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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1930-08-01 · Heft 2 (August 1930) · p. Seite 27

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1930) (Neue Folge)
Issue
Heft 2 (August 1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 27 (sequence 12)
Language
German
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Preußens während der Jahre 1920 bis 1928 nicht weniger als 1567 Menschen durch Freitod verloren hat. In welcher Weise sich diese Einbusse im sozialen und wirtschaftlichen Leben der Juden auswirkt, ob dadurch der Verlust wertvoller Kräfte zu beklagen ist, oder aber im Gegenteil die Bevölkerung dadurch von wertlosen und lästigen Elementen befreit worden ist, darüber gibt die Statistik keinen Bescheid. Höchstens kann uns die Betrachtung der Altersgliederung der freiwillig aus dem Leben Geschiedenen einigen Aufschluß über diese Frage erteilen. Die im Aufsatz von Dr. Jacob S e g a 11 «Zur Statistik der Juden in Berlin» im Jüdischen Jahrbuch für Groß-Berlin bearbeiteten Zahlen für 1921—23 ergeben folgendes Bild. Es betrug der Anteil der Altersgruppen unter den jüdischen Selbstmördern in den erwähnten Jahren in Berlin (in %): männlich weiblich zusammen —15 Jahre 1,8 — 1,0 15—20 14,9 2,1 9,1 20—30 37,7 13,8 26,9 30—40 10,5 18,1 14,0 40—50 11,4 25,5 17,8 50—60 7,9 17,0 12,0 60—70 10,5 19,2 14,4 über 70 5,3 4,3 4,8 Zusammen 100,0 100,0 100,0 15,8 Prozent der Männer und 23,5 Prozent der Frauen standen im unproduktiven Alter von über 60 Jahren; die vollproduktive Altersgruppe zwischen 20 und 40 Jahren umschließt reichlich die Hälfte der Männer, aber nur ein Drittel der Frauen. Es lässt sich derweilen nicht ohne weiteres entscheiden, ob die starke Beteiligung der mittleren und vorgerückten Altersgruppen an den Selbstmorden unter den Frauen nur eine Folge der Inflationszustände und der durch die Stabilisierung hervorgerufenen Erschütterungen war, die mit besonderer Schärfe die alleinstehenden, verwitweten und geschiedenen Frauen getroffen haben, oder ob wir es hier mit einer Erscheinung zu tun haben, die auch für normale Zeiten gilt. Jedenfalls ist es bemerkenswert, daß in der erwähnten Jahren der durchschnittliche Prozent der geschiedenen und verwitweten unter den jüdischen Selbstmörderinnen 28,7% betrug, während der Prozentsatz der verwitweten und geschiedenen Frauen innerhalb der gesamten weiblichen jüdischen Bevölkerung wesentlich niedriger war. Die Deutung und Beurteilung dieser statistischen Befunde wird erschwert durch das bedauerliche Fehlen der Einteilung der Freitodesfälle nach den Beweggründen. Die bloße Tatsache des Ansteigens oder des Sinkens der Freitodhäufigkeit besagt noch wenig. Absolut oder relativ gleichgroße Zahlen können verschiedene Bedeutung besitzen, je nachdem vorübergehende Stimmungen oder untragbare Existenzkämpfe unter den Beweggründen vorherrschen. Wenn auch die Häufigkeit der Selbstmorde bei den Juden sowohl unter den Männern als auch unter den Frauen sich im Vergleich zu den Vorkriegsjahren nicht sehr geändert hat, so glauben wir sagen zu dürfen, daß die Beweggründe bedeutende Verschiebungen erfahren haben. Der Geist der Zeit und die veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse haben hier ihren 27

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