Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1930) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 56 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Frankreich, England, Schweden. Für die letzten drei Länder liegen leider keine statistischen Angaben vor, es läßt sich deshalb nur auf Grund der Kenntnis von Einzelfällen sagen, daß dort Mischehen mit alteingesessenen Juden in der höheren Gesellschaft sehr häufig sind. Für Dänemark (Kopenhagen) und Italien (Triest) wird die große Häufigkeit der Mischehen durch die Zahlen in der Tabelle belegt. In den Vereinigten Staaten Amerikas waren, bevor die große Einwanderung aus Osteuropa im Jahre 1881 einsetzte, Mischehen von Juden (die meist aus Deutschland oder Holland stammten) nichts ungewöhnliches. Besonders zahlreich waren sie in den Süd- und Weststaaten, wo die Juden in kleiner Zahl wohnten. Hier erreichten sie nach Schlesinger* etwa 33% der rein jüdischen Eheschließungen. Nach dem Beginn der großen Einwanderung aus Osteuropa wurde zunächst der Prozentsatz der Mischehen zu den rein jüdischen Ehen ein sehr kleiner, weil die jüdischen Einwanderer aus Osteuropa, die den Amerikanern in Sitte und Sprache fremd waren, zu keinem gesellschaftlichen Verkehr und deshalb auch zu keinen Mischehen mit ihnen kamen. Aber etwa seit 1900 begannen in New York Eheschließungen zwischen den aus Osteuropa, stammenden Juden mit den Italienern. Sie wurden dadurch begünstigt, daß das italienische Viertel an das jüdische Viertel in der Eastside anstößt, daß beide Gruppen in gleichen Berufen (z. B. in der Bekleidungsindustrie) zusammenarbeiten und in ihrer Kultur und Lebensgewohnheiten nicht so weit voneinander entfernt sind. Zu gleicher Zeit begannen auch Mischehen zwischen den in Amerika geborenen und erzogenen Kindern der jüdischen Einwanderer und christlichen Amerikanern häufiger zu werden. Nach Drachsler**, der die Eheschließungen in New York während der Jahre 1908 bis 1912 untersuchte, -waren Mischehen (d. h. Heiraten mit Nichtjuden) unter je 100 Eheschließenden bei den rumänischen Juden 0,45 holländischen Juden 4,00 russischen „ 0,62 amerikanischen „ 4,26 türkischen „ 0,80 deutschen „ 5,16 österreichischen „ 0,99 französischen „ 6,54 ungarischen „ 2,24 bei allen Juden zuenglischen „ 3,47 sammen.....1,17 Die Mischehe ist also am seltensten bei Juden aus Osteuropa. Sie bleibt auf mittlerer Höhe bei den Juden aus Ungarn, England, Holland und Amerika (England und Amerika sind hier nur Ubergangsstationen für osteuropäische Juden). Sie ist am häufigsten bei den deutschen und französischen Juden, die in ihrer Kultur den Amerikanern am nächsten stehen. Wenn man die erste und zweite Einwanderungsgeneration getrennt betrachtet, so zeigt sich, daß unter der ersten Einwanderungsgeneration Mischehen viel seltener sind (0,64%) als in der zweiten Generation (4,51%). Bei den russischen Juden entfielen Mischehen 1. Generalion 2. Generation auf 100 heiratende Männer 0,26 3,76 „ 100 „ Frauen 0,47 3,14 •Publicalions of ihe Jewish Hisiorical Society, Philadelphia, Vol. VI, S. 92. ••„Democrac/ and Assimilation," New York 1920, p. 121. 56