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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1930-10-01 · Heft 4 (Oktober 1930) · p. Seite 53

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1930) (Neue Folge)
Issue
Heft 4 (Oktober 1930)
Date
1930-10-01
Page
Seite 53 (sequence 6)
Language
German
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Es kann als sicher gelten, daß aus dieser Quelle in der Zukunft neue Kräfte der deutschen Studentenschaft zuströmen werden, während bei der jüdischen Bevölkerung der Zuwachs vornehmlich auf Rechnung der Frauenbildung zustande kommt. Das verzögerte Tempo des Nachwuchses bewirkt zwangsläufig die Abnahme des prozentuellen Anteils der jüdischen Studierenden am gesamten Hochschulbesuch. In welch progredienter Weise diese Abnahme vor sich geht, zeigt uns das Beispiel Preußens, wo der Prozentsatz der jüdischen Studierenden von 8,1 im Jahre 1899/900 auf 7,4 (1902), 7,0 (1905), 6,8 (1908), 5,6 (1911) und 3,4 im Sommer 1930 zurückgegangen ist. Die Verbreitung der Mischehe unter den Juden Von Dr. Arthur Ruppin, Jerusalem. Wenn wir im folgenden Ziffern über die Verbreitung der Mischehe geben, so lassen wir alle diejenigen Fälle außer Betracht, in welchen der jüdische oder nichtjüdische Teil eines konfessionell verschiedenen Brautpaares noch vor der Eheschließung zur Religion des anderen Teiles übertritt. Denn das Charakteristikum der Mischehe mit Juden im statistischen Sinne des Wortes ist gerade, daß von den Eheschließenden noch bei der Eheschließung der eine der jüdischen Religion, der andere der christlichen Religion oder den Konfessionslosen angehört. Für den anthropologischen Forscher ist allerdings der Religionswechsel vor der Eheschließung ohne Bedeutung; für ihn bleibt die Ehe zwischen Christen und Juden mit oder ohne Religionswechsel eine Mischehe, d. h. eine Ehe zwischen Angehörigen verschiedener Rasse. Aber dieser anthropologische Standpunkt kann nicht zur Grundlage der Betrachtung dienen, wenn es gilt, die Verbreitung der Mischehe statistisch zu erfassen, und zwar aus einem rein praktischen Grunde. Die Rasenzugehörigkeit des Individuums fällt nämlich, wenigstens in Europa, nicht in den Rahmen der amtlichen Statistik und wird bei der Schwierigkeit oder Unmöglichkeit, die europäischen Weißen als Einzelne bestimmten anthropologischen Gruppen zuzuweisen, auch kaum je in ihren Rahmen fallen. Will man also mit Hilfe der Statistik die Verbreitung der Mischehe feststellen, so kann man nur von der Religionszugehörigkeit der Eheschließenden zur Zeit der Eheschließung ausgehen. Die folgende Tabelle gibt eine Ubersicht über die Verbreitung der Mischehe in den letzten 50 Jahren in verschiedenen Gebieten. Sie zeigt uns, daß z. B. in Preußen unter den heiratenden Juden der Prozentsatz der außerhalb des Judentums Heiratenden sich seit fünfzig Jahren verfünffacht hat. Er stieg von 4,79% in den Jahren 1875 bis 1884 auf 21,63% im Jahre 1927. In Berlin, Köln und Hamburg war der Prozentsatz in den letzten Jahren noch höher, nämlich 24,52, 28,50 und 28,83. Hier ist die Mischehe im jüdischen Leben bereits etwas Alltägliches geworden. Noch häufiger ist die Mischehe in Kopenhagen und in Triest, wo bereits die Mehrheit aller heiratenden Juden Mischehen eingeht. Besonders das sprunghafte Ansteigen des Prozentsatzes in Triest (von 17,9 in den Jahren 1900 bis 1903 auf 56,10 im Jahre 1927) zeigt, wie nach Wegfall der traditionellen Hemmungen bei den Juden und ihren nichtjüdischen Nachbarn die Misch- 53

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