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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1930-08-01 · Heft 2 (August 1930) · p. Seite 18

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1930) (Neue Folge)
Issue
Heft 2 (August 1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 18 (sequence 3)
Language
German
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Beispiel zu nennen: wenn innerhalb eines Landkreises eine einzige größere jüdische Gemeinde mit dem Sitz eines Rabbiners vorhanden ist, wo Trauungen vorgenommen werden, so ergibt die Statistik der betreffenden Stadt eine verhältnismäßig zu große Zahl von geschlossenen Ehen auf Kosten des flachen Landes. Viel Schwierigkeit bereitet von jeher die exakte Berechnung der Ehehäufigkeit und die Relation zwischen ungemischten und gemischten Ehen. Zunächst erhebt sich die Frage: kann man überhaupt einen einheitlichen Begriff der «Ehehäufigkeit» aufstellen? Schon bei der Feststellung der Geburtenhäufigkeit entstehen erhebliche Zweifel über die Richtigkeit der bisher angewandten Methoden, wonach die Zahl der Lebendgeburten auf je 1000 der mittleren Bevölkerung der betreffenden Bevölkerungsgruppen bezogen wird. Ist man berechtigt die Geburten aus Mischehen zu einem Bruchteil den ehelichen Geburten hinzuzufügen oder sollte man nicht vielmehr ganz gesondert eine Geburtenziffer für eheliche, uneheliche und Mischehengeburten berechnen? Als unmöglich wird angesehen die ungemischten und gemischten Ehen zusammen zu zählen oder den ungemischten Ehen nur einen Teil der gemischten Ehen zuzurechnen und die so gefundene Zahl zur Bevölkerungsmasse in Beziehung zu setzen. Als Grund wird angegeben, daß es sich bei den ungemischten Ehen um zwei Personen handelt, die dem gleichen Bekenntnis angehören, während in jeder Mischehe nur ein Partner gezählt wird, welcher der Konfession des in Frage kommenden Bevölkerungsteiles angehört. Dieser Einwand erscheint uns nicht stichhaltig, da die amtliche Statistik nicht eheschliessende Personen, sondern Eheschliessungsfälle feststellt. Lediglich der Umstand, daß man keinen Maßstab hat, nach welchem man einen Teil der gemischten Ehen den ungemischten hinzurechnen kann, verbietet die Anwendung der oben angegebenen Methode. Es wäre praktisch in folgender Weise vorzugehen: man setzt die Zahl der reinen Ehen in gleicher Weise wie die Zahl der Männer und Frauen desselben Glaubens, welche eine Mischehe eingehen, zur mittleren Bevölkerungsziffer in Beziehung. Wir wollen an dieser Stelle nur im Vorbeigehen betonen, daß sowohl die Geburten als auch die Sterbeziffer und die eventuell «veredeltes» Eheziffer nur in seltenen Fällen eine zutreffende Vorstellung von dem wahren Stande der Intensität der Bevölkerungsvorgänge zu geben vermag. Je mehr man sich mit dem Aufbau der jeweils in Frage kommender Grundmasse befaßt, insbesondere mit den Aenderungen, die in dieser Masse in bestimmten Zeitspannen vor sich gehen, umso nichtssagender erscheinen dem Untersuchenden die Reihen der «Geburten-, Sterbefälle- und Eheziffer». Ueber die Relation zwischen ungemischten und gemischten Ehen wäre folgendes zu sagen. Der so häufig eingeschlagene Weg, auf je 100 ungemischte Ehen den entsprechenden Koeffizienten für die Mischehe zu berechnen, ist schon aus dem Grunde unstatthaft, weil die Entwicklung beider Ehegruppen ganz verschiedenen Gesetzen unterliegt, und es häufig genug vorkommt, daß ein prozentuales Anwachsen der Mischehen in erster Linie einer Stabilität bzw. einem absoluten Rückgang der ungemischten Ehen zuzuschreiben ist. Andererseits besteht angesichts des lebhaften Ansteigens der Mischehenquote ein berechtigtes Interesse, ihre Entwicklung in ein Vergleichs Verhältnis zu den ungemischten Ehen zu bringen. Man kann die Augen nicht vor der Tatsache verschließen, daß noch im Jahre 1901 im Deutschen Reich 658 Fälle gezählt wurden, in denen jüdische Personen 18

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