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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1930-07-01 · Heft 1 (Juli 1930) · p. Seite 4

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
5 (1930) (Neue Folge)
Issue
Heft 1 (Juli 1930)
Date
1930-07-01
Page
Seite 4 (sequence 5)
Language
German
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im wesentlichen dadurch, daß die jüdische Bevölkerung insbesondere der an Polen abgetretenen Gebiete zu einem beträchtlichen Teil nach den übrigen preußischen Provinzen abgewandert ist, während ein großer Teil der katholischen Bevölkerung ihrer völkischen Zugehörigkeit gemäß in Neu-Polen verblieb. Dagegen dürfte die Verstärkung der jüdischen Bevölkerung in Preußen, die sich aus dem Vergleich beider Volkszählungen ergibt, nur in geringem Umfang die Folge einer nicht deutsch-jüdischen Einwanderung aus früheren russischen Teilen Europas sein. Jene Russeninvasion, soweit sie jüdischen Glaubens war, ist in den Jahren nach der Inflation weiter nach Westen geflossen und war 1925 nur noch in Resten vorhanden. Eher sind von den einströmenden Russen die evangelischen Balten in Deutschland geblieben, denn während die posen-westpreußischen Juden durchweg deutsch, die polnischen Christen, ihrer Kultur nach, zum Teil polnisch eingestellt waren, gehörten die zugewanderten Russen, soweit sie evangelische Christen waren, zum Deutschtum, während die russischen Juden kulturell teils mehr nach Frankreich tangierten, teils aber heimatlichere Verhältnisse eher in den östlichen Staaten von Amerika vorfanden. Nicht in allen Ländern der Welt tritt die konfessionelle Zusammensetzung statistisch so klar zutage wie in Deutschland, weil die Frage nach der Konfessionszugehörigkeit bei statistischen Erhebungen nicht überall gestellt wird. Es läßt sich manches für und manches wider die Erfragung des Bekenntnisses anführen. Wir glauben aber, daß eine Aufklärung auch in diesem Falle der bessere Teil ist, und daß ein Fortfall dieser Frage bei der Volkszählung und bei der Statistik der Bevölkerungsbewegung sich schließlich zum Nachteil der Minderheitskonfessionen auswirken würde. Die Entwicklung der deutsch-jüdischen Bevölkerung hat aber eine besondere Bedeutung, da sich bei ihr gewisse Tendenzen zeigen, an denen der Bevölkerungsstatistiker, gleich welcher Konfession, nicht stillschweigend vorübergehen kann. Es zeigt sich nämlich, daß die jüdische Bevölkerung sich zum Teil anders verhält wie die übrige deutsche Bevölkerung. Wenn diese andersartige Entwicklung eine spezielle Eigenschaft des jüdischen Teiles der Bevölkerung wäre, so wäre sie allein für jüdische Kreise interessant. Da aber die eingehenden Untersuchungen, insbesondere von Johannes Müller, gezeigt haben, daß die Konfessionszugehörigkeit sehr häufig nicht das Primäre ist, sondern nur deshalb in den Vordergrund tritt, weil die Angehörigen der einzelnen Konfessionen oft auch nach ihrer sozialen Stellung verschiedenen Bevölkerungsschichten angehören, so kann man sehr wohl die Ansicht vertreten, daß das, was hinsichtlich der Bevölkerungsentwicklung der deutschen Juden festgestellt wird, weniger für das Judentum als für diejenigen Schichten der deutschen Bevölkerung typisch ist, denen die deutschen Juden angehören, also vornehmlich für die wirtschaftlich und gesellschaftlich gehobenen städtischen Schichten, den Kaufmannsstand, die sogenannten Gebildeten, vielleicht auch die Handwerker, weniger die große Masse der Lohnempfänger, kaum für die zur Landwirtschaft gehörigen Teile der Bevölkerung. Die Frage, mit der sich heute der Statistiker am stärksten beschäftigen muß, ist die Bedeutung des zweifellos vorhandenen Geburtenrückganges. Es kamen in Preußen in der Vorkriegszeit jährlich rund 5 bis 6000 Kinder von beiderseits jüdischen Eltern zur Welt. Die gleiche Zahl wurde auch in den ersten Jahren nach der Kriegszeit erreicht. Aber 1925 waren es ohne die Totgeburten nur noch 4680, 1926 4135, 1927 5729, 1928 3675. Die 4

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