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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1930-07-01 · Heft 1 (Juli 1930) · p. Seite 6

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1930) (Neue Folge)
Issue
Heft 1 (Juli 1930)
Date
1930-07-01
Page
Seite 6 (sequence 7)
Language
German
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wie schon oben gesagt, beim Vergleich der jüdischen Bevölkerung mit der nicht jüdischen nie ihre besondere soziale Zusammensetzung außer acht lassen. Die beiden Berufsabteilungen, denen zwar viele Juden angehören, die gemäß der Bevölkerungszusammensetzung Preußens aber in der Hauptsache Nichtjuden umfassen, nämlich «Handel und Verkehrs-, und «Beamte, Angestellte und freie Berufe» hatten in den letzten Jahren zu 35 bis 37% bzw. zu 40% erstgeborene Kinder. Es sind also wohl weniger die Juden, die diese geringe Geburtlichkeit haben, als die genannten Bevölkerungsschichten gleich welcher Konfessionszugehörigkeit. Wir kommen nunmehr zur Betrachtung der Sterblichkeit. Es starben in der letzten Vorkriegszeit und in den Jahren nach dem Kriege jährlich 5 bis 6000 Juden in Preußen, also ungefähr ebensoviel wie geboren wurden. Während aber die Geburtlichkeit seitdem sank, ist die Sterblichkeit gleich geblieben: 1925 starben 5554, 1926 5504, 1927 5697, 1928 5704, obgleich gleichzeitig die absolute Zahl der Sterbefälle in Preußen bei der Gesamtbevölkerung eine beträchtliche Verminderung erfahren hat (1911 bis 1913 je zwischen 6 und 700 000, 1925 451 000, 1926 446 000, 1927 462 000, 1928 450 000). Es entsteht die Frage, wieso die jüdische Bevölkerung dieser Sterblichkeitssenkung nicht auch teilhaftig geworden ist. Dafür gibt es zwei Erklärungen, die sich ergänzen. Zunächst ist die Sterblichkeitssenkung der gesamten Bevölkerung seit der Vorkriegszeit vornehmlich den unteren Schichten zu Gute gekommen, während sie bei den gehobenen, zu denen die Juden in der Hauptsache gehören, auch in der Vorkriegszeit schon niedrig war. Weiter ist die Abweichung durch die verschiedene Altersgliederung der nicht jüdischen und der jüdischen Bevölkerung begründet: bei den Juden sind die Altersgruppen bis zu 30 Jahren infolge der seit längerer Zeit kleineren Kinderzahl der gehobenen Bevölkerungsschichten geringer belegt als in der Gesamtbevölkerung, während die höheren Altersgruppen verhältnismäßig stärker besetzt sind. So war bei den Juden der Anteil der Altersgruppe 0 bis 15 Jahre bei der Volkszählung 1925 1772%, während in der Gesamtbevölkerung auf diese Altersgruppe 26% kamen. Die 15 bis 30jährigen umfassten 25% der jüdischen, 29% der Gesamtbevölkerung, aber schon die 50 bis 45jährigen waren bei den Juden zu 25%, bei der Gesamtbevölkerung nur noch zu 21% vorhanden. Bei den 45 bis 60jährigen waren die Anteilsätze 20 und 15%, bei den 60 bis 70jährigen 8 und 6%. Nun ist aber die Sterblichkeit, abgesehen von der des Säuglingsalters, bei Kindern und Jugendlichen geringer als später. Wei] aber die Juden weniger Kinder haben, ist bei ihnen die Sterblichkeit im Durchschnitt höher als die der Gesamtbevölkerung. Wahrscheinlich würde eine Ausgiiederung der letzteren nach sozialen Schichten und Alter wieder zeigen, daß das, was hier als Spezifikum der jüdischen Bevölkerung festgestellt ist, für die Schichten, denen die Juden in der Hauptsache angehören, ganz allgemein gefunden wird, und zwar nicht infolge der Zugehörigkeit der Juden, sondern als Merkmal der betreffenden Schicht ohne Unterschied der Konfession. Durch diese Erklärung wird aber die Tatsache nicht aus der Welt geschafft, daß die jüdische Bevölkerung sich jetzt durch die Geburtenabnahme vermindert. War in der Vorkriegszeit und auch in den Jahren nach der Kriegszeit jährlich immer noch ein kleines Plus von einigen Hunderten, so betrug der Verlust ohne Uebertritte 1925 339, 1926 944, 1927 1508, 1928 1633 Köpfe. Ob ein Ausgleich durch Zuwanderung erwünscht ist, ist eine Frage, die verschieden beant- 6

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