Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1930) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 51 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2650397-2650417-2650421--5689-2651094- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
jüdischen Studierenden sehr wertvoll, aufschlußreich und durch mancherlei Gründe gerechtfertigt. Denn hier haben wir es mit zwei verschiedenen Massen zu tun. In der Regel sind die Ausländer in ihrem Gros vorübergehende Gäste im Lande, die sich hier nur während der Dauer des Studiums aufhalten und sonst in keiner Weise mit der inländischen Bevölkerung verbunden sind. Die Statistik der Ausländer hat im allgemeinen vorwiegend ein politisch-kulturelles Interesse, indem sie die Zuziehungskraft und den Einfluß der deutschen Forschung auf das Ausland aufdeckt. Wesentlich anders liegen aber die Verhältnisse bei den reichsausländischen jüdischen Studierenden. Der Begriff «Reichsausländer» hat in bezug auf die jüdischen Studierenden dieser Kategorie nicht den gleichen Umfang und Inhalt wie in bezug auf die analoge nichtjüdische Gruppe. Innerhalb der jüdischen Bevölkerung des Reiches, ganz besonders Preußens und Sachsens, gibt es eine bedeutende Masse solcher, den Reichsausländern zugeordneten Einwohner, die in Wirklichkeit zur einheimischen Landesbevölkerung gezählt werden müßten und mit den Geschicken und Kultur des Landes verknüpft und verwachsen sind und nur aus formalen Gründen der bestehenden Gesetzbestimmungen als Ausländer gelten. Die Ausländer jüdischen Glaubens zählen im Reiche reichlich 100 000 (in Preußen allein 76 000, bei einer gesamtjüdischen Bevölkerung des Staates von 404000). Diese Tatsache wird noch in ihrer ganzen schwerwiegenden Bedeutung hervortreten bei der Bearbeiutng der demnächst erscheinenden Ergebnisse der Zählung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland 1925. Aber auch im Rahmen der Hochschulstatistik kommt sie mit größter Deutlichkeit und plastisch zum Vorschein. Die dadurch verursachten Schwierigkeiten könnten durch die Angabe der Wohndauer im Lande behoben werden. Dann wäre es ein Leichtes, die Zahl der vorübergehend zu Studienzwecken sich aufhaltenden reichsausländischen Studierenden festzustellen. Zu Beginn des Sommersemesters 1930 betrug die Zahl der in- und ausländischen Studierenden nach den amtlichen Angaben in: Inländer Ausländer Inländer Ausländer Universitäten und Tierärztlichen 95 947 4 434 3 370 893 Technischen Hochschulen u. Berg- 20 496 1973 251 279 Land- und Forstwirtschaftlichen 1496 143 5 7 3123 324 63 89 Pädagogischen. Akademien.... 2 281 101 14 1 Philosophisch-theologischen Hoch- 1738 34 — — Insgesamt . . 125 081 7 009 3703 1269 Während somit in der Gesamtmasse der nichtjüdischen Studierenden die ausländischen Kommilitonen nicht mehr als 4,5% ausmachen, beanspruchen sie in der jüdischen Gruppe volle 25,5%. Dieser enorme Anteil der ausländischen jüdischen Studierenden ist ein schlagender Beweis für die vorstehende Behauptung, daß nur ein kleiner Teil der in Deutschland studierenden ausländischen Juden sich in Deutschland nur vorübergehend, ausschließlich studienhalber, aufhält, zumal es bekannt ist, daß die jüdi- 51