Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1930) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 6 (Dezember 1930)
- Date
- 1930-12-01
- Page
- Seite 93 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Von allen erwähnten Posten wirft nur das Schächtewesen Gewinn ab, während alle übrigen verlustbringend sind. Beim Synagogenwesen sehen wir 755796 Zlotys Ausgaben gegen 240 701 ZI. Einnahmen, beim Badwesen 549383 gegen 361379, beim Friedhofswesen 571792 gegen 529 905; bei dem Schächtewesen dagegen übersteigen die Einnahmen (6014766 Zlot.) die Ausgaben (2 932692 Zlotys) um 3 082 074 Zlotys. Das Verhältnis zwischen den Einnahmen und Ausgaben hat sich bei der Schechita in den letzten Jahren verschlechtert, weil die Unkosten wesentlich angestiegen sind, während die Behörden keine Erhöhung der Schächtegebühren genehmigt haben. Die vorstehenden Angaben lassen mit größter Deutlichkeit den religiösen Charakter der Gemeindetätigkeit erkennen, der die sozialen Leistungen vollständig in den Schatten drängt. Noch anschaulicher tritt diese Tatsache zutage, wenn wir die für religiöse und rituelle Zwecke verwendeten Beträge zusammenfassen: Zur Deckung der Defizite der Synagogen . . . 515 089 ZI. „ Bäder..... 188 004,, „ Friedhöfe ... 42487 „ Für die Kultusbeamten.......... 2 355 066 „ Für religiöse Schulen........... 1220 062 „ Für Synagogenbau............ 634805 „ Organisations- und administrative Unkosten . . 1 220 000 „ Sonstiges................ 932 918 „ Zusammen . . . 7108431 ZI. Demgegenüber beträgt die Reineinnahme der Gemeinden: Durch Steuern ............. 5 261 277 ZI. Reinertrag des Schächtewesens....... 3 082 074 „ Zusammen . . . 8345351 ZI. Auf diese Weise werden 86% des Einkommens für religiöse Einrichtungen verwendet. Die Gesamtsumme der Ausgaben läßt sich wie folgt verteilen: Religiöse Einrichtungen........73,5% Soziale Hilfe............14,2% Anderes..............12,5% Um diese Richtung der Gemeindetätigkeit geht innerhalb der Gemeindeverwaltungen ein heftiger Kampf vor sich. Die Forderungen des Tages, die wirtschaftliche Zerrüttung der jüdischen Bevölkerung nötigt den Anhängern der rein-religiösen Richtung schließlich Zugeständnisse ab, und die Probleme der sozialen Hilfe und der modernen Wohlfahrtsformen gewinnen unwillkürlich immer mehr Raum im Programm der Gemeinde. Mit der Zunahme der neuen Aufgaben geht natürlich das steigende Anwachsen der Budgets Hand in Hand. So ist der Etat für Warschau (außer des Schächtewesens) von 1 782 774 Zlotys im Jahre 1926 auf 4 502 570 im Jahre 1927 und über 5 000 000 Zlotys im Jahre 1928 angestiegen. Alles in allem zeigt das Finanzwesen der jüdischen Gemeinden in Polen ein recht betrübliches Bild. Nach Abzug der Etats der zwei größten Gemeinden, Warschau und Lodz (1782 774 ZI. + 899 574 ZI. 2 682 548 ZI.) verbleibt für alle übrigen 386 Gemeinden Kongreß-Polens und der Wojewodschaft Bialostok ein Gesamtbetrag von 10 727 298 Zlotys. Auf den Kopf 93