Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1930) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 6 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 94 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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der Bevölkerung berechnet ergibt sich eine Einnahme von je 9,9 und eine Steuerbelastung von je 3,8 Zlotys jährlich. In einem noch viel schlechteren Zustande befinden sich die Gemeinden Galiziens, die nur die dringlichsten religiösen Einrichtungen zu bestreiten in der Lage sind. Die Dürftigkeit der Verhältnisse in den jüdischen Gemeinden Polens tritt besonders krass zutage, wenn man zum Vergleich die jüdische Gemeinde in Berlin mit ihrem Jahresetat von ca. 11 Millionen Reichsmark 22 Millionen Zlotys im Jahre 1927 heranzieht. Der Gesamtetat der Berliner Gemeinde ist somit über IVa mal so hoch wie in allen 588 Gemeinden Kongreß-Polens und der Wojewodschaft Bialystok. Die Juden in Deutschland und in Polen in früheren Jahrhunderten Versuch einer statistischen Erfassung (Schluß) Von Dr. Felix A. Theilhaber, Berlin-Wilmersdorf Die Herkunft der Hauptmasse der Ansiedler aus den rheinischen Städten läßt sich aus verschiedenen Umständen annehmen. Einzelne Geschlechter sind in vielen Gemeinden vertreten, die aus Mainz, Worms und Speyer stammten. So verrät die zahlreiche Nachkommenschaft des Kalonymos Hakohen die große Fruchtbarkeit dieses Hauses. Der Name Kalonymos taucht in jeder Gemeinde auf, ohne daß er immer eine Verwandschaft mit dem aus Lucca eingewanderten Geschlecht bedeutet. Er wird wahrscheinlich zum beliebten Vornamen, aus dem durch Abkürzung und Verdeutschung schließlich Callmann wird, ein Name, der heute noch als Nachname häufig ist. Uber den Zusammenhang der übrigen Namen müssen Fachleute sich äußern. Den starken Zusammenhang der Juden, die über Gegenden verstreut waren, die von einander weit entfernt sind (allerdings nicht nach unseren modernen technischen Beförderungsmitteln) verraten die vielen stets wiederkehrenden, oft seltsamen Namen. Nun wäre es recht wertvoll, über die Anzahl der deutschen Juden in der Zeit von 1250-1350 genaue Kenntnis zu besitzen. Die Summe der in diesen Jahren pogromierten Juden läßt keinen Rückschluß auf die Zahl der Bevölkerung zu. Wir wissen ferner, daß die Juden in den ohnedies kleinen Städten des Mittelalters nur einen verschwindenden Prozentsatz ausmachten. Aber das allein läßt uns noch nicht einen Einblick gewinnen. Es ist uns eine Liste der Reichssteuer überliefert, welche die deutschen Judengemeinden verpflichtet Waren zu den Reichssteuern beizutragen. Von einigen Gemeinden ist bekannt, daß sie davon befreit waren, z. B. die Augsburger wegen einer Feuersbrunst, die der Gemeinde Rottenburgs und einer anderen aus unbekannten Gründen; die Würzburger Juden wurden 1247 dem Bischof verpfändet und schieden so bei der Zahlung an den Kaiser aus. Die Regensburger Juden fehlen im Verzeichnis, wohl weil sie dem dortigen Bischof zur Nutznießung überlassen waren*. Leider gestattet die Höhe der Reichssteuern keinen Anhaltspunkt für die Größe der Gemeinde: es war keine Kopfsteuer. Die Regensburger Juden *Die Namen der besteuerten Judengemeinden finden sich in dem Buch von Dr. Isert Rösel „Die Reichssteuern der deutschen Judengemeinden" (Berlin 1910). 94