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Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden · 1927-01-01 · Heft 9-12 · p. Seite 169

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Journal
Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden
Volume
4 (1927) (Neue Folge)
Issue
Heft 9-12
Date
1927-01-01
Page
Seite 169 (sequence 38)
Language
German
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— 169 teilen negieren. Auf welche Weise läßt sich nun diese auffallende Erscheinung erklären? Unsere ganze Kultur beruht wohl auf der Vererbung geistiger Eigenschaften. Da es jedoch am Beispiel der Juden leicht zu beweisen ist, daß diese Eigenschaften mit der Rasse nichts zu tun haben oder wenigstens, daß Individuen verschiedener Rassen Träger derselben geistigen Eigenschaften sein können, so ist damit gesagt, daß jene wohl auch erworben werden können. Oder sind die geistigen Eigenschaften überhaupt nicht genotypisch, sondern im Milieu anerzogen? Die besondere Veranlagung der Juden zur Musik, Mathematik (Schachspiel), Medizin und Journalistik ist bekannt. Lenz nimmt sogar eine solche für den Lamarckismus an. Das alles gilt aber zweifellos für Europa. Wie steht es jedoch damit in Asien und Afrika? Erst eine solche auf breiter Basis ausgeführte objektive Untersuchung könnte für die Annahme eines besonderen jüdischen Geistes brauchbare Bausteine liefern. Aber schon die Tatsache allein, daß an der europäischen Kultur Germanen, Romanen, Ungarn, Russen und Juden gebaut haben und noch bauen, spricht vielleicht deutlich genug gegen den reinrassigen Ursprung der Kultur überhaupt und eher dafür, daß die Kultur etwas Selbständiges ist, dessen Ursachen noch nicht ergründet sind. Man hat die Kultur mit der B a s t a r d i er u n g der Völker zusammenbringen wollen, wobei sich jedoch die Ansichten darüber schroff gegenüberstehen, indem der Eine in der Bastardierung den Ruin, der Andere dagegen den Aufschwung der Völker erblickt. Die gesamte Judenheit ist nun Trägerin einer gewissen Kultur einerseits, andererseits ist sie in verschiedene Gruppen, die rassig weit voneinander abstehen, zersplittert. Das spricht somit für die Richtigkeit des von mir vertretenen Standpunktes in dieser Frage, wonach dasjudentumüberhauptkein Rassen-, sondern ein bloßes Kulturprodukt und -problem sei. Der Einfluß der Mischung im Judentum ist Hder ein noch ganz unberührtes Gebiet und doch könnten hier ersprießliche Studien getrieben werden, insofern als die Mischung an manchen Orten neu begonnen hat, nicht von langem Datum ist und allmählich vor sich geht. Die einzige mir bekannte Arbeit von S a 1 a m a n aus England spricht für das rezessive Verhalten des jüdischen Typus. Solche Arbeiten sollten jedoch en masse ausgeführt werden und zwar sollten nicht nur Mischungen zwischen Juden und Nichtjuden, sondern auch solche zwischen Juden verschiedener Gruppen, wie z. B. Mischungen zwischen Juden aus Rußland und solchen aus dem Jemen, wie sie in Palästina vorkommen, berücksichtigt werden. Sehr interessant wäre die Veröffentlichung der unter den Juden zahlreich kursierenden „Adelsbriefe", worunter Stammbäume hervorragender Familien verstanden werden, die sich häufig, wenn auch nicht direkt von Adam, so doch wenigstens von König David ableiten. Eine genauere Prüfung dieser Stammbäume könnte vielleicht manches Licht über die Vererbung der Talente oder besonderer Fähigkeiten verbreiten. Sonst führt das jüdische Leben mit seiner Unstetigkeit in vielen Beziehungen, was hauptsächlich Wohnort und materielle Güter anbelangt, dazu, daß die jüdische intellektuelle Aristokratie meistens nur aus Emporkömmlingen vom gestrigen Tage besteht. Bei einer gewissen Vertiefung in diese Sachlage gewinnt man die Ueberzeugung, daß es sich im Judentum wenigstens auf intellektuellem Gebiet nicht um Vererbung, sondern um Zufallserscheinungen handelt, die entweder als rettende Mutationen oder nur

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