Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1930) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 2 (August 1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- Seite 21 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Irotzdem Rußland (einschl. Kongreßpolen) mit 84536 Getauften die größte Zahl unter allen Getauften stellt, ist dieser Prozentsatz (41,2%) kleiner, als dem Anteil der russischen Juden an der Gesamtzahl aller Juden entspricht, da dieser im XIX. Jahrhundert durchweg etwa die Hälfte aller Juden betrug. Es kommt aber noch hinzu, daß diese Uebertritte zum großen Teil erzwungen sind. Es sind darunter allein 6878 Kantonisten, d. h. Juden, die zum 25jährigen Militärdienst ausgehoben waren und unter dem Drucke der Feldgeistlichen und der Militärbehörden das Christentum annehmen mußten. Ebenso haben Juden in Zentralrußland, um sich vor der Vertreibung zu retten, in zahlreichen Fällen die Taufe genommen. Freiwillige Uebertritte, wie sie in den übrigen Ländern unter der Herrschaft der Assimilationstendenz vorkamen, waren dagegen in Rußland äußerst selten. Im XX. Jahrhundert ist die Zahl der Taufen überall im Steigen begriffen, wie die Zahlen aus denjenigen Ländern, in welchen eine amtliche Taufstatistik vorliegt, beweisen. In U n g a r n belief sich die Ziffer der durch die Taufe aus dem Judentum Ausgeschiedenen durchschnittlich jährlich: in 1896—1900 auf 261*, 1901— 1905 auf 420* und 1906—1907 auf 565*. Die Nachkriegsentwiklung gestaltet sich wie folgt: 1919 . . 7146 Taufen 1923 . . 412 Taufen 1920 . . 1925 „ 1924 . . 435 1921 . . 827 „ 1925 . . 458 1922 . . 499 „ 1928 . . 451 Das gewaltige Emporschnellen der Taufziffer im Jahre 1919 ist eine Kriegs¬ und Revolutionserscheinung. In der Zeit der Pogrome gegen die „Kommunisten", als welche die Juden galten, hofften viele ungarische Juden durch die Taufe diesen Verfolgungen eher zu entgehen. Die Ziffer des Jahres 192? (451) dürfte bereits als normal gelten. Dazu kommen im Jahre 1928 noch 65 Juden, die zu den Konfessionslosen ausgetreten sind. Danach würden von 1000 ungarischen Juden jährlich 1,1 durch Taufe oder Austritt dem Judentum verlorengehen. Uebertritte zum Judentum erfolgten in Ungarn in der Zeitspanne 1896 bis 1907 durchschnittlich jährlich 89; nach dem Kriege: 1919 ... 137 1923 ... 311 1920 ... 168 1924 ... 315 1921 ... 243 1925 ... 326 1922 ... 340 1928 ... 271 Das starke Steigen der Ziffern von 1921 bis 1925 ist dadurch zu erklären, daß ein Teil derjenigen Juden, die sich in Jahren 1919—20 taufen ließen, wieder zum Judentum zurückkehrte. Zieht man die Eintritte von den Austritten ab, so beträgt der Verlust des Judentums in Ungarn in den Jahren 1919 bis 1925 9860 Personen (Hierin sind nicht enthalten 58 Juden, die von 1919 bis 1925 zu den Konfessionslosen ausgetreten, und 35 Konfessionslose, die zu den Juden eingetreten sind). Von den in den Jahren 1919 bis 1922 getauften 10 397 Juden waren 43,7% weiblich, gegenüber 74% in den Jahren 1923 bis 1925 und 53,7% im Jahre 1928. Diese große Verschiedenheiten in dem Anteil des weiblichen Geschlechts dürfte damit zu erklären sein, daß all diejenigen Juden, die •£OhncIdie Austritte zu denlKonfessionslosen,; die von 1696 bis 1907 zusammen 201, also jährlich 17 betrugen. 21