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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1930-08-01 · Heft 2 (August 1930) · p. Seite 29

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1930) (Neue Folge)
Issue
Heft 2 (August 1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 29 (sequence 14)
Language
German
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inordversuche mit nichttödlichem Ausgang registrieren, liefern die beste Bestätigung unserer Ansicht. Während die Gesamtzahl der im Jahre 1928 in Wien registrierten jüdischen Selbstmordversuche 225 betrug, belief sich die Zahl der vollstreckten Selbstmorde auf nur 100. In Ungarn hatten von den insgesamt im Jahre 1929 registrierten 294 Selbstmordversuchen (davon in Budapest 220) nur die Hälfte den beabsichtigten Erfolg. Die Warschauer btatistik kennt im Jahre 1927 184 Selbstmordversuche von Juden und nur 54 mit tödlichem Ausgang. Setzen wir für Berlin das Verhältnis der tödlichen Selbstmordhandlungen zu der Gesamtzahl der Selbstmordversuche ebenfalls mit 1 :2 ein, wie es in den zwei vorgenannten westeuropäischen Städten der Fall ist, so ergeben sich zur eventuellen Beurteilung des Grades der Lebensunlust die nachstehenden Quotienten (berechnet auf je 100.000 der jüdischen Bevölkerung): Wien (1928)....... 112 Berlin (1927-28) ..... 88 Budapest (1929)...... 104 Warschau (1927)..... 58 Die Quote für Osteuropa ergibt bei dieser Berechnung einen viermal so hohen Wert wie bei der üblichen Berechnung der Erfolgsquote, und die Abweichungen zwischen Ost und West verringern sich merklich. Fügen wir noch hinzu, daß die Registration der Selbstmorde und Versuche in den Ostländern nicht mit der gleichen Sorgfalt erfolgt wie im Westen, so sind wir berechtigt den Unterschied zwischen West und Ost noch niedriger einzuschätzen. Bei unserem Verfahren verschwindet auch zum Teil der merkwüdrige Gegensatz zwischen den trostlosen wirtschaftlichen Verhältnissen der Juden in Polen und der niedrigen Selbstmordquote in diesem Bevölkerungsteil. Wenn wir überdies noch die Unterschiede im Altersaufbau der jüdischen Bevölkerung des Ostens und des Westens, namentlich die dichtere Besetzung der höheren Altersgruppen bei den Westjuden, in Erwägung ziehen, so wird die Spanne zwischen den bei den osteuropäischen und westeuropäischen jüdischen Gemeinden ermittelten Befunden noch enger. Was davon übrig bleibt, läßt sich zurückführen auf Unterschiede m der Mentalität, in der Lebensauffassung der betreffenden Gemeinschaften, je nach der Kultur des Landes und der Umgebung. Wie schief das Bild ist, das sich bei der Anwendung des üblichen Verfahrens ergibt, erkennt man leicht aus der Warschauer Statistik: Man n e r F r a u e n A |lAr Oesamtzahl der Tödlich verlaufene Gesamtzahl der Tödlich verlaufene Auer Versuche Fälle Versuche Fälle abs. % abs. % abs. % abs. % -19 15 16,3 3 12,5 30 32,6 5 16,7 20-49 62 67,4 13 54,2 51 55,4 17 56,7 50- 12 13,0 7 29,2 10 10,9 7 23,3 unbekannt 3 3,3 1 4,1 1 1,1 1 3,3 Zusammen . . 92 100,0 24 100,0 92 100,0 30 100,0 Die Prozentsätze für die Gesamtzahl der Versuche divergieren in allen Alterslagen und bei beiden Geschlechtern von den Prozentsätzen für die tödlich verlaufenden Fälle. Besonders weit gestaltet sich der Divergenzwinkel bei der allerjüngsten und ältesten Gruppe. Die jugendliche Gruppe ist in der Rubrik der Gesamtzahl der Selbstmordversuche prozentuell stärker vertreten als in der Rubrik der tödlichen Ausgänge. Im Gegenteil 29

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