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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1930-11-01 · Heft 5 (November 1930) · p. Seite 76

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1930) (Neue Folge)
Issue
Heft 5 (November 1930)
Date
1930-11-01
Page
Seite 76 (sequence 13)
Language
German
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Heiraten mit Juden etc. Alle Nachrichten weisen auf ihre starke Verbreitung hin. Die Kunde von deutschen Juden ist dagegen kümmerlich. Wir hören zwar von einem Gelehrten R. Ephraim in Bonn, von der Ansiedlung einer Familie Kalonymos und können auch annehmen, daß einzelne jüdische Flüchtlinge aus Persien den Weg bis nach Deutschland fanden, ein Unterfangen, das in jener Zeit sicher nicht allzu vielen glückte. Auf den ganzen Concilien in Aachen (816, 817 und 825, 831), Mainz und Worms (829) u. a. o. geschieht den Juden keine Erwähnung. Hundert Jahre später scheinen sie am Rhein- und Donauhandel stark betätigt zu sein. Nach dem Jahre 1000 häufen sich die Angaben über das Vorkommen der Juden in den rheinischen Orten. Der Name des jüdischen Hausbesitzers Soliman in Köln vom Jahre 1060 läßt auf die Einwanderung aus arabischen Ländern schließen, der Name Egebreth läßt eine sprachliche Assimilation eines anderen Teiles der jüdischen Bevölkerung Kölns annehmen. Von den um das Jahr 1000 aufblühenden jüdischen Gemeinden in den Hauptstädten des Rheinlandes (Köln, Worms, Speyer, Mainz) schreibt Dubnow, daß man hier ebenso wie in Paris und Orleans französisch gesprochen hat oder vielmehr eine französische Mundart, der viele hebraeische Worte beigemischt waren und der sich im Rheinland immer mehr deutsche Ausdrücke zugesellten. Für diesen Sprachgebrauch spricht u. a. die Ubertragung der Bibelkommentare aus dem Hebraeischen ins Französische neben seltenen lateinischen oder deutschen Brocken. Französische Rabbiner in Lothringen und Nordfrankreich gebrauchen vereinzelte deutsche Worte, die sie anscheinend von ihrer Studienzeit in Deutschland her kannten. Fest steht, daß die aufstrebenden jüdischen Gemeinden des Rheins, die ziffernmäßig zu den größten ihrer Zeit gehörten, seit dem Beginn des 2. Jahrtausends Talmudschulen besassen, die auf die französischen Juden eine große Anziehung ausübten. Die französische Judenheit war damals in jeder Beziehung den deutschen Juden überlegen. Sie war reicher und zahlreicher. Trotzdem kamen in dem ganzen Jahrhundert vor dem I. Kreuzzug Talmudschüler aus Lothringen nach Mainz vielleicht weil hier mehr Freiheit als in Frankreich herrschte. Gerschon ben Jehuda, das geistige Haupt der mitteleuropäischen Juden um die Wende des 1. Jahrtausends, stammte aus französisch-Lothringen und lehrte in dem rheinischen Lehrhaus, das Rabbi Kalonymos aus Lucca begründet hatte. Raschi kam aus der Champagne nach Worms und Mainz, wo schon vor ihm eine stattliche Zahl berühmter lothringischer Gelehrten das Talmudstudium aufgerichtet hatte. Eine ganze Reihe von Rabbinen sind uns überliefert, die aus der «Chachme Lothar» in die deutschen Städte übersiedelten. Die Vorsteher der Speyrer Gemeinde, die anläßlich eines Privilegs Heinrich IV zeichnen, sind Juda ben Colonia, David ben Meschullam, Mose ben Guthiel, Namen, die z. T. vielleicht auch nicht dem deutschen Judentum entstammten. Es ist nicht überzeugend, den starken französischen Sprachgebrauch der rheinischen Juden auf allgemeine Kultureinflüße zurückzuführen. Die gebildeten Deutschen jener Zeit legten auf die Kenntnis der französischen Sprache keinen Wert. Der Druck, der schon damals auf den französischen Juden lastete, verführte sie zur Abwanderung in Gegenden, die noch wirtschaftlich unerschlossen waren. Dazu kam, daß die Zahl der französischen Juden beträchtlich war. Die kleinen französischen Landstädte waren von ihnen überfüllt. Aus ihrem Uberschuß rekrutierten sich die Bewohner der 76

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