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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1930-08-01 · Heft 2 (August 1930) · p. Seite 22

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1930) (Neue Folge)
Issue
Heft 2 (August 1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 22 (sequence 7)
Language
German
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aus politischen, gesellschaftlichen oder beruflichen Motiven zur Taufe neigen, in den unruhigen Jahren 1919—20 unter dem Einfluß einer Massenpsychose ihren Entschluß ausführten. Unter ihnen waren die Männer überwiegend, weil sie den politischen Ereignissen naturgemäß näherstanden als die Frauen. Auf diese Weise bleiben nur wenig männliche „Taufkandidaten" für die nächsten Jahre übrig. Die Frauen dagegen, die der Massenpsychose der Jahre 1919—20 weniger erlegen waren, stellten auch in den Jahren 1923 bis 1925 das „normale" Kontingent von Täuflingen. In Deutschland liegen statistische Nachweise nur für die Uebertritte von Juden zu den evangelischen Landeskirchen vor (Kirchliches Handbuch für die Evangel. Landeskirchen Deutschlands 1927, Berlin 1929), während die Zahl der Uebertritte zum Katholizismus und zu den Konfessionslosen im ungewissen bleibt. Von 1880 bis 1910 traten insgesamt 12 375 Juden, d. h. durchschnittlich jährlich 412 zum Protestantismus über. Von 1911 bis 1925 betrug der jährliche Durchschnitt nur 385. In den letzten jähren zeigt die Ziffer ein weiteres Fallen, nämlich auf: 317 im Jahre 1922 243 im Jahre 1924 423 im Jahre 1923 226 im Jahre 1925. Betrachten wir die Entwicklung in Preußen, so zeigt sich ein ähnliches Bild. Die Uebertritte von Juden zur evangelischen Landeskirche betrugen im Jahresdurchschnitt 1875/79: 62; 1890: 120; 1892: 253; 1901/5 : 379; 1911/14: 320. Die Jahre 1918 bis 1925 zeigen folgende Entwicklung: 1918 .... 262 1923 .... 302 1920 .... 324 1924 .... 177 1922 .... 207 1925 .... 149 Den 149 Uebertritten von Juden zur evangelischen Landeskirche im Jahre 1925 stehen 22 Uebertritte von Evangelischen zu den Juden gegenüber. Der Verlust des Judentums im Jahre 1925 würde hiernach 127 Seelen betragen. Es erhebt sich die Frage, ob der erhebliche Rückgang der Uebertritte von preußischen Juden zur evangelischen Landeskirche einen allgemeinen Rückgang der Austritte aus dem Judentum bedeutet oder nur eine Verschiebung in dem Sinne, daß an Stelle der Uebertritte zu der evangelischen Landeskirche Austritte zu den Konfessionslosen getreten sind. Die Zahl der Austritte zu den Konfessionslosen und Katholiken ist uns für Preußen nicht bekannt. Wir haben aber einen gewissen Anhalt für eine Schätzung insofern, als nach einem Bericht der Jüdischen Gemeinde zu Berlin im Jahre 1925 249 Juden aus dem Judentum ausgetreten und 71 Nichtjuden zum Judentum übergetreten sind, was einen Verlust von 178 ergibt. Nach den Angaben der evangelischen Landeskirche sind im Jahre 1925 in Berlin (einschl. Provinz Brandenburg) nur 48 Juden zur evangelischen Landeskirche übergetreten und 7 zum Judentum ausgetreten, d. h. ein Verlust von 41 Personen auf jüdischer Seite. Wenn dieses Zahlenverhältnis (178 :41) zwischen Austritten aus dem Judentum überhaupt und Austritten zur evangelischen Kirche nicht nur für Berlin, sondern auch für ganz Preußen gilt, so würde der Gesamtverlust des Judentums durch Austritte in Preußen im Jahre 1925 nicht nur 127 (wie oben) sondern etwa 550 Seelen betragen, d. h. 1,3 auf je 1000 Juden. Es zeigt sich also, daß in der Tat im Jahre 1925 die Austritte zu den Konfessionslosen (die Uebertritte zu den Katholiken spielen eine sehr kleine 22

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