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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1930-11-01 · Heft 5 (November 1930) · p. Seite 72

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1930) (Neue Folge)
Issue
Heft 5 (November 1930)
Date
1930-11-01
Page
Seite 72 (sequence 9)
Language
German
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nutzung der öffentlichen Volksschule blieb also immer noch wesentlich hinter ihrem möglichen Anteil zurück, wie dies seit Jahrzehnten zu beobachten ist. Wie die vorstehenden Ubersichten zeigen, weicht das Verhältnis zwischen dem Anteil der Volksschulkinder und dem Anteil der Juden überhaupt, das wir den Beteiligungsquotienten* nennen können, in den verschiedenen Ländern und Landesteilen zum Teil erheblich vom Reichsdurchschnitt ab. Der Beteiligungsquotieut betrug im Reich: 0,30:0,90 1:3; er betrug, um einige Beispiele herauszuheben, in Preußen . . darunter Berlin N.-Schlesien Bayern . . . 0,34 : 1,06 1 : 3,1 . 1,95: 4^0 t: 2,2 . 0,17: 0,96 1:5,6 . 0,25 : 0,67 1 : 2,9 Sachsen . . . Württemberg . Hessen . . . Lübeck . . . 0.26 : 0,47 1 : 1,8 0,12 : 0,42 1 : 3,5 0,62 :1,52 -= 1 : 2,5 0,36 : 0,49 1 : 1,4 Niederschlesien zeigt dabei den niedrigsten, Lübeck den höchsten Wert. In keinem Bezirk aber erreicht der Beteiligungsquotient den Wert 1:1**; überall zieht die jüdische Bevölkerung vor, ihre Kinder in die höheren Schulen zu schicken. Welche Ursachen jeweils auf die Höhe des Quotienten einwirken, ist nicht eindeutig zu bestimmen. Zum Teil scheint es, daß er sich dem Werte 1 :1 um so mehr nähert, je größer der Anteil der Einwohner der Städte von mehr als 20 000 Einwohnern an der gesamten Bevölkerung des Gebietes ist. So sehen wir in Berlin, Lübeck, Bremen und im Rheinland z. B., auch im Land Sachsen, einen verhältnismäßig hohen Beteiligungsquotienten. Das Gleiche aber finden wir auch in Hessen, Braunschweig, Schaumburg-Lippe, also in Gebieten mit ganz überwiegend ländlicher Bevölkerung, zum Teil ohne Städte von 20 000 Einwohnern. Diese Erscheinung ist vielleicht so zu erklären, daß in den Gebieten mit größeren Städten die jüdische Bevölkerung überhaupt und damit auch die ärmere jüdische Bevölkerung stärker vertreten ist, daß anderseits in den überwiegend ländlichen Gebieten die öffentliche Volksschule häufig die einzelne Bildungsgelegenheit ist, die den Kindern (technisch, nicht finanziell!) zugängig ist. Der Hinweis auf die ärmere jüdische Bevölkerung geht von folgender Erwägung aus: Der Anteil der jüdischen Kinder ist zunächst sicher deshalb größer geworden, weil die Volksschule allgemeine Grundschule geworden ist. Der Anteil der jüdischen Kinder wird aber (im Verhältnis der Bezirke untereinander) dort stets größer sein müssen, wo die Volksschule für einen größeren Teil der jüdischen Bevölkerung nicht nur die Grundschule und Vorschule zur höheren Schule ist, sondern die einzige Schule darstellt. In solchen Gebieten würden die jüdischen Kinder in größerem Maße nicht nur in den unteren Klassen der Volksschule sitzen, sondern sie bis zur ersten Klasse besuchen. Wenn man die Entwicklung in Preußen als für die Entwicklung im Reich repräsentativ ansieht, so ist festzustellen, daß in der Periode 1921 bis 1926 ein Wendepunkt nur hinsichtlich der Entwicklung der Beteiligung der jüdischen Kinder am Unterricht in den öffentlichen Volks- * Durch die Errechnung des Beteiligungsquotienten wird die Täuschung ausgeschaltet, die bei der Betrachtung nur des Anteüs der Kinder dadurch entstehen kann, dass dieser Anteil natürlich in gewissem Grade mit dem Anteil der Juden an der Bevölkerung schwanken muss. ** Da die jüdische Bevölkerung überaltert ist, ist der Wert l : l überhaupt nicht zu erreichen: von der Gesamtbevölkerung Preussens, das mit 72 v. H. der jüdischen Bevölkerung als repräsentativ gelten kann, stehen 1925 12,2 v. H. im volksschulpflichtigen Alter, von der jüdischen aber nur 8,1 v. H. 72

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