Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Journal
- Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
- Volume
- 5 (1930) (Neue Folge)
- Issue
- Heft 2 (August 1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- Seite 20 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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söhn die Annäherung der Juden an die deutsche Kultur vorbereitet hatte. Aber während er selbst noch ein orthodoxer Jude blieb und die Ansicht vertrat, daß man ein guter Jude und ein guter Europäer sein könne, traten seine Kinder bereits zum Christentum über. Kaum ein bedeutender Jude in Berlin hat im Anfang des XIX. Jahrhunderts den Glauben seiner Väter bewahrt. Bezeichnete doch selbst Leopold Zunz, der sein Leben dem Studium der jüdischen Literatur gewidmet hatte, sein Festhalten am Judentum als „die große Grille seiner Seele!". Um die Mitte des XIX. Jahrhunderts hatte die Taufbewegung in Deutschland an Stärke verloren, weil in dieser Zeit der Herrschaft des Liberalismus die Zugehörigkeit zum Judentum keine soziale Mißachtung und Ausschließung begründete und deshalb kein Anlaß zum Uebertritt vorlag. Den Tiefpunkt erreichte die Taufbewegung im Jahre 1876, in welchem in Preußen nur 50 evangelische Judentaufen stattfanden. Von da ab beginnen die Taufen von neuem zuzunehmen. Die nachstehende Tabelle gibt im Anschluß an eine Abhandlung des Lizentiaten de la Roi («Judentaufen im XIX. Jahrhundert», in der Zeitschrift „Nathanael", Heft 3 u. 4, Berlin 1899) eine Uebersicht über die Jndentaufen im XIX. Jahrhundert. De la Roi bemerkt, daß er, soweit seine Zahlen auf Schätzung beruhen, überall sehr vorsichtig verfahren sei und lieber eine zu niedrige als eine zu hohe Ziffer eingesetzt habe. Es ist auch durchaus glaublich, daß die von ihm als Gesamtsumme aller Judentaufen im XIX. Jahrhundert angegebene Zahl von ca. 204 500 die Wirklichkeit nicht überschreitet, vielleicht sogar nicht unerheblich hinter ihr zurückbleibt. Zu bemerken ist, daß diese Zahl die Austritte von Juden zu den Dissidenten und die Taufe von Kindern aus Ehen zwischen einem christlichen und einem jüdischen Ehegatten nicht mit umfaßt. Mit ihnen zusammen ist die Zahl aller aus dem Judentum Ausgetretenen auf mindestens 250 000 zu schätzen, d. h. auf 5% aller um die Mitte des XIX. Jahrhunderts vorhandenen Juden. Obertritte von Juden zum Christentum im XIX. Jahrhundert Land Zahl der Übertritte Land Zahl der Übertritte 4. Schweden und Norwegen . 8. Österreich-Ungarn .... 9. Ru&land ....... 22.520 28.830 1.800 * 500 100 100 2.400 44.756 84.536 10. Italien........ 13. übrige Balkanländer . . . 14. Asien und Afrika .... 300 1.500 3.300 100 600 200 13.000 Insgesamt 1—16 . . . 204.542 Anmerkung: Zu 1—zur evang. Kirche 17.530 (Preu|en-13.128; Bayern-330; Sachsen-770; Würitemberg-115; übriges Deutschland—3177). Zu 2-6—sämtlich zur evang. Kirche. Zu 7—zur evang. Kirche 600, zur kalh.—1800. Zu 8-36200 zur röm.-kath. Kirche (Osterreich-28200; Ungarn-8.000); 8356 zur evang. Kirche [Osterreich—6300; Ungarn 2.056); 200 zur griech.-kath. Kirche. Zu 9—3136 zur evang., 21.000 zur röm.-kath. und 69400 zur griech.- kath. Kirche. Zu 10—sämtlich rönu-kath. Zu 11-13—sämtlich griedt-kaih. Zu 14-100 evang. und 500 röm.- kath. Zu 15—sämtl. evang. Zu 16-11300 evang. und 1300 röm.-kath. Zu 1-16-72.742 evang., 57.300 röm.-kath. und 74300 griech.-kath. 20