Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1930) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 55 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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wird. Da zeigt sich, daß auf je 100 rein jüdische Ehen Mischehen entfielen: in Deutschland 1927 — 53,94, in Ungarn 1926 — 28,46, in Berlin 1926 — 64,23, in Breslau 1926 — 38,32, in Budapest 1927 — 39,44, in Amsterdam 1926/27 — 30,42, in Triest 1927 — 255,00. Die Mischehen machen also ein Viertel bis zwei Drittel aller rein jüdischen Ehen aus, wobei sich die Großstädte durch besondere Häufigkeit der Mischehen auszeichnen. In Triest waren im Jahre 1927 die (23) Mischehen sogar zweieinhalbmal so häufig als die (9) rein jüdischen Ehen. Hier ist die Mischehe die Regel, die rein jüdische Ehe die Ausnahme geworden. Für Hambuig kennen wir die Zahl aller im Jahre 1925 vorhandenen rein-jüdischen und gemischt-jüdischen Ehepaare. Es gab Ehepaare mit jüdischem Mann und jüdischer Frau — 2797, mit jüdischem Mann und nichtjüdischer Frau — 601, mit nichtjüdischem Mann und jüdischer Frau — 400. Hiernach machten die gemischt-jüdischen Ehepaare 26,36% der beiderseits jüdischen Ehepaare aus. Von je 100 jüdischen Ehemännern waren 13,7 mit nichtjüdischen Frauen, von je 100 jüdischen Ehefrauen 9,5 mit nichtjüdischen Männern verheiratet. Daß diese Prozentsätze viel niedriger sind als die Prozentsätze der im Jahre 1925 eine Mischehe eingehenden jüdischen Männer und Frauen, ist natürlich darin begründet, daß das Gros der Ehen in Hamburg noch aus einer Zeit stammt, in der die Mischehe seltener war. Dazu kommt, daß in vielen Mischehen der eine Teil nach der Eheschließung zur Religion des anderen Teiles übertritt oder zu den Konfessionslosen austritt, und die Ehe dann nicht mehr als jüdische Mischehe in der Statistik erscheint. Auch ist von den Mischehen ein relativ größerer Prozentsatz wieder geschieden worden. In der Schweiz waren vorhanden: Reinjüd. Mischehen mil Reinjüd. Mischehen mit Ehepaare jüd. Mann jüd. Frau Ehepaare jüd. Mann jüd. Frau 1888 1290 35 38 1910 3035 156 137 1900 1914 81 62 1920 3679 271 262 Es entfielen hiernach Paare, die in Mischehen lebten, auf je 1000 rein jüdischen Ehepaare 1888 — 57, 1900 — 74, 1910 — 97, 1920 — 145. Die Mischehen waren unter den Juden schweizerischer Staatsangehörigkeit, die den reicheren Schichten angehören, häufiger als unter den Juden fremder Staatsangehörigkeit (meist Einwanderer aus Osteuropa). Obwohl die Schweizer Staatsangehörigen 1920 nur 45% aller Juden in der Schweiz ausmachten, entfielen auf sie 340 64% aller bestehenden 533 Mischehen. In Baden gab es Ehepaare 1864 1885 1925 beiderseits jüdisch....... 3855 4413 4945 Mann jüdisch — Frau christlich . . 6 40 211 Mann christlich — Frau jüdisch . . 2 22 144 Es entfielen sonach in Mischehe lebende Ehepaare auf 1000 beiderseits jüdische Ehepaare: 1864 — 0,2, 1885 — 14,5, 1925 — 70,8. Abgesehen von den Großstädten hat die Mischehe die größte Verbreitung in denjenigen Ländern, wo eine geringe Zahl von Juden seit längerer Zeit lebt, die Sitten der umwohnenden Bevölkerung angenommen hat und zu Wohlstand sowie zu staatsbürgerlicher und gesellschaftlicher Gleichberechtigung gelangt ist. Solche Länder sind Dänemark, Italien, Australien, 55