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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1930-10-01 · Heft 4 (Oktober 1930) · p. Seite 57

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1930) (Neue Folge)
Issue
Heft 4 (Oktober 1930)
Date
1930-10-01
Page
Seite 57 (sequence 10)
Language
German
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Bei den deutschen Juden, die durchschnittlich schon länger in Amerika wohnhaft und mehr assimiliert sind, kamen Mischehen vor: 1. Generation 2. Generation auf 100 heiratende Männer 4,83 8,85 „ 100 „ Frauen 2,62 2,96 Sowohl die größere Häufigkeit der Mischehen bei den Juden aus West- und Mitteleuropa gegenüber den Juden aus Osteuropa, sowie das starke Anschwellen der Mischehen in der zweiten gegenüber der ersten Einwanderungsgeneration läßt klar erkennen, daß die Mischehen bei den Juden um so häufiger werden, je mehr sie sich in ihrer Kultur «amerikanisiert» haben, — ein Prozeß, der im allgemeinen der Länge ihres Aufenthaltes in Amerika proportional ist. Tatsächlich waren in den letzten Jahren die Mischehen in den Vereinigten Staaten bereits recht häufig und sie sind weiter im Zunehmen begriffen.* Die geringste Verbreitung hat die Mischehe bei den Juden in Osteuropa. In Lettland verheirateten sich in den Jahren 1925 bis 1927 nur etwa 1*5% aller heiratenden Juden mit Nichtjuden. Auch in Polen, Rumänien und in dem (tschechoslowakischen) Karpathorußland, wo amtliche statistische Angaben nicht vorliegen,, ist die Mischehe nach meinen persönlichen Feststellungen und Umfragen selten. Dagegen gewinnt die Mischehe in Rußland, wo sie "vor der Revolution verboten war, seit der Revolution eine rasche Verbreitung. Nach der amtlichen russischen Statistik verheirateten sich in Zentralrußland (RSFSR) in den Jahren 1924 bis 1926 20,68% aller heiratenden männlichen Juden mit nicht jüdischen Frauen und 12,47% aller heiratenden jüdischen Frauen mit nicht jüdischen Männern; insgesamt gingen von je 100 heiratenden jüdischen Männern und Frauen 16,77 eine Mischehe ein. In den übrigen Teilen Rußlands ist der Prozentsatz der Mischehen geringer; es gingen Mischehen ein 1924 bis 1926 Wei&rufjland Ukraine von je 100 heiratenden Männern 1,87 4,19 „ „ 100 „ Frauen 3,73 4,90 Diese Zahlen zeigen, daß das früher den Juden fast verschloßene Zentralrußland mit seiner gewaltigen Ausdehnung, in das die Juden jetzt aus der mit Juden überfüllten Ukraine und Weißrußland einzuströmen beginnen, für sie ein Assimilationszentrum zu werden beginnt. Die neuerdings viel erörterte Frage**), ob die Mischehen eine große oder kleine Einbuße für das Judentum bedeuten, läßt sich am Beispiele Preußens ziemlich genau beantworten. Zunächst muß betont werden, daß die Mischehe für sich allein noch keinen Bevölkerungsverlust zur Folge hat. Der die Mischehe eingehende Jude kann an sich auch in der Mischehe Jude bleiben und die Kinder jüdisch erziehen. Die Mischehe bringt aber indirekt einen Verlust hervor, 1. indem sie häufig der Anlaß wird, daß der jüdische Verlobte vor der Eheschließung oder nachher aus dem Judentum austritt; 2. indem die Kinder aus Mischehen nicht zur Hälfte, sondern zu einem viel kleineren Teile beim Judentum verbleiben. •Louis Wirth, «The Chetto», Chikago 1928, p. 273. ••Siehe besonders die Artikel von I. Koralnik im 3. Heft 1928 und 1. Heft 1929 der «Ose-Rundschau» (Berlin) und die Entgegnung von Thellhaber in derselben Zeitschrift. 11. Heft 1928. 5?

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