Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1930) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 2 (August 1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- Seite 30 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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ist die älteste Gruppe mit einem höheren Prozentsatz in der Rubrik der tödlich verlaufenen Fälle als in der Rubrik der Gesamtzahl der Selbstmordversuche beteiligt. Auch in bezug auf die Motive der Handlung zeigt sich die gleiche Divergenz. Beansprucht in der Gesamtmasse der Selbstmordversuche die Arbeits- und Mittellosigkeit etwa den dritten Teil aller Fälle, so entfällt auf diese Ursache bei den Juden nur der dreizehnte, bei den Nichtjuden nur der fünfte Teil aller gelungenen Fälle. Diese Differenzen sind bedingt durch die Wahl der Selbstmordmittel, die in verschiedenen Altersgruppen verschieden ausfällt. Von den 62 jüdischen Männern und 68 Frauen in Warschau, die sich eines Giftes zur Selbsttötung bedienten, sind nur 11 resp. 14 gestorben. Von den 10 Männern und 22 Frauen, die sich aus der Höhe auf den Boden stürzten, haben 5 resp. 15 ihre Selbstmordabsicht erreicht. Von den 9 Männern und 1 Frau, die sich des Strangs bedienten, haben 7 resp. 1 das Leben eingebüßt. 7 Männer versuchten vergebens durch Selbstverletzung den Tod herbeizuführen. Auch hier zeigt sich abermals, wie wenig beweiskräftig für die Beurteilung der Lebensunlust die Statistik der effektiven Selbstmorde ist. Die Wahl der Mittel wechselt je nach dem Lande. In den westlichen Ländern werden tödliche Mittel in größerem Maße gewählt, so daß caeteris paribus das Endresultat notgedrungen anders ausfällt als in den Ländern des Ostens. Umso größere Vorsicht ist bei der Vergleichung der jüdischen und der nichtjüdischen Quoten des effektiven Selbstmordes geboten, weil in der Wahl der Selbstvernichtungsmittel wesentliche Unterschiede bei den Juden gegenüber den Nichtjuden sich zeigen, wie man aus der nachstehenden Tabelle für Warschau ersieht: <>#»lK«j*mnrHv*»r«iirli*» Hnrrhbei den Männern bei den Frauen SeiDSimoraversuctie aurcn. jüdischen nichtjüdischen jüdischen nichijüdischen Gift ..... 67,4 61,2 73,9 89,1 Feuergewehr . . 3,2 15,2 1,1 2,0 Selbstverletzung . 7,6 10,1 — 2,2 Ertrinken ... 1,1 2,8 — 1,7 Erhängen ... 9,8 6,6 1,1 0,5 Sturz..... 10,9 4,0 23,9 4,1 Die Wahl fällt bei den Nichtjuden häufiger auf erfolgsichere Mittel als bei den Juden. Feuergewehr figuriert bei jenen mit 15,2 Prozent gegenüber 3,2 Prozent bei den Juden, Giftstoffe aber mit 61,2 bei den Christen gegenüber 67,4 bei den Juden. Das Vorwiegen tauglicher oder untauglicher Mittel beeinflußt natürlich die Quote der effektiven Selbstmorde, die deshalb bedeutend abweichen von den Quoten der versuchten Selbstmorde. Der vorliegende Aufsatz will nur Miszellen zur Problematik des Selbstmordes bei den Juden bringen ohne Erörterung des eigentlichen Problems. Es sollte nur gezeigt werden, daß zur Beurteilung des ganzen Fragenkomplexes die bisher verwendeten Kriterien, die Maßzahlen der effektiven bei Nichtbeachtung der versuchten Selbstmorde nicht geeignet sind. Es wäre sehr begrüßenswert, wenn die Statistischen Aemter von Preußen und Berlin sich entschlossen hätten, eine Neugestaltung der Statistik in der von uns angeregten Richtung (Statistik der Selbstmordversuche) einzuleiten. 30