Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1930) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 52 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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sehen jungen Leute, die in fremden Ländern Hochschulen besuchen, in den letzten Jahren weniger nach Deutschland als nach Frankreich, Belgien usw. fahren. Trifft es aber zu, daß der Anteil der nicht nur formal, sondern effektiv als Ausländer zu geltenden jüdischen Studierenden nur relativ gering ist, so können wir mit gutem Recht diese genau nicht festzustellende Gruppe vernachlässigen, wenn wir uns anschicken, die Quote des Hochschulstudiums für die jüdische Bevölkerung Deutschlands zu berechnen. Wir werden keinen in die Gewichtsschale fallenden Fehler begehen, wenn wir diese Quote durch einfache Division der Gesamtzahl der jüdischen Studierenden an den deutschen Hochschulen durch die jüdische Gesamtbevölkerung Deutschlands berechnen. Wir erhalten dann die Quote von 881,6 auf je 100 000 (bezogen auf die Volkszählung 1925), die sich ohne Bedenken zum Vergleich mit der Vorkriegsquote verwenden läßt. Die Gegenüberstellung zeigt uns: Gesamtquote Judische Quote vor dem Kriege (1913-1914)..... 106,4 569,1 im Sommersemester 1930 ...... 192,7 881,6 Hier tritt die bedeutsame Tatsache zum Vorschein, daß, während der Hochschulbesuch bei der Gesamtbevölkerung und daher offenkundig auch bei der nichtjüdischen Bevölkerung Deutschlands um rund 80% in der Zeitspanne 1913—1930 angestiegen ist, er bei der jüdischen Bevölkerung eine Zunahme von kaum 50% erfahren hat. Diese Bremsung des Hochschuldranges würde noch stärker hervortreten, wenn die für das Jahr 1913 zu niedrig gegriffene Quote (errechnet aus der Zahl von 3500 jüdischer Studierenden) präziser festgestellt werden könnte. Sie ist zum großen Teil eine natürliche Folge der gesättigten Hochschulbildung der sozialen Klassen, welchen die jüdische Bevölkerung Deutschlands angehört. Wenn man zu vergleichender Abschätzung nicht die gesamte Bevölkerung des Landes, sondern nur diejenigen nichtjüdischen Bevölkerungsteile heranziehen würde, die zu den gleichen Klassen angehören, wie die jüdische, so hätten sich die Hochschulfrequenzquoten für beide Gruppen voraussichtlich angenähert. So aber erhalten wir für die nicht jüdische Bevölkerung (die gegebenenfalls der Gesamtbevölkerung gleichgesetzt werden darf) ein beschleunigtes Tempo des Ansteigens der Frequenzquote einfach aus dem Grunde, daß sie ihren Nachwuchs aus neuen, bisher der Hochschule ferngebliebenen Schichten empfängt. Daß die Verhältnisse in der Zukunft sich in der gleichen Richtung entwickeln werden und die nichtjüdische Bevölkerung eine steigende Erhöhung, die jüdische dagegen eine Verzögerung im Tempo des Ansteigens der Frequenzquote zu gewärtigen hat, ergibt sich mit Deutlichkeit aus der nachstehenden sozialen Gliederung der reichsdeutschen Studierenden, die uns insbesondere erkennen läßt, daß gewaltige Massen der unteren Schichten nur in äußerst dürftigem Maße auch heute noch der Hochschulbildung teilhaftig sind. An der Gesamtzahl der reichsdeutschen Studierenden im Sommersemester 1930 waren beteiligt (in %): Oberhaupt im 1. Semester die oberen Schichten....... 32,6 50,4 der Mittelstand......... 60,8 61,7 die unteren Schichten......5,8 7,0 52