guten Teil ihrer Juden dar. Man wird nicht fehlgehen, aus diesen Ziffern auf die Größe der jüdischen Ansiedlungen überhaupt einen Schluß zu ziehen, zu behaupten, daß wenn schon die steuerkräftigen Gemeinden so klein waren, die anderen, vielfach jüngeren Ansiedlungen erst recht nicht größer waren. Das Memorbuch von Metz nennt 60 Ortschaften, in denen Judenverfolgungen stattfanden, darunter waren allein 27 Städte, die dem Kaiser Steuer zu zahlen hatten. 33 Orte sind nicht unter den mit Reichssteuern belegten Gemeinden. Es sind dies folgende Orte: Köln, Trier, Koblenz, Mülhausen, Kobern, Lindau, Dillenburg, Kochenburg Phaley, Passau, Weißenburg, Butzbach, Marburg, Hildesheim, Schweinfurt, Neustadt, Bamberg, Arnstadt, Erfurt, Braunschweig, Merseburg, Naumburg, Halle, Minden, Salzburg, Prag, Winterthur, Eger, Krems, Trient, Oppeln, Mecklenburg. Im Jahre 1349 gab es in 60 größeren und 150 kleineren Gemeinden Judenverfolgungen. Die Hälfte der größeren Gemeinden sind uns aus den Listen der reichssteuerzahlenden Gemeinden bereits bekannt. Bei den 150 kleinen Gemeinden ist nur ein kleiner Teil an den Steuern beteiligt. Die beiden Dokumente, die uns über die deutschen Juden unterrichten, ergänzen sich also. Von den meisetn Orten, die kleine jüdische Gemeinden aufwiesen, wissen wir, daß sie überhaupt unbedeutende Orte waren mit einer geringen allgemeinen Bevölkerung, so daß der Anteil der Juden auch nicht zu groß gewesen sein wird. Viele dieser jüdischen Gemeinden wurden bei Pogromen vollkommen ausgetilgt, alle jüdischen Bewohner kamen ums Leben, und so erfahren wir die Anzahl der jüdischen Einwohner. Als derartige Orte, die innerhalb ihrer Mauern nur eine bescheidene Bevölkerung aufwiesen, seien zur Illustration angeführt: Röttingen, Windsheim, Lauda, Mosbach, Ipfhofen, Eggolsheim, Ebermannstadt, Oehringen, Wassertrüdingen, Windsbach, Karlstadt, Münnerstadt, Berching, Pietenfeld, Hürnheim, Endsee, Weikersheim, WTässerndorf, Zenn, Volkach, Greding, Kundstadt, Aub, Freudenberg, Heideck, Hollfeld, Waldberg, Sontheim, Rettenberg, Neudenau, Möckmühl, Widdern, Künzelsau, Randeracker, Vohburg, Gartach. Diese Orte, die in der Neuzeit z. T. fast unbekannt sind, besaßen auch im Mittelalter eine schwache Einwohnerzahl. 96

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